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Eine normale Radtour - unter Wasser

Abenteuer Sport: Aquacycling Eine normale Radtour - unter Wasser

Mit dem Fahrrad auf der Stelle fahren: Im Fitness-Studio ist das gang und gäbe. Es im Wasser zu tun, scheint doch etwas Besonderes zu sein. Zeit für eine Probestunde.

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Gesund und belebend: Strampeln unter Wasser.

Quelle: Privatfoto

Wehrda. „Jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt“ - ich trete, die Wellen schlagen an den Rand des Beckens. Die Musik aus den Boxen gibt den Takt vor. „Jetzt, jetzt, jetzt, jetzt“, sagt Christoph Jakob erneut und lacht, als er sieht, wie ich auf meinem Unterwasser-Drahtesel hin und her hopse. „Nicht springen, einfach nur ruhig weiter fahren“, lautet seine Anweisung. Mittlerweile habe ich aber selbst schon den Linksdrall in meinen Bewegungen bemerkt.

Zu Beginn standen die Spezialräder noch parallel nebeneinander. Nun habe ich aber so sehr am Lenker herumgerissen, dass ich als einziger schräg zu anderen in die Pedale trample. Wenn das so weitergeht, werde ich mich in einer halben Stunde einmal komplett um die eigene Achse gedreht haben.

Richtiger Ort zur rechten Zeit

Ein gewisses Risiko hat Christoph Jakob mit seinem Projekt „Aquacycling Marburg“ auf sich genommen. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. Der ausgebildete Physiotherapeut musste die Räder, allesamt Spezialanfertigungen, anschaffen und eine Möglichkeit finden, wo er die Kurse abhalten kann. „Ein einzelnes Rad kostet im Shop 2000 Euro“, sagt der 33-Jährige. Da er aber jedoch gleich ein Dutzend benötigte, gab es einen Preisnachlass.

Schwieriger gestaltete sich zunächst die Suche nach einem passenden Ort für die Kurse. Nachdem Jakob Gespräche mit einigen Bädern geführt hatte, signalisierten die Verantwortlichen im Kinderzentrum Weißer Stein in Wehrda grünes Licht. Ein Glücksfall für den Familienvater, der dort im zweiten Monat fünf Gruppen anleitet.

Wie er das genau macht, erlebe ich in diesem Moment am eigenen Leib. Es geht in verschiedenen Stufen vom lockeren Treten bis hin zum Sprint. Wer schon mal einen „Spinning“-Kurs belegt hat, findet hier Vergleichsmöglichkeiten. Jakob ruft die verschiedenen Gangarten über sein Kopfmikrofon.

Das Tempo wird höher, nun geht es raus aus dem Sattel im Stehen weiter. Damit das Strampeln nicht zu einfach ist, sind an den Aquabikes kleine Plastik-Widerstände eingebaut, die sich in verschiedenen Positionen einstellen lassen. So kann das Rad individuell für jeden Teilnehmer angepasst werden. Was genau Jakob an meinem Wasser-Bike eingestellt hat, weiß ich nicht genau, auf jeden Fall wird das Trampeln von „Haha, das kann ich zwei Tage am Stück“ zu einem „Eieiei, doch ganz schön anstrengend nach ’ner gewissen Zeit“.

Ein wesentlicher Unterschied beim Aquacycling im Vergleich zum normalen Fahrradfahren liegt darin, dass nicht nur die Beine beansprucht werden. Denn nun soll ich auch noch meine Arme unter Wasser bewegen. Also rudere ich. Meine Hände gleiten durch das Wasser nach vorne und dann wieder schnell zurück. „Immer schön gleichmäßig weiter“, ruft Jakob. Und wieder ist es dasselbe: Am Anfang ist die Belastung noch überschaubar, doch mit jeder Wiederholung merke ich die Muskeln mehr und mehr.

Dennoch: Das „Fahren“ ist angenehm und die Übungen gelenkschonend. Überhaupt passt sich das Programm sehr gut den jeweiligen Leistungsfähigkeiten der Teilnehmer an, da es sich am individuellen Tempo orientiert. Sprint bedeutet bei jedem Teilnehmer: so schnell, wie man eben kann.

Gelungene Probetour

Langsam merke ich die Hitze und sage unserem Fotografen, dass er ab jetzt besser keine Aufnahmen mehr von mir machen soll. Das Ergebnis würde nämlich einen grimmig dreinblickenden Typen mit hochrotem Kopf zeigen. Den übrigen Kursteilnehmern steht die Freude allerdings ins Gesicht geschrieben. Das kann ich auch, denke ich mir: also noch ein paar Tritte mehr. Und nun wie Sprinter Erik Zabel auf dem Weg zur Ziellinie. Wenig später stehe ich wieder schräg im Schwimmbecken: Ich muss wohl noch an meiner Technik feilen.

Trotz der Anstrengung fühlen sich meine Beine nach einer Dreiviertelstunde gar nicht schwer oder übermäßig belastet an. Mein Fazit: Durch den Mix von Fahrradfahren und Wassersport ist Aquacycling ein schöner Sport für alle, die eine körperliche Herausforderung suchen und dabei gleichzeitig auf eine gelenkschonende Belastung achten.

von Dennis Siepmann

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