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Gestatten: die Generation Tunnelblick!

Tunnel Gestatten: die Generation Tunnelblick!

Wer durch Marburgs Kneipen, Gassen oder Schulen spaziert, begegnet nicht selten Menschen, bei deren Anblick vor allem eines auffällt: die Löcher in ihren Ohren.

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Ich sehe etwas, was du nicht siehst: Anna-Lena Lache wagt den Blick durch die geweiteten Ohrlöcher. Sie hat die Tunnel-Ohrring-Träger einmal befragt: Wieso, weshalb, warum tut ihr das?

Quelle: Privat

Marburg. Jedoch nicht die gewöhnlichen Löcher, die für Ohrringe gedacht sind, sondern Hautöffnungen, die ein bis 25 Millimeter geweitet sind.

Dieser gedehnte Zustand des Ohrläppchens wird durch das sogenannte „Stretching“ herbeigerufen, was meist mit einem Dehnungsstift erfolgt. Hierbei wird der Stichkanal eines gepiercten Ohrläppchens vergrößert, um später Schmuck mit größerem Durchmesser tragen zu können. Der Anblick des Tunnelträgers regt viele zum Nachdenken, manche auch zum Kopfschütteln an.

Wie ist es denn eigentlich dazu gekommen, dass Menschen sich ihren Körper durchbohren? Was hat es denn auf sich mit diesem neuen, rätselhaften Trend? Was steckt dahinter?

Schon „Ötzi“ hatte geweitete Ohrlöcher

Schon „Ötzi“ aus der Jungsteinzeit schmückten sieben bis elf Millimeter gedehnte Ohrlöcher. Ebenfalls Tutanchamun, die Buddha Statue und auch Figuren der Moche-Kultur werden mit einem geweiteten Loch im Ohr dargestellt. Man könnte denken, dass es die heutigen Generationen den alten „Ausgeleierten“ nachahmen. Interessant ist an dieser Stelle, dass die Methode des geweiteten Ohres anfangs keinesfalls einem Schönheitsideal entsprach. Ganz im Gegenteil – diese Methode wurde verwendet, um Frauen für die anderen Männer weniger attraktiv aussehen zu lassen.

Jennifer Wack, eine Auszubildende zur Maßschneiderin, berichtete über ihren Ohrschmuck: „Ich habe das mit den Tunnels bei einer Freundin gesehen und fand das so toll, dass ich es auch sofort haben wollte. Jetzt ist das wie eine Sucht, ich wollte ein sechs Millimeter geweitetes Piercing in den Ohren, schließlich sind es fast 26 Millimeter geworden. Ich fühle mich super wohl mit meinen Tunnels, ich kann mir mich auch gar nicht mehr ohne vorstellen. Ob ich einen bestimmten Standpunkt in der Gesellschaft vertreten möchte, weiß ich jedoch gar nicht so genau. Einerseits möchte ich auffallen und anders sein als der Rest, aber andererseits genieße ich es auch total, wenn ich mit meiner Freundin unterwegs bin und uns beide das Gleiche schmückt. Trotzdem ist es oft komisch, dass im Moment so viele Menschen Tunnels tragen. Eigentlich wollte ich ja schon, dass das was Besonderes bleibt, man will sich ja irgendwie abgrenzen!“

Auch Julia Bornmann, Schülerin der Käthe-Kollwitz-Schule, erzählte was sie mit ihren Tunnels verbindet und warum sie sich für diesen Körperschmuck entschieden hat. „Tunnel fallen einfach auf und sehen cool aus! Es gehört jetzt einfach zu mir und ich sehe nicht aus wie die meisten anderen. Die Tunnel in den Ohren machen meine Persönlichkeit aus und interessant wird es, wenn man dann Menschen mit gleichen Interessen oder eben Tunnels trifft.

„Ohrschmuck ist wie ein Erkennungszeichen“

Ich gehe gerne auf Festivals und da ist mein Ohrschmuck fast wie ein Erkennungszeichen, oft kommen so auch Gespräche zustande. Aber dass es besonders ähnliche Charaktere sind oder dass Tunnelträger ähnliche Musik hören, denke ich nicht. Ich sehe ziemlich unterschiedliche Menschen mit geweiteten Piercings. Das mit dem Provozieren kann ich jedoch sehr gut nachvollziehen, ich fand das eine Zeitlang echt witzig, wie meine Oma sich aufgeregt hat!“

Letztendlich kann man sagen, dass die Tunnels für die Tunnelträger genau so kompliziert sein können wie für die Nicht-Tunnelträger. Im Großen und Ganzen sucht jeder Mensch nach Individualität, aber auch nach Gemeinschaft und Gesprächsthemen. Mit Sicherheit steht man in seinem Leben mindestens einem gedehnten Körperteil mit einem dazugehörigen Menschen gegenüber.

Ob das an dieser Stelle unattraktiv, primitiv oder sympathisch wirkt, hängt dann ja immer noch vom jeweiligen Blickwinkel ab, aber dass dabei der Tunnelblick immer wieder eine Rolle spielt, ist dann ja kein Wunder mehr.

von Anna-Lena Lache, Klasse 12 FOS 3, Käthe-Kollwitz-Schule Marburg

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