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Rennen und kämpfen wie ein Elch

Floorball Rennen und kämpfen wie ein Elch

Schon mal mit einem Elch Hockey gespielt? Nein? Dann wird es aber Zeit: Die Marburger Floorball-Mannschaft ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich über jedes neue Gesicht freut.

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An der Körperhaltung gibt es wohl noch einiges zu verbessern: Volontär Dennis Siepmann beim Schuss aufs Tor.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Marburg. Plötzlich bin ich wieder ein kleiner Junge. Ich erinnere mich, wie ich auf dem Hof vor unserem Haus stehe und mit einem langen abgebrochenen Ast nach einem Tennisball schlage. Im Fernsehen hatte ich gerade die Eishockey-WM gesehen. Helden dieser Tage waren die kanadischen Ausnahmespieler Wayne Gretzky und Mario Lemieux. Nun, etwa 25 Jahre später, stehe ich in der Marburger Stadtwaldhalle und habe wieder einen „gebogenen Stock“ in der Hand – um genau zu sein: einen  Floorball-Schläger.

 

Floorball funktioniert im Prinzip wie Eishockey. Doch statt Eis unter den Kuven, spüren die Spieler den Hallenboden unter ihren Sportschuhen. Statt einem Puck donnern kleine, weiße Bälle durch die Gegend. Das Spiel ist schnell und laufintensiv. Gezielte Pässe und wuchtige Schüsse – fast alle Aktionen im Sprinttempo. Bei wahren Könnern wie den Marburger Elchen, die mich heute mittrainieren lassen, sieht es furchtbar einfach aus.

Von der Eleganz meiner nordamerikanischen Eishockey-Vorbilder Gretzky und Lemieux bin ich jedoch in etwa so weit entfernt, wie die Marburger Stadtwaldhalle von Kanada. Den Schläger halte ich wie eine Mistgabel. Und wenn ich den Ball dann doch mal treffe, sieht es aus, als würde ich Schnee schaufeln. Tobias Grebestein macht vor, wie es geht. Fast scheint es, als würde der 26-jährige Trainer der Marburger Elche tatsächlich über Eis hinweggleiten. Eine blitzschnelle Pirouette, dann ein energischer Schuss aus der Drehung und der Ball zappelt im Tor. Ich hingegen scheitere schon an der 50 Zentimeter hohen Bande, die sich in ovaler Form rund um das Feld zieht. Es klingt als würde jemand ein schweres Garagentor zuschlagen, als ich beim Sprung über eben jenes „Hindernis“ hängen bleibe und krachend zu Boden gehe: peinlicher kann der Abend eigentlich nicht mehr werden.

Kraft ist nicht alles  es geht um die richtige Technik

Trost finde ich bei „Elchi“, dem flauschigen Maskottchen der Marburger Sportler. Im Kostüm steckt der 1. Vorsitzende des 2006 gegründeten Vereins, Gunnar Richter. Warum die Elche eigentlich Elche heißen, kann Richter nur noch teilweise wiedergeben. Es hatte auf jeden Fall etwas mit einem finnischen Freund und einer ausgiebigen Kneipentour durch Marburg zu tun. Nach meinen desaströsen ersten Minuten auf dem Feld, bekomme ich aber langsam ein Gefühl für das Spiel. Zumindest die Richtung, in die der Ball fliegen soll, stimmt.
Früh muss ich feststellen, dass es beim Schießen nicht allein auf Kraft ankommt, sondern auf Technik.

Trainer Grebestein gibt mir immer wieder Tipps, wie ich den kleinen löchrigen Ball besser annehmen und weiter zu meinen Mitspielern passen kann. Genau wie beim Eishockey kann auch hinter den Toren gespielt werden, wobei die Torhüter als einzige Spieler auf dem Feld wirklich geschützt sind: mit Helm und Schonern. Die Feldspieler brauchen diesen Schutz nicht, sagt Grebe­stein, weil der Sport bei Weitem nicht so hart sei, wie Eishockey. Zu harter Körpereinsatz wird sofort vom Schiedsrichter geahndet. Auch das Schwingen mit dem Schläger über Hüfthöhe ist nicht erlaubt, wie Grebestein erklärt.

Erinnerungsfoto mit "Elchi"

Den Weg zum Floorball hat der ehemalige Eishockey-Spieler durch Zufall gefunden. Beim Marburger Stadtfest wurde Grebestein auf „Elchi“ und sein Team aufmerksam. Er besuchte eine Trainingseinheit  und blieb. 
Die Stimmung innerhalb der Mannschaft, die sowohl aus Frauen und Männern besteht, ist gut. Ich lasse mich von der Laune anstecken und erziele tatsächlich noch einen Treffer für mein Team. Wie es steht, weiß ich nicht – ist auch Nebensache.

Das Spiel fordert mir alles ab. So sehe ich nach dem Trainingsspiel dann auch aus: durchgeschwitztes T-Shirt und Sturz-Schramme am Knie. Zur Erinnerung gibt es noch ein Foto mit „Elchi“. Mein Fazit: Floorball macht unheimlich Spaß, auch wenn man von Natur aus kein begnadetes Talent am Schläger ist. Wer sich gerne auspowert und die Herausforderung im Team sucht, ist hier richtig aufgehoben.

von Dennis Siepmann

Hintergrund

  • Floorball oder auch Unihockey wurde in den 1970er-Jahren in Schweden, Finnland und der Schweiz gemeinsam entwickelt.
  • Das Spiel wird in zwei Varianten gespielt: auf dem Kleinfeld (drei gegen drei) und auf dem Großfeld (fünf gegen fünf).
  • Informationen und Kontaktdaten zu den Marburger Floorballern gibt es unter: www.marburger-elche.de
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