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Mobile Obstverarbeitung Burgwald "läuft wie Lottchen"

Was im vergangenen Jahr als Versuchballon startete, hat sich geradezu raketenhaft entwickelt: Die „Mobile Obstverarbeitung Burgwald“ erlebt einen regelrechten Kunden-Ansturm.
Die Mischung macht's: Äpfel und Birnen ergeben einen sehr leckeren Saft. Foto: Hartmut Berge

Die Mischung macht's: Äpfel und Birnen ergeben einen sehr leckeren Saft.

© Hartmut Berge

Oberndorf. Alle, die zur Oberndorfer Mosterei kommen, haben eins gemeinsam: Sie reisen mit jeder Menge Obst an. Meist transportieren sie es in Kisten, Eimern oder Säcken oder sie haben gleich einen ganzen Pkw-Anhänger voll geladen.

In der Regel werden Äpfel angeliefert. Und den daraus gepressten Saft – und nur den vom eigenen Obst – nehmen sie mit nach Hause. „Darauf achten die Leute penibel“, sagt Anita Kühnel-Triemer. Sie betreibt seit diesem Jahr gemeinsam mit ihrem Bruder Wilfried Tripp (Foto: Hartmut Berge) die „Mobile Obstverarbeitung Burgwald“.

Im vergangenen Jahr startete der Betrieb mit einer deutlich kleineren Anlage. Der Bruder, in der Logistik bei Viessmann beschäftigt, hat sich die Mosterei angeschafft. In Ernsthausen bei der Firma Schlichterle war er während der Saison – im Nebenjob – drei Jahre in deren stationärer Mosterei tätig. Weil der Seniorchef die Obstverarbeitung einstellte, kam Wilfried Tripp die Idee, mit einer eigenen Anlage an den Start zu gehen.

Unbedingt eigenen Saft mit nach Hause nehmen

„Unser Angebot wurde toll angenommen“, betont er und die Schwester ergänzt: „Manchmal standen die Fahrzeuge bis zum Dorf raus. Die Mosterei lief wie Lottchen.“ Manche Kunden seien sogar aus Friedberg, Alsfeld und Siegen nach Oberndorf gekommen, „weil sie in ihrer Region keine Termine bekamen“. Andere kamen von weit her, weil sie unbedingt den Saft vom eigenen Obst haben wollten.

Diesen Service bietet das Familienunternehmen auch in diesem Jahr mit ihrer nun deutlich größeren und leistungsfähigeren Anlage. Die Anschaffung sei nötig gewesen, betont Anita Kühnel-Triemer und erklärt: Im vergangenen Jahr sei die Heizung der Flaschenhals gewesen, später die Abfüllung.

Mit der neuen Anlage sei man gut aufgestellt, sagt die Schwester. Die hat sich der Bruder von der Schlosserei der Firma Schlichterle auf einen Lkw bauen lassen. Vieles ist neu, so etwa die Heizung. „Wir haben jetzt eine viel höhere Durchlaufgeschwindigkeit“, freut sich Wilfried Tripp.

Kunden können Mosterei ohne Termin anfahren

So ist es auch möglich, ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal beizubehalten: Zur mobilen Mosterei in Wetter-Oberndorf, im Hofacker 3, kann man nach wie vor ohne Termin kommen und zwar montags bis freitags von 11 bis 19 Uhr. Wenn die Anlage andernorts im Einsatz ist, werden die jeweiligen Termine frühzeitig bekanntgegeben.

Er kenne von früher das Problem, Termine fürs Saftpressen zu bekommen, sagt der Chef der Mosterei. „Ich habe selbst Apfelbäume zu Hause. Wenn das Obst reif ist, will ich es zur Verarbeitung bringen und nicht noch lange warten.“

Hauptsaison in der Obstverarbeitung ist von Mitte September bis Mitte November. Dann wird vorwiegend Saft aus Äpfeln gepresst. „Wir haben als Hauptstandort Oberndorf gewählt, weil es im Lahntal viele Apfelbäume gibt“, erklärt Wilfried Tripp. Verarbeitet werden auch Birnen, Quitten und Weintrauben.

Ab Mai bis Ende Juni können die Gartenbesitzer auch ihren Rhabarber nach Oberndorf bringen. Alle Säfte werden pasteurisiert in Fünf-Liter-Packungen abgefüllt, in sogenannten Bag-in-Boxen.
Auf Wunsch werden die Obst- und Gemüsesäfte auch kaltgepresst. Die eignen sich für Gelee oder Weinansatz.

Mobile Obstpresse funktioniert wie eine stationäre

Die mobile Mosterei in Oberndorf funktioniert genauso wie eine stationäre. Einer der wesentlichen Unterschiede: Die Kunden können die gesamte Verarbeitung Schritt für Schritt mitverfolgen und sehen, dass der Saft auch wirklich aus ihrem mitgebrachten Obst gepresst wird.

Wilfried Tripp erklärt die Abläufe: Das Obst gelangt über ein Förderband in einen Waschbehälter, über eine Förderschnecke zur Mühle, wird dort zur pressfertigen Maische zermahlen. Die wird per Schnecke zur Presse befördert, wo der Rohsaft ausgepresst wird. „Wir verwenden einen Filter im µ-Bereich und erzeugen daher einen sehr hochwertigen Saft“, betont der Chef.

Der wird dann schonend auf 80 Grad erhitzt. Eine Sicherung sorge dafür, dass mindestens 78 Grad erreicht werden, erklärt er. Der pasteurisierte Saft wird dann abgefüllt. Aus 100 Kilogramm Äpfeln werden bis zu 70 Liter Saft gewonnen.

Reifegrad des Obstes spielt entscheidende Rolle

Wichtig für einen guten Saft sei der Reifegrad des Obstes, sagt Wilfried Tripp. Am Anfang der Saison seien die Äpfel in idealem Zustand. „Sie lassen sich dann gut schneiden, sind nicht zu weich. Dann kommt bis zu 80 Prozent Saft heraus.“ Zum Ende der Saison werde das Obst breiiger, „es lässt sich nicht mehr so viel Saft herauspressen“.

Er erinnert sich an einen Kunden aus dem vergangenen Jahr, der brachte zweimal die gleiche Apfelsorte nach Oberndorf, zu Beginn und am Ende der Erntesaison. Und der wunderte sich, warum beim zweiten Mal viel weniger Saft herauskam.

Wer einen ganz besonders aromatischen Saft haben möchte, der tut gut daran, Äpfel und Birnen zu mischen. Wie jener Kunde, der zur Premiere der neuen Anlage kam und neben seinen Äpfeln die gleiche Menge Williams Christ mitgebracht hatte. Er war vom Geschmack begeistert. Sein Kommentar: „Den Saft verschenke ich nicht.“

Wenn die „Mobile Obstverarbeitung Burgwald“ auf Hochtouren läuft, ist die halbe Familie im Einsatz, darüber hinaus zwei Saisonarbeiter.
Mehr über die Mosterei in Oberndorf erfährt man auf der Internetseite „mobile-obstverarbeitung.de“.

von Hartmut Berge


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