Peter Heuser (links) und Kurt Gröb aus Ebsdorf sprechen noch täglich Platt.
Marburg. Seit Jahren schon wird der mittelhessische Dialekt totgesagt - und lebt doch weiter. Anders zwar als noch in den 60er Jahren, als viele Menschen in ländlichen Regionen den Dialekt noch ganz selbstverständlich als erste Sprache lernten. Inzwischen gibt es unter den jüngeren Hessen kaum noch reine Dialektsprecher, dafür aber sehr viele Menschen, die Hochdeutsch mit regionaler Färbung sprechen, erklärt Sprachwissenschaftler Professor Heinrich Dingeldein vom Deutschen Sprachatlas in Marburg.
Doch noch gibt es viele Menschen, die Dialekt sprechen. Und die spricht die Oberhessische Presse mit ihrer neuen Serie "Mir schwätze platt" an. Wir wollen Ihr Wissen mit all unseren Lesern teilen - auch hörbar. Erklären Sie uns, was die "Bippcher im Hinnerperch" tun, warum "du Hospes" im Hinterland kein Kompliment ist, oder weshalb man einen Mann, der als "Knerwel" bezeichnet wird, nicht zu seinen besten Freunden zählen will.
Welchen Dialekt sprechen die Menschen im Raum Marburg-Biedenkopf eigentlich? Fragt man die Sprecher, erfährt man auf jeden Fall immer, dass der Dialekt von Dorf zu Dorf ganz unterschiedlich ist. Das betrifft vor allem die Aussprache bestimmter Wörter. Die Struktur des Dialekts ist jedoch von Stadtallendorf bis Biedenkopf, von Münchhausen bis Ebsdorf relativ ähnlich. Und ein Neustädter versteht einen Gladenbacher genauso gut wie ein Rauschenberger einen Lahntaler. Sprachwissenschaftlich gehört der Dialekt gehört zum Mittelhessischen oder Oberhessischen, das zum Teil noch Strukturen aus dem Althochdeutschen aufweist und im Lautsystem Verwandtschaft mit dem Mittelhochdeutschen hat.
Für Zugereiste ist vor allem ein Phänomen auffallend, das Sprachwissenschaftler als "Rhotazismus" bezeichnen. Dabei wird aus dem Hochdeutschen "Bruder" - "Broura", aus "Wetter" - "Werra" oder aus "wieder" - "wirra", kurz, der "t"- oder "d"-Laut in der Mitte des hochdeutschen Wortes ist im Dialekt ein oft gerolltes "r". Mit dem "Äbbelwoi"-Hessisch des Rhein-Main-Gebietes hat der heimische Dialekt übrigens nichts zu tun. Wer mit Heinz-Schenk-Akzent im Hinterland ein Bier bestellt, wird sicher eine Antwort auf Hochdeutsch erhalten. Denn auch das ist bezeichnend für den Dialekt im 21. Jahrhundert. Es gibt kaum noch reine Dialektsprecher. Die Funktion als Hauptsprache im Dorf hat der Dialekt spätestens in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts eingebüßt. Die Menschen wechseln zur Arbeit zwischen Dorf und Stadt und beim Sprechen mühelos zwischen Dialekt und Hochdeutsch.
Die OP will in der Serie "Mir schwätze platt" Dialekt mit Spaß vermitteln - an junge Menschen, an Beigefreite und Zugereiste - und natürlich an all die Menschen, die im Nachbardorf wohnen. Helfen Sie mit. Schicken Sie Ihre Ideen per Post an die Oberhessische Presse, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg oder per Mail an online@op-marburg.de
von Gabriele Neumann
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Kommentare
mir schwätze platt vom 3.11. Peter Kornmann – 23.01.10
Die Lösungen für den Satz "Do macht enner Stozegeboller vo de Dachkahnel ean die Sudderdrußil" (Ebsdorfer Sprachweise)sind schon recht gut, aber ganz genau heißt es:"Da macht einer Purzelbaum von der Dachrinne in die Jaucherinne" (Drußil=Gepflasterte Abwasserrinne meistens am Straßenrand oder auf dem Hof)En schiene Gruß aus Esdorf
vo Pirresch Peter
PS: Aich wääs doas, weil ich schun ea bessche äller saj.
gonaminaut Petra Schäfer – 20.01.10
Erklärung: das Wort "gonaminaut"steht für "gar nichts mehr".
Beispiel: "Jetz mach ich ower gonaminaut".
