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Gott ist ein Tänzer

Abenteuer Sport: Breakdance Gott ist ein Tänzer

Gesche Weber wagt es: Sie versucht sich als absolute Anfängerin im Breakdance. Schnell lernt sie, dass der Sport nicht nur eine reine Tanzform ist, sondern viel mehr.

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Abenteuer Sport

Fasziniert verfolgt Gesche Weber die Breakdance-Moves von Parwes Qayumi.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Aus der Alten Mensa in der Oberstadt dröhnt lauter Hip-Hop. Old School Hip-Hop um genau zu sein. Drinnen wirbelt ein junger Tänzer in Jogginghose im Kreis, aber nicht etwa auf seinen Füßen. Nein, er dreht sich kopfüber. Die übrigen „Funky Harlekinz Crew“-Mitglieder stehen um ihn herum und schauen achtsam zu. Nacheinander wechseln sie sich in der Mitte des Kreises ab und zeigen dabei unglaublich akrobatische Elemente. Als Betrachter bekommt man das Gefühl, dass die Tänzer teilweise in der Luft schweben. Die Gesichter sind kaum zu erkennen, denn die Geschwindigkeit der Bewegungen ist einfach zu schnell. Die OP ist zu Besuch beim Breakdance-Kurs der Marburger „Funky Harlekinz Crew“- Mannschaft.

Heute wird alles anders

Zu den neuen Gesichtern in der Runde zählt heute auch Gesche Weber. Die Auszubildende wollte schon immer Hip-Hop oder Breakdance ausprobieren. Tänzerische Vorerfahrungen hat sie bereits gesammelt - seit vier Jahren übt sie sich in Standardtänzen. Doch heute wird alles ein wenig anders. Jan Aike Hustedt weist sie als Trainer ein und es geht sofort los. Aufwärmen. Gesche blickt etwas aufgeregt - sie konzentriert sich auf die vorgegebenen Bewegungen. Hustedt zeigt zunächst ein paar „einfache Schritte“ - er bemüht sich, alles sehr anschaulich zu erklären. Er wiederholt die Bewegungen immer wieder und unterstützt Anfängerin Gesche, die dennoch ein wenig Mühe hat, allem so schnell zu folgen.

Dass Gesche tänzerisches Talent hat, merkt man an ihrer Körperhaltung. „Ich habe auch gewisse Ähnlichkeiten mit dem Standardtanz erkannt. Beim Standard muss man auch die Beine strecken können, aber von der Körperspannung und Bewegungsart ist es was ganz anderes. Deswegen finde ich persönlich den Breakdance viel schwieriger.“ „Richtig super“ findet Gesche die Freiheit in den Bewegungen. „Beim Standardtanzen ist das nicht so. Da gibt es ja vorgegebene Figuren, an denen man sozusagen festgebunden ist. “ Ein schüchternes Lächeln kommt über ihr Gesicht, wenn ein Schritt mal nicht ganz so klappt oder wenn sie gerade mit dem Tempo nicht klar kommt. Die Freude am Breakdance ist ihr aber schon anzusehen. Die übrigen Tänzer schauen den beiden zu, klatschen und rufen unterstützend.

Breakdance als Lebensstil

Für die Mitglieder des Kurses ist Breakdance mehr als nur ein Hobby: „Breakdance ist für mich Kunst, ein Ausdruck meiner selbst. Es ist mein Lebensstil,“ sagt Jan Reza Vesali, der erst vor einem Jahr aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist. Nach seiner Ankunft hat er sofort nach einem Breakdance-Kurs gesucht und wurde in Marburg fündig. Vesali sagt: „Ich fühle mich vollständig, wenn ich breake. Manche glauben an Gott, ich glaube an Breakdance. Wenn ich tanze, spreche ich mit meinem Gott.“

Die „Harlekinz“ existieren bereits seit 2004. Seither gab es in der Formation schon einige Generationswechsel. „Seit 2013 trainieren wir drei bis vier Mal pro Woche. Dabei gehen wir auch öfters auf die Straße oder in die Stadthalle. Und wir treten auch auf Marburger Bühnen auf, wie zum Beispiel im KFZ, der Cavete oder im Trauma,“ erzählt Paul Luis Rott, der in der Mannschaft am längsten tanzt.

Nach 30 Minuten sportlichem Abenteuer hat Gesche für sich selbst eine Lieblingsbewegung herausgefunden: „Wenn ich mit dem Rücken auf dem Boden liege, dabei die Beine und die Hände nach oben gestreckt habe und mich dabei drehe. Eben wie so ein Kreisel. Ich hab mir gedacht, das sieht nicht so schwer aus, das könnte ich vielleicht auch mal ausprobieren. Es war ziemlich cool und diese akrobatischen Handstände sind auch total schön! Tanz und Akrobatik in einem.“

"Meine Beine tun unendlich weh"

Die Tanzgruppe besteht fast ausschließlich aus Jungs. Beim OP-Besuch war außer Gesche nur ein weiteres Mädchen anwesend: „Vielleicht ist das so, weil Breakdance körperlich sehr anstrengend ist, und es deshalb so viele Männer machen, weil sie eben mehr Kraft haben“, mutmaßt Gesche. „Frauen sollten das aber in jedem Fall ausprobieren. Ich würde es jetzt auch nicht komplett als Männersport abstempeln.“ Natürlich sei sie von den Leistungen der Jungs beeindruckt gewesen. „Es hat mir sehr gut gefallen und ich würde eigentlich auch gerne so tanzen können,“ teilt Gesche ihre Eindrücke mit. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich so was in der Zukunft auch mache. Aber heute muss ich mich erst mal ausruhen, denn meine Beine tun unendlich weh“, sagt sie lächelnd.

von Vasilisa Ishchenko

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