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Rückrufe - Warum Autos oft zurück in die Werkstatt müssen

Ein Rückruf folgt dem anderen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Autos erneut, die nachträglich in die Werkstatt mussten - obwohl die Entwicklungsausgaben bei den Autobauern wachsen.
Ein Zünder für Airbags wird in der Takata Ignition Systems GmbH in ein Auto-Lenkrad eingesetzt.

Ein Zünder für Airbags wird in der Takata Ignition Systems GmbH in ein Auto-Lenkrad eingesetzt.

© Jens Wolf

Flensburg (dpa) - Jahr für Jahr stecken Autobauer mehr Geld in die Entwicklung - und doch müssen Autofahrer ihre Wagen immer häufiger wegen eines Rückrufs in die Werkstatt bringen. Warum eigentlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Rückrufaktionen:

Wann werden Autos überhaupt in die Werkstätten zurückgerufen?

Wenn im Auto technisch etwas nicht so funktioniert wie es sollte. Das muss nicht immer ein gefährlicher Mangel sein - auch zum Beispiel bei einem möglichen Defekt an der Klimaanlage. Hersteller sprechen dann gerne von einer "Serviceaktion". Mängel, die die Sicherheit von Personen gefährden können, müssen Hersteller dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) melden. Juristen nennen das "Selbstanschwärzungspflicht". Das KBA überwacht den Rückruf dann unter Umständen sogar.

Warum gibt es so viele Rückrufe?

Das hat verschiedene Gründe. Der Elektronikanteil in Autos nimmt zu, sie werden schlicht komplizierter. Da können sich auch mehr Fehler einschleichen. Weil Autobauer außerdem zunehmend auf baugleiche Teile in ihren verschiedenen Modellen setzen, um Geld zu sparen, müssen sie bei einem Defekt auch immer größere Mengen an Autos überprüfen. "Der Trend geht schon nach oben", bestätigt Technik-Experte Helmut Klein vom ADAC. Er beobachtet auch bei Herstellern ein erhöhtes Problembewusstsein. Ein Rückruf werde außerdem in der Öffentlichkeit nicht mehr als so schlechtes Signal gewertet wie früher.

Was sind die häufigsten Gründe für einen Rückruf?

Nach einer Erhebung des ADAC von 2014 waren vor allem Mängel an Airbags und Sicherheitsgurten die Ursachen. Seit Jahren führen Defekte an Airbags des japanischen Zulieferers Takata vor allem in den USA immer wieder zu Millionen-Rückrufen. Probleme am Motor sowie mit dem Fahrwerk und der Lenkung führen in Deutschland ebenfalls in vielen Fällen zu erneuten Werkstattbesuchen. Auch Defekte an den Bremsen waren ein häufiger Grund für Rückrufe. Die Angaben decken sich auch in etwa mit einer Erhebung des KBA von 2011.

Welcher Hersteller ruft die meisten Autos zurück?

Für den Zeitraum von 2010 bis 2015 holt Opel diesen zweifelhaften Titel. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. In diesem Zeitraum wurden Defekte an das KBA gemeldet, die sich auf insgesamt etwas mehr als eine Million Opel-Wagen bezogen. Dahinter folgten BMW mit knapp 719 000 Autos und Toyota mit 667 000 zurückgerufenen Autos. Vor allem BMW und Opel gehören aber auch zu den Herstellern mit den höchsten Verkaufszahlen in Deutschland. Volkswagen dürfte in diesem Jahr ohnehin an allen vorbeiziehen: Nach dem Abgas-Skandal müssen allein in Deutschland rund 2,5 Millionen Autos in die Werkstätten.

Wie erfahren Autofahrer von einer Rückrufaktion?

Zuerst werden Rückrufe der Öffentlichkeit in der Regel über die Medien bekannt. Meist bekommen Fahrzeugbesitzer dann aber auch Post. Entweder vom Hersteller, der sich die Adressen der Halter vom KBA besorgt hat, oder vom KBA selbst. Hersteller können die Behörde mit den Anschreiben beauftragen, müssen dafür aber zahlen.

Was passiert, wenn ein Autobesitzer nicht am Rückruf teilnimmt?

Das hängt von der Art des Rückrufs ab. Wenn es zum Beispiel nur um einen elektrischen Fensterheber geht, muss ein Rückruf nicht unbedingt verpflichtend für die Autobesitzer sein. Gibt es bei einer Modellreihe aber zum Beispiel einen Baufehler an den Bremsen, der die Sicherheit gefährden kann, überwacht auch das KBA den Rückruf. "Wenn Autofahrer einem solchen Rückruf nicht nachkommen, dann besteht das Risiko, dass das Fahrzeug nicht mehr im Straßenverkehr eingesetzt werden darf", sagt ein KBA-Sprecher.

dpa


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