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Easy Rider-Feeling: Bastler bauen Chopper mit E-Antrieb

Elektrische Räder liegen im Trend. Den künstlichen Rückenwind nutzen längst auch Mountainbike- und Lastenradfahrer. In Bremerhaven bauen zwei Bastler Chopper-Unikate mit E-Antrieb - und sorgen damit für Aufsehen.
Christian Kelemen in seiner Fahrrad-Werkstatt im Fischereihafen von Bremerhaven (Bremen) auf seinem neuesten E-Bike-Chopper.

Christian Kelemen in seiner Fahrrad-Werkstatt im Fischereihafen von Bremerhaven (Bremen) auf seinem neuesten E-Bike-Chopper.

© Ingo Wagner

Bremerhaven. Wenn Christian Kelemen und Pitt Eder mit ihren Fahrrädern unterwegs sind, ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss. "Egal wo wir auftauchen, wir sind das Gesprächsthema", sagt Kelemen. Sie fahren Elektro-Chopper.

Die haben sie nach Feierabend in einer angemieteten Werkstatt im Bremerhavener Fischereihafen selbst gebaut. "Selten läuft jemand an den Rädern vorbei, ohne was zu sagen", freut sich Kelemen. Wie zum Beweis stoppt ein vorbeifahrendes Auto, Fahrer und Beifahrer gucken neugierig auf den Cruiser, der mit 2,40 Meter einen halben Meter länger als ein normales Cityrad ist.

"Mit so einem langen Rad muss man vorausschauend fahren", erklärt Kelemen. Der 40-Jährige mag das gerade Sitzen auf dem Zweirad. "Das ist sehr bequem." Doch nicht nur Gefährte im Chopperstil und mit breiten Felgen, auch so genannte Fatbikes mit extra dicken Reifen und Liegeräder haben es den beiden angetan. Die haben sie zwar fertig gekauft, aber in Eigenarbeit mit elektrischem Antrieb ausgestattet. "Wir wollten uns schon immer von der Masse abheben", sagt Kelemen. Seit zehn Jahren fährt er Chopper-Fahrrad, zusammen mit einer Clique Gleichgesinnter. Irgendwann kam er den anderen nicht mehr hinterher, sein Asthma bremste ihn aus.

Vor drei Jahren kaufte er deshalb ein günstiges E-Bike, baute Akku und Antrieb aus und in sein Chopperbike ein. "Damit konnte ich auf Touren wieder mithalten", sagt der Bremerhavener. Er war so begeistert von dem neuen Fahrgefühl, dass er auch sein skeptisches Umfeld davon überzeugen wollte. "Ich hab E-Bikes für Ältere und Kranke abgetan", sagt Kumpel Pitt Eder. Dann setzte er sich doch drauf - und war Fan. Zur Arbeit fährt der 48-Jährige täglich 20 Kilometer, mit Antrieb habe er "immer Rückenwind". "In der Chopper-Szene werden wir zwar belächelt, aber selbst da tut sich langsam was."

Ähnliche Entwicklungen beobachtet David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband. Zwar bildeten ältere Menschen immer noch die größte Käufergruppe bei Pedelecs. Doch der Trend gehe hin zu einer jüngeren Zielgruppe: "E-Mountainbikes sind stark im Kommen." Das Gleiche gelte für E-Lastenfahrräder. Fast alle Modellgruppen würden auch mit Antrieb angeboten. "Sogar Rennräder", sagt Eisenberger. 2015 wurde 535 000 E-Bikes in Deutschland verkauft, 2012 waren es noch 380 000. Ihr Marktanteil am Gesamtfahrradmarkt liegt inzwischen bei 12,5 Prozent.

Trotzdem müssen sich Kelemen und Eder auch Sprüche wie "Ihr könnt euch wohl kein Motorrad leisten" oder "Harley für Arme" anhören. "Wir müssen uns nicht rechtfertigen", meint Kelemen dazu. "Ich bin auch Motorradfahrer." Überhaupt mag er alles, was Räder hat, vor allem aber das Radfahren selbst. "Das hat einen mächtigen Funfaktor", betont auch Pitt Eder.

Inzwischen verbauen die beiden Bastler nur noch hochwertige Antriebe. In ihr Hobby stecken sie viel Zeit und Geld. Gerade haben sie einen Cruiser gebaut, dessen Sattel ungewöhnlich hoch ist. Fürs Tüfteln kommen ihnen ihre Berufe zugute: Kelemen war früher Autolackierer und arbeitet heute als Mechatroniker in der Fischindustrie, Eder ist Schlosser. "Pitt kann flexen und schweißen, ich mache die Verkabelung", sagt Kelemen.

Zwei E-Chopper-Unikate haben die beiden sogar schon verkauft. "E-Bikes haben ihren altbackenen Charme verloren", ist Kelemen überzeugt. Vor allem, wenn sie so aussehen, wie die von seinem Freund und ihm. "Wir sind immer die Hingucker", grinst Pitt Eder.

dpa


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