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Nachhaltiges Reisen: Öko-Labels sind kaum vergleichbar

Nachhaltigkeit ist ein Trendthema, auch im Tourismus. In den vergangenen Jahren haben sich mehr als 150 internationale Öko-Labels etabliert. Worin unterscheiden sie sich? Und welches ist das beste Zertifikat?
Das Label TourCert deckt drei Komponenten von Nachhaltigkeit ab: die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen.

Das Label TourCert deckt drei Komponenten von Nachhaltigkeit ab: die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen.

© TourCert

Berlin. Tourismus lebt zum großen Teil vom Naturerlebnis. Gleichzeitig schädigt der Urlauber mit seinen Reisen nicht selten die Umwelt - ein Dilemma, das vielen lange nicht klar war.

"Ein Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit im Tourismus ist erst entstanden, als mehr Menschen reisten und erste Schäden zu sehen waren", sagt Petra Thomas, Geschäftsführerin im Forum Anders Reisen, einem Zusammenschluss von nachhaltigen Reiseunternehmen.

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Öko-Labels stark gestiegen. "Weltweit existieren etwa 150 bis 180 Labels für einen nachhaltigen Tourismus", erklärt Martin Balas von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE). Es ist wie im Supermarkt: Zig Siegel und Zertifikate buhlen um die Gunst des Verbrauchers. Nur welchem Label ist zu trauen? Womit wird die Umwelt tatsächlich geschützt?

Das ist nicht immer leicht zu sagen. Es gibt zumindest wichtige Kriterien: Liegt eine Nachhaltigkeitsstrategie vor? Werden Besucher gezählt und das kulturelle Erbe geschützt? Wie steht es um ökologische Faktoren wie Wasserverbrauch, Recycling, Licht- und Lärmschutz? Große Unterschiede gibt es bei der Überprüfung der Kriterien. Einige Labels prüfen vom Schreibtisch aus, andere senden externe Gutachter in die Betriebe.

Ein wichtiger Orientierungspunkt für Urlauber ist die Frage: Wurde das Label durch den GSTC anerkannt? Der Rat ist heute der größte internationale Interessenverbund für nachhaltigen Tourismus. Er wird finanziell unter anderem von Tui unterstützt, arbeitet nach eigener Aussage aber unabhängig. Die Organisation prüft, wer hinter einem Label steht, was der Kriterienkatalog verlangt, wie zuverlässig das Prüfverfahren ist, welchen Nachhaltigkeitsschwerpunkt ein Label hat und welche Betriebe und Angebote zertifiziert sind.

"Die Frage nach dem besten Öko-Label kann pauschal nicht beantwortet werden. Aus der Vielfalt des Tourismus hat sich die Vielfalt der Öko-Labels entwickelt", erklärt Herbert Hamele, Gründungsmitglied des GSTC. Es gibt regionale, nationale und internationale Zertifikate sowie Labels, die entweder Hotels, Campingplätze, Reiseveranstalter und sogar Autowaschanlagen auszeichnen - oder all dies. Auch in den Nachhaltigkeitsschwerpunkten unterscheiden sich die Labels.

Einige Labels decken alle drei Säulen der Nachhaltigkeit, also auch soziale und wirtschaftliche Komponenten ab. Dazu zählt TourCert, das etwa von

Tourism Watch und der HNE Eberswalde für Reiseveranstalter, Reisebüros und Unterkünfte entwickelt wurde. Auch Green Globe zeichnet ganzheitlich Hotels, Resorts und Reiseunternehmen aus. Es wurde bereits mehr als 540 Mal vergeben.

In Deutschland decke das Label Viabono - ein Initiative des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes - ein breites Spektrum wichtiger Kriterien ab, sagt Hamele. Das Label Bio Hotels dagegen konzentriere sich auf rein ökologische Aspekte und sei in diesem Segment sehr anspruchsvoll. Der Experte empfiehlt beide Siegel für Urlaub in Deutschland. Einen guten Durchblick durch das Dickicht der Öko-Labels gibt der "Wegweiser durch den Labeldschungel".

Bleibt die Frage: Schaut der Urlauber überhaupt auf die Labels? "Für den Reisenden ist das erst im zweiten oder dritten Schritt entscheidend, wenn Reiseziel und Preis den Vorstellungen entsprechen und Angebote untereinander verglichen werden", sagt Petra Thomas. Die Vermutung, dass nachhaltiges Reisen allgemein teurer ist, hält Thomas für ein Vorurteil, das dem Überangebot an Reiseschnäppchen geschuldet sei. Durch nachhaltiges Reisen entstehen viele Einsparungen, die an den Reisenden weitergegeben werden, lautet ihr Argument.

dpa


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