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Aus dem Takt - Was bei Nachtarbeit hilft

Ärzte, Polizisten, Portiers: Viele arbeiten, wenn andere schlafen. Nachtschicht machen sie aus verschiedenen Gründen - doch fast alle haben über kurz oder lang mit Problemen zu kämpfen.
Im Rettungsdienst kommen Beschäftigte um Nachtschichten nicht herum. Doch sie sind nicht die einzigen: Im Schnitt arbeitet jeder Elfte nachts.

Im Rettungsdienst kommen Beschäftigte um Nachtschichten nicht herum. Doch sie sind nicht die einzigen: Im Schnitt arbeitet jeder Elfte nachts.

© Nicolas Armer

Mühldorf. Mit ein paar Kniffen können sie die Folgen abschwächen.

Eine Woche Nachtschicht - das bedeutete für den Chirurg Christian Umschlag in seiner Zeit als Assistenzarzt manchmal: Samstags um 16.30 zum Dienst, Schluss am Morgen darauf um 9.00 Uhr. Am Sonntag dasselbe, die nächste Schicht am Dienstag, dann wieder am Donnerstag. Nach einer solchen Woche brauchte er vor allem eines: Schlaf. Inzwischen ist der 38-jährige Oberarzt an der Klinik in Mühldorf am Inn. Heute schiebt er diese Nachtschichten zwar nicht mehr. Aber er hat neben seinen Diensten Bereitschaften, die 24 Stunden dauern. "Das ist nicht minder anstrengend, weil man immer damit rechnet, dass das Telefon klingelt", erzählt er.

Wie Christian Umschlag geht es vielen anderen Arbeitnehmern. Nicht nur Ärzte und Klinikpersonal arbeiten regelmäßig in Nachtschichten. Auch Polizisten, Bahnmitarbeiter und Angestellte im produzierenden Gewerbe sind im Einsatz, wenn es draußen dunkel ist. "Auch Mitarbeiter in Callcentern arbeiten zunehmend rund um die Uhr", sagt Psychologin Hiltraut Paridon von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Laut Zahlen des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) arbeitete 2012 jeder elfte Arbeitnehmer (9,2 Prozent) in Deutschland nachts. Männer machen das deutlich häufiger als Frauen. So arbeitet von den Männern jeder Neunte (11 Prozent) nachts - bei den Frauen sind es 6 Prozent.

Egal, ob Angestellte am Fließband stehen, Streife fahren oder einen Blinddarm operieren: "Schichtarbeit ist nie wirklich gesund", sagt Paridon. "Unser Körper ist nicht dafür gemacht, nachts zu arbeiten." Viele litten unter Schlafstörungen. Auch gibt es eine Reihe von Krankheiten, die mit Schichtarbeit assoziiert werden. Beschäftigte sollten darauf achten, dass sie sich etwas Gesundes von zu Hause für die Arbeit mitnehmen. Auch sollten sie sich um ein regelmäßiges Sportprogramm in der Freizeit bemühen.

Häufig leidet nicht nur der Körper. Auch die Seele wird in Mitleidenschaft gezogen. "Die sozialen Kontakte werden durch die Schichtarbeit beeinflusst", sagt Friedhelm Nachreiner. Der Psychologie-Professor ist Vorsitzender der Gesellschaft für arbeits-, wirtschafts- und organisationspsychologische Forschung in Oldenburg. Im schlimmsten Fall können die ungewöhnlichen Arbeitszeiten zur sozialen Isolation führen.

Schichtarbeiter sollten sich deshalb bemühen, nach einem festen Rhythmus zu leben. Dazu gehört, sich regelmäßig mit Freunden und Familie zu verabreden.

Während der Körper zwischen 2.00 und 4.00 Uhr morgens seinen Leistungstiefpunkt hat, kann er zum Morgen wieder aufdrehen. Dennoch sollten Nachtarbeiter darauf schauen, dass sie ausreichend Schlaf nach ihrer Schicht bekommen. Rituale können dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. "Ob das ein Tee ist, eine Weile die Zeitung zu lesen oder unter die Dusche zu gehen, muss jeder für sich selbst herausfinden", sagt Paridon.

Der Mediziner Christian Umschlag kann mit seinen Schichten ganz gut leben. "Sie gehören schließlich zu meinem Beruf", sagt er. Damit er der Anspannung im Job bewusste Entspannung entgegensetzen kann, hat er nach Jahren der Abstinenz nun wieder mit einem festen Sportprogramm begonnen.

dpa


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