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Verkehr

Nicht gleich in die Luft gehen - Der lange Weg zum Flugauto

Nie mehr im Stau stehen und immer den direkten Weg nehmen - seit Jahrzehnten träumen Entwickler von Autos, die nicht nur fahren, sondern auch fliegen können. Drei aktuelle Projekte nähren die Hoffnung auf den Beginn einer neuen Luftfahrt-Ära.
Kompakte Konstruktion: Zusammengefaltet hat das Aeromobil das Format eines Kleintransporters.

Kompakte Konstruktion: Zusammengefaltet hat das Aeromobil das Format eines Kleintransporters.

© Aeromobil

Davis. Immer, wenn Paul Moller im Stau steht, packt ihn die Wut über die verlorene Zeit. Das Gefühl kennt jeder, doch der Amerikaner will sich damit nicht abfinden: Er forscht an einem Fahrzeug, mit dem man jeder Verkehrsbehinderung entfliehen kann - durch die Luft. Denn der Mann aus Davis im US-Staat Kalifornien will nicht glauben, dass das nur im Film geht, und arbeitet deshalb bereits seit rund 50 Jahren am Flugauto.

Dafür hat er einen etwas wissenschaftlicheren Begriff geprägt: "Wir nennen das Konzept Volantor", sagt der fast 80 Jahre alte Professor über den Senkrechtstarter, der wie ein Hubschrauber nahezu überall abheben und landen können soll. Moller glaubt fest daran, bald den Durchbruch zu schaffen, bezeichnet sich bisweilen aber auch selbst als Träumer. Und er träumt einen teuren Traum. Über 100 Millionen Dollar hat er nach eigenen Angaben schon in das Projekt investiert. Die Prototypen hoben aber bislang nur aufgehängt an Stahlseilen ab. Doch das schreckt Pioniere einer neuen Luftfahrt nicht.

In Bissendorf in Niedersachsen zum Beispiel tüftelt Michael Werner seit über zehn Jahren an einem Flugauto. Mit seiner 20 Mann starken Firma Fresh Breeze steht er kurz vor dem Serienstart, wie er sagt. Sein Fahrzeug sieht wie eine Mischung aus Trike und Sumpfboot aus, der 110 kW/150 PS starke Heckmotor treibt wahlweise die Hinterachse oder einen großen Propeller an. Sobald man auf Flugbetrieb schaltet, den Gleitschirm auspackt und Gas gibt, hebt der Zweisitzer ab.

Auch in Bratislava geht das Auto in die Luft. Dort entwickelt der ehemalige Audi- und BMW-Designer Stefan Klein mit seiner Mannschaft das Aeromobil. Aus Karbon gefertigt und mit anklappbaren Flügeln ausgerüstet, hat es auf der Straße das Format eines Kleintransporters mit 160 km/h Höchstgeschwindigkeit. Klappt man die Flügel aus und hebt ab, soll der Zweisitzer bis zu 200 km/h schaffen und ohne Zwischenlandung bis zu 700 Kilometer entfernte Ziele erreichen.

Nach dem gleichen Prinzip arbeitet der Transition von Terrafugia, einem Start-up aus dem Umfeld des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Auch die Amerikaner haben eine Art Flugzeug mit Schwenkflügeln konstruiert, das nach Angaben des Unternehmens binnen 45 Sekunden den Betriebszustand wechseln kann. "Länger dauert es nicht, bis die Hydraulik die Flügel in Position bringt und der Fahrer zum Piloten wird und mit bis zu 160 km/h durch die Luft fliegt", erklärt Mitbegründer Carl Dietrich.

Gegenüber dem Ansatz von Flugauto-Träumer Moller gibt es bei diesen drei Konzepten einen gravierenden Unterschied: "Wir wollen kein Auto bauen, das fliegen kann. Sondern wir haben ein Flugzeug entwickelt, mit dem man vernünftig fahren kann", sagt Dietrich von Terrafugia.

Was nach Haarspalterei klingt, ist entscheidend. Denn Dietrich akzeptiert damit, dass der Transition für Start und Landung noch auf Flughäfen angewiesen ist und sich den Verkehrsgepflogenheiten der Luftfahrt beugen muss. "Wir wollen damit aber auch nicht den Alltag von Pendlern erleichtern, sondern zielen auf die vielen Privatflieger in den USA, die bislang am Boden viel von der Zeit verlieren, die sie in der Luft gewonnen haben", erläutert Dietrich. Denn bis man seinen Flieger im Hangar hat und im Taxi oder Mietwagen sitzt, seien schnell ein, zwei Stunden weg. Ein neuer, stark vereinfachter Flugschein in den USA erleichtert die Benutzung des Transition.

Mit diesem Ansatz sind die Tüftler bereits viel weiter gekommen als Flugauto-Forscher Moller: Terrafugia hat mittlerweile den Segen der US-Luftfahrtbehörde. Michael Werner war schon in der Luft und fährt mit roten Kennzeichen über Niedersachsens Straßen. Und das Aeromobil 3.0 ist nach seiner Flugfreigabe im vergangenen Herbst laut Vertriebschef Stefan Vadocz intensiv auf Testflügen unterwegs.

dpa


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