D.h.: "Jetzt mache ich aber gar nichts mehr."
hinnerschdeverrerscht h – 21.12.09
Wörtlich übersetzt heisst das: "Das hinterste als vorderstes", das wird zu jemand gesagt, der etwas umständlich ist oder macht (Der eas hinnerschdeverrerscht!).Experte Jan Mahla – 19.12.09
Dabbes=Dummkopfgauzen=bellen
Schissgedrichenes=Sommersprossen
Säichsume=Ameise
Dapch Karin Fey – 06.12.09
DAPCH heißt auf Hochdeutsch; Hausschuhe.Meine Mutter ist neulich mit ihren alten Hausschuhen gestürzt und brauchte neue mit Gummisohle. Sie rief meine Schwester an und meinte, sie bräuchte dringend ein paar neue Dapch...over mit Gummisuehn, domit ich net wirre ausretsche.
zores helga scherer – 12.11.09
zores kommt doch aus dem dialekt und heist soviel wie krach gezancke und streit.mer schwätze äch platt wie ehr ichkomm gebürdigt aus oase helga scherer – 12.11.09
auwer platt höt sich äch so oh.Mir schwätze platt Hartmut Bloh – 10.11.09
InneschdereverschtHeißt auf hochdeutsch :andersherum oder von unten nach oben
Mardorfer Übersetztung Janina – 06.11.09
Hallo Caro und Hans-Peter!Das Wort "Stotzellegeboller" heißt bei uns in Mardorf Purtzelbaum. Demnach übersetzt man den Satz so: Da macht einer Purtzelbaum von der Dachrinne runter in Das Sutterbassin hinein.
Mit Freundlichen Grüßen, Janina
Dorchenne! Mario Luther – 06.11.09
Wenn jemand "etwas durch den Wind ist!Mir schwätze Platt von Caro 3-11-09 Hans-Peter Seip – 06.11.09
Hallo Caro!Ich hoffe, dass dieser Satz folgendermaßen "Übersetzt" werden kann:
"Do macht enner stotzillergeboller vo de Dachkanel en die Sudderdrusin rob" .
-Da machte einer einen riesen Krach dabei, als er vom Dach direkt in das Sutterbassin hinein fiel-
Ich denke (und hoffe) dass diese "Übersetzung" so ziemlich hinkommt, und verblääbe mit freindliche Griße
Hans-Peter Seip
Mir schwätze platt Caro – 03.11.09
Es wehr schie, wann sich hey jemand finne deet, derremol den Satz"Do macht enner stotzillergeboller vo de Dachkanel en die Sudderdrusin rob" üwwersetze kennt.
Ich seis gespannt ob sich enner find!
mir schwätze platt caro – 03.11.09
Mir fiel heute das Wort "Knaistfirgil" ein, was man übersetzen könnte als ein Mensch der es mit der Hygiene nicht so genau nimmt.Was mich verfolgt in meinem Leben ist die "griene Binnsobbe" so wurde die grüne Bohnensuppe in meinem Heimatdorf genannt und dort wo ich hinheiratete nannte man das Ganze dann "groi Buinnsopp".Und zwischen den beiden Orten liegen nur 13 Kilometer.
Das neueste was mir zu Ohren kam ( obwohl ich selber noch Dialekt spreche ) war "Latch". Ein Ausdruck für Salat in der Schwalm ( Neukirchener Gegend ).Das zeigt einem doch recht deutlich, obwohl man selber noch Dialekt spricht, daß man trotzdem nicht davor gefeit ist, dazustehen wie der Ochs vorm Berg, weil die Dialekte eben sehr unterschiedlich sind.
Am Besten fand ich immer wenn wir im Ausland untereinander Dialekt gesprochen haben,und uns andere Urlauber dann oft für Holländer hielten.
Mir schwätze platt!! Gabriele Neumann – 02.11.09
Heinz-Schenk-Hessisch??Na also mal Hand uffs Herz: Wer hat dann die Hesse und ihrn Dialekt in de Republik bekannt und beliebt gemacht? Doch wohl eher die Rodgau Monotones (Erbarme, die Hesse komme), die Buwwe von Badesalz un de Maaster Schenk sellwer.
Als Südhesse, der awwer schon längä hier wohnt als da unne im Süden, muss isch misch gesche eine solche Herabwürdischung doch e mal verwarhn, gelle?
Isch lausche trotzdem gern eujerm Platt.
Viele Grüße
Peter Asbach
Zores Gabriele Neumann – 02.11.09
Vielen Dank für den Hinweis. Auch Begriffe aus dem Jiddischen werden oft in Dialekten verwendet, um jedes Missverständnis auszuschließen, ist "Zores" aber entfernt worden.ein typisches Herbstrezept im Stadtallendorfer Platt Diana – 28.10.09
unser Beitrag zur Serie steht online, wir finden diese Aktion klasse und haben ein typisches Herbstrezept im Stadtallendorfer Platt für euch!Das Rezept ist von meiner Mutter Edith, übersetzt wurde es von meinem Vater Heinrich Pfeiffer.
http://www.myheimat.de/stadtallendorf/beitrag/183654/harbstzeit-gwetschekuchezeit-beitrag-zur-serie-qmir-schwaetze-plattq/
Platt? Der U. – 26.10.09
Also gerade "Zores" ist bestimmt kein Platt, sondern Jiddisch!Find ich jut Barbara Ochs – 26.10.09
Als Exilhessin im Rheinland freue ich mich über die neue Serie - nicht zuletzt, weil ich hier trotz hochdeutscher Sprachfähigkeit immer mal wieder zum "weiß net" zurückfalle.