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OP-Serie: Mein erstes Auto

(M)ein liebenswerter „Spottwagen“

Der erste Kuss, der erste Job – es gibt Dinge im Leben, die man nicht vergisst. Zu dieser Liste zählt sicherlich auch das erste Auto. Egal ob es nun eine Rostlaube oder eine Luxuskarosse war.
Paradebeispiel für den Serienstart: OP-Redakteur Hartmut Berge auf seinem Chevrolet, den er für 2000 Mark während seiner Bundeswehrzeit kaufte. Foto: Privat

Paradebeispiel für den Serienstart: OP-Redakteur Hartmut Berge auf seinem Chevrolet, den er für 2000 Mark während seiner Bundeswehrzeit kaufte.

© Privat

Marburg. Alles, was danach kam, waren Gebrauchsgegenstände. Nicht mehr und nicht weniger. Rollende Metall-Kästen, die für mich bis heute einzig und allein dem Zweck dienen, die Fahrt vom Ausgangspunkt A zum Zielpunkt B möglichst ohne größere Katastrophe zu ermöglichen. Das Gefühl der Vorfreude, endlich wieder hinter dem Steuer zu sitzen, wurde längst durch langweilige Routine ersetzt. Auf der Straße ärgere ich mich meistens, dass ich mal wieder von irgendeiner Kontrollleuchte angemahnt werde, irgendetwas auszutauschen oder darüber, dass ich keinen Parkplatz finde. Eigentlich will ich doch sowieso mehr Fahrrad fahren ...

Ich muss gestehen:  Mittlerweile ist es eine regelrechte Abneigung, die ich meinen Autos entgegenbringe. Und ich lasse sie das auch deutlich spüren. Der Besuch einer Waschanlage ist mittlerweile seltener als die Intervalle einer Volkszählung.

Kleinere Unfälle und größere Missgeschicke

Damals war das alles noch anders. Damals beim ersten Auto.  Bei mir war es ein VW Scirocco, Baujahr 1984, in einer unmöglichen mintgrünen Lackierung (Typ „Tropic“, wie die Recherche zeigte) und ohne Stoßdämpfer – zumindest habe ich nie welche gespürt. Ein Wagen, der die Bezeichnung „Karre“ mit Würde trug. Mehr als ein Schmunzeln kam mir über die Lippen, als ein Oberstufenlehrer mich einmal darauf ansprach, dass mein „Sportwagen“ doch auf einem Lehrerparkplatz stünde. Es war wohl eher ein „Spottwagen“. Freunde tauften den Scirocco dann auch ziemlich schnell in „Schrotto“ um.

In der Rückschau betrachtet, sind es nicht die technischen Details, die mich heute noch interessieren, sondern die besonderen Erinnerungen, die sich mit dem Auto verknüpfen. Bei mir ist dies zum Beispiel die erste gemeinsame Fahrt mit den besten Freunden kurz nach meinem 18. Geburtstag.

Auf dem Weg zu einer Burger-Kette klackert es erst laut, dann lauter. Etwas später hängt der linke Vorderreifen nur noch an einer Schraube schräg im Radkasten – nochmal Glück gehabt. Dann folgte der erste kleinere Unfall, nach dem ich eine ganze Weile durch das offene Fenster einsteigen musste, weil die Fahrertür sich nicht mehr öffnen ließ. Nicht mehr zu retten war der Scheibenwischer, der sich ohne größere Vorankündigung mitten auf der Autobahn unter dem prasselnden Regen verabschiedete. Nur ein kleiner dunkler Metallhaken blieb zurück, der in schwingenden Bewegungen beständig daran arbeitete, eine Kerbe in die Frontscheibe zu ritzen.

Eigensinniges Zündschloss und fliegende Seitenspiegel

Oder dieser Besuch bei der Tankstelle, den ich nie vergessen werde. Vor der Zapfsäule angekommen, drehe ich den Schlüssel, ziehe ihn aus dem Zündschloss und wundere mich, denn mein Auto hat in diesem Moment gar keine Lust, einePause zu machen. Der Motor läuft einfach weiter. Ich sehe das Bild, wie ich den Schlüssel fassungslos anstarre, noch so klar vor Augen, als wäre es eben erst passiert. Ab diesem Zeitpunkt musste der Wagen im Gang per Bremstritt zur Aufgabe gezwungen werden. Aber ich habe ihn geliebt – für all diese Macken.  

Und weil das Auto so besonders war, bin ich mit ihm sogar in die Waschanlage gefahren. Die gut gemeinten Bürstenstriche sorgten in einem Fall jedoch dafür, dass einer der Außenspiegel geschossartig im hohen Bogen aus dem dichten Kunstregen der Waschhalle vor meine Füße knallte. Alles in allem verbreitete das Gefährt also überwiegend Chaos – was mir damals gut gefiel.

Fakt ist – an das erste Auto erinnert sich jeder. Und jeder hat auch eine Geschichte zu erzählen. Diese muss natürlich nicht unbedingt positiv sein. Und vielleicht gab es sogar nur dieses eine Gefährt, weil das Umweltbewusstsein stärker war oder schlichtweg die finanziellen Mittel fehlten. Fakt ist, dass allein im vergangenen Jahr wieder mehr als drei Millionen Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen worden sind. Das sind drei Millionen neue Geschichten. Und die OP-Redaktion ist gespannt auf Ihre – wie Sie mitmachen können, lesen Sie unten im Hintergrundkasten.

von Dennis Siepmann

Mitmachen

Zeigt her eure Autos!
Käfer, Mini oder Ente – egal welche Marke, egal welches Modell: Wir sind gespannt auf eine Anekdote zu Ihrem ersten Auto. Künftig möchte die OP mit Ihren Erinnerungen in Serie gehen. Sie haben den Wagen sogar noch im Bild? Um so besser! Senden Sie uns Ihre Geschichte, ein aktuelles Foto von sich und eines von Ihrem ersten Auto an...  
feedback@op-marburg.de

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