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Keine ruhige Kugel schieben

Abenteuer Sport: Crossboccia Keine ruhige Kugel schieben

Boccia ist ein Spiel für betagte Menschen im Rentenalter, die eine ruhige Kugel schieben? Von wegen. Zumindest, wenn man die Cross-Variante spielt.

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Martin Wavrouschek (von links), Patrick Weigel und Nico Kreuttner spielten mit OP-Volontär Andreas Arlt eine Partie Crossboccia an der Mensa in Marburg.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Boule oder die italienische Variante Boccia ist wohl den meisten Menschen ein Begriff. Man braucht eine begradigte Fläche, eine kleine Kugel und - je nach Anzahl der Spieler - mehr oder weniger größere (Metall-)Kugeln, die möglichst nah an die zuvor platzierte kleine Kugel heran geworfen werden müssen. Klingt langweilig und ist es vermutlich auch. Als wir für die OP-Serie „Abenteuer Sport“ Boule spielten war das Fazit: "Ins Schwitzen kommen Boule-Spieler höchstens dann, wenn der letzte Wurf zwischen Sieg und Niederlage entscheidet". Doch es gibt eine neue Variante, die den Namen „Crossboccia“ trägt, ähnliche Grundregeln beinhaltet, aber aus einer Reihe von Gründen deutlich anders ist.

Crossboccia kann man überall spielen

Der erste Grundsatz: Eine Partie kann man überall spielen. „Das macht Crossboccia so interessant“,  sagt Nico Kreuttner. Auf dem Marktplatz, vor der Arbeitsstelle, vom 10. Stock eines Hochhauses, auf einer Bootsmesse - sprich überall, wo man nicht sich oder andere Menschen gefährdet. Ein sogenannter Marker muss nur irgendwo platziert werden und schon geht das Zielwerfen mit den Crossbocciakugeln los, die im Gegensatz zu der ursprünglichen Variante aus einer Kunststoffhülle bestehen und zu dreiviertel mit Granulat gefüllt sind. Dreidimensionalität ist das Stichwort, das diese Sportart interessant macht. „Schwierig wird eine Runde durch das, was der erste Spieler beim Platzieren des Markers an Vorgaben macht“, so Patrick Weigel, der wie Kreuttner und Martin Wavrouschek als „Team Mittelhessen“ auch an Turnieren teilnimmt.

Denn der Marker kann im öffentlich Raum überall hingeworfen werden. Aber nicht nur der Ort wird am Anfang der Runde bestimmt. Wer anfängt, bestimmt auch die Wurfart und den Weg den die Kugeln nehmen müssen: Erst durch die Beine, dann gegen einen Tisch und ohne die Wand zu berühren. Hinter dem Rücken abgeworfen und gegen die Litfasssäule. Oder als Aufsetzer über den Fluss zum anderen Ufer. Den Schwierigkeitsgrad bestimmt der erste Spieler - und das macht die Sportart so ideenreich. „Wir sind am Anfang auf Turniere gefahren und waren erstaunt, was es überhaupt alles für Möglichkeiten gibt, die Kugel zu werfen“, sagte Wavrouschek, der mit seinem Team derzeit auf dem ersten Platz der Weltrangliste steht.

 

Gerade die Vielseitigkeit der Aufgaben an den unterschiedlichen Orten, macht Crossboccia zu einem Blickfang für Umherstehende. „Es ist eine Sportart, bei der Freiheit, Spontaneität und Kreativität gefragt sind. Und das macht es auch für Zuschauer so interessant“, sagte Kreuttner, der mir mit seinen zwei Team-Kollegen an der Mensa in Marburg nicht nur die Regeln erklärte, sondern auch eine Partie spielte. Das Fazit nach den ersten Runden: Die Vorurteile, die ich gegenüber Boccia hatte, treffen beim Crossboccia nicht zu. Keine Langeweile bei den Zielübungen, sondern ständig neue Herausforderungen und die ständige Ungewissheit, welche Ansagen am Anfang der neuen Runde gemacht werden. Gerade daraus entwickelt sich der echte Spaßfaktor bei dieser Sportvariante.

von Andreas Arlt

Hintergrund

Crossboccia wurde vor fünf Jahren von zwei Wuppertaler Studenten entwickelt. Mittlerweile spielen über 100.000 Menschen weltweit die Sportart. Das Team „Crossboccia Mittelhessen“ veranstaltet am 7. und 8. September ein Turnier in Gießen. Weitere Informationen und Kontakt zum Team unter www.crossboccia-mittelhessen.de

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