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Verkehr

Verkehrsmittel mit Rückenwind: Rad bekommt ein Häuschen

Es ist mehr als Sport und Freizeit: Das Rad wird von Verkehrsplanern zunehmend erst genommen. Als flexibles, sauberes Fortbewegungsmittel. In Dortmund und nun auch Düsseldorf entstehen abschließbare Fahrradhäuschen.
Matías Steinigk parkt sein Fahrrad in einem Fahrradhaus in Düsseldorf. Die Garagen für Fahrräder erfreuen sich immer größeren Beliebtheit.

Matías Steinigk parkt sein Fahrrad in einem Fahrradhaus in Düsseldorf. Die Garagen für Fahrräder erfreuen sich immer größeren Beliebtheit.

© Monika Skolimowska

Düsseldorf. Irgendwann war Matías Steinigk es leid, jeden Tag die vier Fahrräder seiner Familie zu schleppen. Im Haus musste der 41-Jährige die Räder über eine steile Kellertreppe bugsieren. Die teuren Räder sollten nicht über Nacht auf der Straße stehen.

Der Familienvater aus Düsseldorf träumte von einer abschließbaren Fahrradgarage auf der Straße und wurde aktiv. "Ich bin Klinkenputzen gegangen", erzählt der 41-jährige Biologe. Er legte Drähte zu Kommunalpolitik, Verkehrsverbänden, mobilisierte Nachbarn - und fand Verbündete.

Das ersehnte Fahrradhäuschen wurde Realität. Es steht mitten auf einem breiten Bürgersteig im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Der beige Rundbau mit kleinen Fenstern ist das erste dieser Art in Düsseldorf, aber wohl nicht das letzte. "Wir finden das toll", sagt Andrea Blome, die Leiterin des städtischen Amts für Verkehrsmanagement. Der abschließbare Unterstand kann in Vierteln mit Altbauten die Parkplatznot lindern und teure Räder sicher und bequem verwahren.

In NRW ist Dortmund das große Vorbild. Die Revierstadt hat sogar 14 Fahrradhäuschen. Es könnten mehr sein, wenn die ehrenamtlichen Träger hinterherkämen. "Die Leute rennen uns die Bude ein", erzählt Manfred Krüger-Sandkamp vom Verkehrsclub VCD in Dortmund. In diesen Wochen präsentiert Krüger-Sandkamp das Projekt in Osnabrück, Mainz, bei Nürnberg und in Berlin. Die Mutterstadt ist Hamburg: In der Hansestadt stehen inzwischen 400 bis 500 Fahrradhäuschen.

Das Fahrrad von Matías Steinigk hat seit über einem Jahr seinen festen Platz um die Ecke von seiner Wohnung in dem nur sechs Quadratmeter großen Pavillon. Dort sind an der Decke Haken befestigt für zwölf Räder. Wie ein Karussell lässt sich die Apparatur drehen. Das Häuschen ist voll belegt. Unter anderem hat ein Nachbar sein schweres E-Bike untergestellt. Gekostet hat der Rundbau 8000 Euro. Weil die Stadt Düsseldorf einen Zuschuss beigesteuert hat, zahlt jeder Nutzer einmal 240 Euro und jährlich noch etwa 40 Euro.

Das Fahrrad bekommt derzeit so viel Aufmerksamkeit von Verkehrsplanern wie nie zuvor. Vor allem in Ballungsräumen, wo der Autoverkehr täglich an seine Grenzen kommt, ändert sich das Mobilitätsverhalten. Das Rad kommt ins Spiel, und es hat Anteile am Verkehr erobert. "Das Potenzial im Radverkehr ist nach wie vor extrem hoch", meint der Verkehrsplaner Prof. Jürgen Gerlach von der Universität Wuppertal.

Etwa zwei Drittel aller Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer: Nicht immer, aber oft könne das Fahrrad eine gute Alternative sein, meint der Experte. "Man muss Radfahrende allerdings auch "einladen", Rad zu fahren", sagt er. Das heißt: Man soll ihnen entgegenkommen. War das Rad früher nur für etwas Sport oder Freizeit, so wird es heute als Verkehrsmittel sehr ernst genommen.

Auch Düsseldorf, die Stadt mit dem autofreundlichen Image, setzt darauf. Inzwischen haben die meisten Ministerien in der Landeshauptstadt Dienstfahrräder. Im Umweltministerium gibt es seit kurzem sogar zwei Duschen. Damit wurde ein Wunsch jener Mitarbeiter erfüllt, die mit dem Rad zur Arbeit fahren. Sie wollen sich nach kilometerlanger Anfahrt frisch machen, ehe der Arbeitstag beginnt.

dpa


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