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Motorradmesse Intermot im Retro-Trend

Alle zwei Jahre versammelt sich im Schatten des Doms die Motorrad-Szene zur Intermot. Dieses Jahr zeigen über 1100 Aussteller ihre Produkte. Was liegt im Trend?
Serien-Motorräder von der Stange sind derzeit nicht gefragt: Auf der Motorradmesse Intermot in Köln dominiert der Trend zum Customizing. Foto: Henning Kaiser

Serien-Motorräder von der Stange sind derzeit nicht gefragt: Auf der Motorradmesse Intermot in Köln dominiert der Trend zum Customizing. Foto: Henning Kaiser

Köln. In den Messehallen der

Intermot in Köln wird schnell klar: So vielfältig dürfte das Angebot der Motorrad-Szene selten gewesen sein. Mehr als 1100 Aussteller aus 41 Ländern zeigen sich an den Publikumstagen vom 6. bis 9. Oktober. Das sind laut Messe 17 Prozent mehr als bei der letzten Auflage 2014.

"Der Markt wächst, gerade auch jüngere Leute interessieren sich wieder mehr für das echte Erlebnis, Motorrad und Roller zu fahren", sagt Achim Marten vom Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM). Dabei habe nicht zuletzt der Trend des Customizing geholfen. Darunter versteht man laut Marten den Umbau "einfacher, purer Motorräder zu individuellen "Persönlichkeiten", die zu ihren individuellen Besitzern passen".

So debütieren bei BMW zwei Maschinen für Fans der 60er und 70er Jahre. Stummellenker, Höckersitzbank und zurückgesetzte Fußrasten - so sticht die halbverkleidete R nineT Racer ins Auge. Die Optik mit weißem Lack und farbigem Dekor lehnt sich an die klassischen BMW-Motorsportfarben an. Das Schwestermodell nineT Pure im reduzierten Custom-Look kostet dann 12 300 Euro. "So stark, wie sich die Szene der klassischen Motorräder und Customizer in den letzten Jahren entwickelt hat, kann längst nicht mehr von einer kurzfristigen Modeerscheinung gesprochen werden", sagt BMW-Pressesprecher Rudolf-Andreas Probst.

Das sieht Rudi Herzig von Harley-Davidson ähnlich: "Wir sind der Überzeugung, dass zunehmend Motorräder mit Charakter gefragt sind, authentische Fahrzeuge, die einfach nur Spaß machen". Im Fokus der amerikanischen Marke steht in Köln aber kein neues Motorrad, sondern der neu entwickelte Motor mit dem klangvollen Namen Milwaukee-Eight.

Mit leichten Überarbeitungen an seinen Modellen Scout und Scout Sixty zeigt sich mit Indian auf der Intermot eine andere amerikanische Traditionsmarke. Die Brücke zwischen Klassik und Moderne schlägt beispielsweise Horex. Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK) ist hier das Material der Stunde. Die im vergangenen Jahr unter neuer Führung reanimierte deutsche Marke erweitert ihr Programm nun um zwei Modellvarianten. Der Zweisitzer VR6 Classic und der Einsitzer VR6 Café Racer sind nun je auch als Modell der Heritage-Line (HL) ab 42 500 Euro erhältlich. 

Günstigen Custom-Style gibt es mit den Einsteiger-Modellen von Triumph. Die Bonneville T100 ist ab 10 300 Euro zu haben und will mit Chrom, klassischen Rundinstrumenten, aber mit moderner Technik wie ABS und einer USB-Ladeeinheit unter dem Sitz begeistern.

Ein Dauerbrenner bleiben Enduros: "Unangefochten führt eine große Reise-Enduro die Top-10 der Neuzulassungen an", sagt Achim Marten. Man könne den Eindruck haben, der motorradfahrende Deutsche plane ständig Weltumrundungen. "Aber dieser Motorradtyp hat einfach den Ruf, alles zu können, Autobahn, Landstraße, Serpentinen, Schotter, Gelände." So zeigt KTM etwa seine neuen Reiseenduros 1090 Adventure und 1290 Super Adventure S.

Am großen Thema Elektromobilität führt in der Autowelt derzeit kein Weg vorbei. Langfristig werde der Elektroantrieb auch im Motorradbereich interessanter, ist sich Probst von BMW sicher: "Er sorgt für ein ganz neues Motorradfahrgefühl. Voraussetzung ist dabei die Weiterentwicklung der Batterie, um größere Reichweiten umsetzen zu können." Aktuell zeigen die Bayern den E-Roller C evolution, der nun bis zu 129 km/h schnell bis circa 160 Kilometer weit kommen soll.

Am Stand des deutschen Herstellers Govecs feiert die Wiedergeburt des DDR-Moped-Klassikers Schwalbe Publikumspremiere. Ihr typisches Riffelmuster am Heck, die Verkleidung und die Speichenräder lassen sofort ans Original denken. Doch die neue Schwalbe will elektrisch fliegen - mit bis zu 47 km/h und bis zu 100 Kilometer weit. Ab 5000 Euro kommt sie im Sommer 2017 auf den Markt.

dpa


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