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Tourismus

Mit Feuer den Winter vertreiben - "Biike" im Norden

Die Biikefeuer mit ihren meterhoch lodernden Flammen sind ein alter nordfriesischer Brauch. Das Feuer-Spektakel lockt stets zahlreiche Gäste an. Im Dezember wurde es zum Kulturerbe erklärt.
Das Biikefeuer ist ein Fest im Norden. Damit wird der Winter vertrieben.

Das Biikefeuer ist ein Fest im Norden. Damit wird der Winter vertrieben.

© Carsten Rehder

Bredstedt. Mit Feuer den Winter vertreiben: Seit vermutlich mehr als 2000 Jahren lassen die lodernden Flammen der "

Biike" den Abendhimmel an Schleswig-Holsteins Nordseeküste rot erglühen. Das Spektakel wird heutzutage immer am 21. Februar gefeiert. Die Biike ist der älteste nordfriesische Brauch und gilt vielen Friesen als "Nationalfest".

 

Im Dezember 2014 wurde das Jahresfeuer zum immateriellen Kulturerbe erklärt und besitzt damit eine überregionale Bedeutung. Biike ist das friesische Wort für Feuerzeichen. Inzwischen pflegen auch Gemeinden außerhalb der Region diese Tradition, um Gäste anzulocken. Selbst an der Ostseeküste lodern seit einigen Jahren Biikefeuer - sie heißen allerdings anders.

Ursprünglich war die Biike ein heidnisches Fest. Die Friesen haben es erfunden, erklärt das

Nordfriisk Institut (Nordfriesisches Institut) in Bredstedt. Der uralte Brauch geht auf einen Fackeltanz zurück, der zur Beschwörung eines fruchtbaren Jahres aufgeführt wurde. Später wurden die Flammen zur Fastnacht gezündet: Fast jeder Bauer brannte auf seinem Hof ein kleines Biikefeuer ab, um die Geister des Winters zu vertreiben. Dabei wurde das Feuer noch bis ins 19. Jahrhundert auf Stangen herumgetragen, und der Tag der Biike "wanderte" entsprechend durch den Kalender wie heute etwa der Rosenmontag.

 

Im 18. Jahrhundert riefen die Biikefeuer die Menschen zum Gerichtstag zusammen. "Man kam zusammen, um rechtliche Dinge zu regeln, bevor dann in den folgenden Wochen, je nach Wetterlage, die meisten Männer die Insel verließen, um auf Walfang zu gehen", erklärt das Institut.

Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts verschwanden die Biiken aus weiten Teilen Nordfrieslands, um sich in einer modernen Form seit dem 19. Jahrhundert von Sylt aus über die Inseln und Halligen erneut auszubreiten. Dort errichteten Konfirmanden einen Holzfeuerstapel, auf dessen Spitze sie als Symbol für den Winter oft eine selbst geschneiderte Puppe setzten. Die heute üblichen riesigen Feuerstöße wurden erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeschichtet, als auch die Nordfriesen begannen, ihre Stuben mit Weihnachtsbäumen zu schmücken und die Tannen nach dem Fest wieder loswerden wollten.

Heute lodern jedes Jahr mehr als 60 Feuer an den Küsten des Festlands und der nordfriesischen Inseln. Die flammenden Holzstöße im rauen Winter sind an der Küste mittlerweile für Urlauber zu einem Anziehungspunkt geworden. Sie können zusammen mit der traditionellen Feuerrede und dem Ruf "Tjen di Biiki ön!" und friesisch rustikalem Grünkohlessen zum Pauschalpreis gebucht werden.

dpa


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