Gut geheiratet hält das ganze Leben - nicht nur in Hessen.
Marburg. Sprichwörter sind im Dialekt sehr verbreitet und werden im Gespräch oft dann verwendet, wenn man Personen nicht direkt ansprechen will oder der Takt verbietet, ein Thema ganz direkt beim Namen zu nennen. In der etwas verschlüsselten Sprichwortsprache ist dagegen jedes Thema erlaubt.Oft geht es im Sprichwort um das Verhältnis von Mann und Frau. Genau wie im richtigen Leben gibt es dabei Höhen und Tiefen. Hat der Mann zum Beispiel eine verschwendungssüchtige Frau geheiratet, hilft es ihm wenig, dass er hart arbeitet, wie Heinrich Möhl aus Josbach zu berichten weiß: "De Frää kan in de Scherz mie fottraa wie de Mann verdiene kan" heißt es dort. Ähnlicher Couleur ist das folgende Sprichwort: "Des Geld get sich aus, des Scheisel bleiwt im Haus" - frei übersetzt: Reichtum vergeht, aber das Scheusal im Haus bleibt einem erhalten. Ein armer Mann, den es so trifft.
Besonders drastisch ist das Verhältnis von Mann und Frau im bäuerlichen Leben im folgenden Sprichwort zusammengefasst: "Weiwersterwe - kee Verderwe. Geil verrecke - dos get Schrecke!" Auch dieses Sprichwort erzählte Heinrich Möhl der Redaktion. Was so drastisch klingt, gibt aber einen tiefen Einblick in den oft von Armut geprägten Alltag der Bauern. Eine Ehefrau war da möglicherweise leichter zu ersetzen als ein Ackergaul.
Aber natürlich gab es auch schon früher gelungene Verbindungen zwischen Mann und Frau. Davon berichtet ein sehr schönes Sprichwort, das im gesamten mittleren Deutschland verbreitet ist: "Goud gefroistegt hält de ganze Doog, gout geschlocht des ganze Joor und goud gefreit des ganze Leawe." So heißt es in der Beltershäuser Variante - und im Hochdeutschen: "Gut gefrühstückt hält den ganzen Tag, gut geschlachtet das ganze Jahr und gut gefreit (geheiratet) das ganze Leben".
von Gabriele Neumann
Foto: www.pixelio.de
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Kommentare
Bildhafte Redensarten Silvia Deichmann-Seidel – 18.01.10
Noch ein paar bildhafte Redensarten:"Wie der Mann is, su kreit e de Wurscht gebrore."
"Er fängt für anner Ratte un für sich kaa Mäus" (Von einem, der sich ausnutzen lässt)
"Der hoat mieh Stange wie Bohne" (Angeber)
"E gescheires Hinkelsche legt oach newes Nest" (Auch kluge Leute machen Fehler)
"Aus schiene Schüsseln isst mer sich net soat" (Warnung vor der Heirat mit einem schönen, aber armen Mädchen)
"Klane Dippercher hun aach Uhrn" (Warnung, vor Kindern zu Tratschen oder Geheimnisse zu erzählen)
"Wann´s Kind gehowe is, will jeder Pätter sei" (Erst wenn die Arbeit getan ist, bieten die Leute ihre Hilfe an)