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Sprichwörter (III)

Von Angebern und kleinen Spionen

Sprichwörter sind genauso beliebt wie Schimpfwörter, wenn es um den Dialekt geht. "Der hoat mie Stange wie Bohne" klingt doch viel besser als "der ist ein Angeber". Und so geht es mit vielen Redensarten.

Mie Stange wie Bohne? Im Garten kein Problem - im übertragenen Sinne schon, denn wer mehr Stangen als Bohnen hat, ist ein Angeber.

© Gabi Schuenemann/pixelio

Marburg. Wenn man über jemanden sagt: „Der hoat mie Stange wie Bohne“ dann ist das kein Hinweis auf den Reichtum des Benannten. Vielmehr ist ein Angeber gemeint, wie Online-Leserin Silvia Deichmann-Seidel schreibt.
Sie erklärt auch, warum man auch bei kleinen Kindern vorsichtig mit dem sein muss, was man erzählt, denn „klane Dippercher hun aach Uhrn – kleine Töpfe haben auch Ohren“. Dass der Erfolg viele Väter hat, wird etwas abgewandelt in dem Sprichwort deutlich „wann‘s Kind gehowe is, will jeder Pätter sein“. Wörtlich bedeutet das, dass jeder Pate sein will, wenn das Kind erstmal da ist.
Ein sehr schöner Spruch, der Demut auch bei klugen Menschen anmahnt, ist: „E gescheires Hinkelsche legt oach newes Nest“ – auch ein kluges Huhn legt mal neben das Nest, oder im übertragenen Sinn: Auch kluge Menschen machen Fehler.
Dass ein jeder nach seiner Art behandelt werden soll, wird in folgendem Ausdruck deutlich: „Wie der Mann is, su kreit e de Wurscht gebrore“ – wie der Mann ist, so bekommt er die Wurst gebraten.
Heinrich Möhl aus Josbach hat einen Spruch eingesandt, der sehr schön die Bildhaftigkeit des Dialekts herausstellt. Wenn man über jemanden sagt: „Der glüht wie en Mattebeirel“ bedeutet dass keineswegs, dass er glüht. Vielmehr hat sein Gesicht die Farbe eines Quarkbeutels (Mattebeirel), er ist also schlohweiß und vermutlich nicht bei besonders guter Gesundheit.
Haben Sie auch ein Lieblingssprichwort? Seien Sie karant (temperamentvoll) und schicken Sie Ihren Vorschlag ein an die OP, Stichwort „Mir schwätze platt“, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder per E-Mail an online@op-marburg.de

von Gabriele Neumann

Foto: www.pixelio.de


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  • Sprichwörter III Joachim Schmidt – 27.02.10
    Zu den schönen Beispielen im Artikel fallen mir noch zwei Sprichwörter ein, mit denen sich Mitmenschen kurz, gut und mit einem gewissen Spott charakterisieren lassen:

    "Enn Kerle wäi e Steck Woscht, bluuß nit so laag." (Ein echter Kerl, nur nicht besonders groß gewachsen bzw. halt auch nicht ganz perfekt.)

    "Der basst eann die Welt - wäi die Mogg eann'n Gluggekaste!" (Jemand, der eben nicht besonders gut in die Welt passt, d.h. mit sich, den Verhältnissen oder seinen Mitmenschen nicht gerade gut zurecht kommt.)

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