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„Die Arbeit beschränkt sich nicht aufs Helfen“

Ehrenamt „Die Arbeit beschränkt sich nicht aufs Helfen“

Ehrenämtler? Das sind doch die Menschen, die sich in Sportvereinen engagieren oder bei der Freiwilligen Feuerwehr Dienst tun. Richtig. Aber die Möglichkeiten des
ehrenamtlichen Engagements sind breiter
gestreut. Ein Interview.

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Die 2. Vorsitzende des Ehrenamtsvereins Heuchelheim stellte sich den Fragen von Schülerreporter Nils Christ.

Quelle: Privat

Heuchelheim. Unter dem Slogan „Nicht nur andere glücklich machen…“ führt der Ehrenamtsverein Heuchelheim die „Vorteile der ehrenamtlichen Arbeit auf. In einem Interview mit Marita Kraus, der 2. Vorsitzenden des Ehrenamtsvereins des Ortes im Landkreis Gießen, erfahren wir mehr über die Möglichkeiten des Ehrenamts:

Nils: Was ist denn überhaupt ein Ehrenamtsverein?
Kraus: Der Ehrenamtsverein ist vor zwei Jahren gegründet worden, mit dem Hintergedanken, dass wir etwas tun wollen für Bürger, die Hilfe brauchen, aber nicht krank sind. Wenn Leute alleine sind, gerade ältere, und ihre Tasche nicht mehr tragen können, dann fährt jemand von uns mit ihnen einkaufen oder auch zum Arzt

Nils: Es gibt ja in den unterschiedlichsten Bereichen Freiwillige, die ihre Hilfe zur Verfügung stellen.
Kraus: Die Arbeit beschränkt sich nicht nur aufs Helfen. Es gibt auch Freiwillige, die für ein paar Runden Mau-Mau oder „Mensch ärgere dich nicht“ vorbeischauen oder im Kindergarten vorlesen, sogenannte „Vorlese-Omas“. Auch für die Betreuung der Kinder von alleinerziehenden Elternteilen, die mal krank werden, ist gesorgt. Ausgewählte Personen nehmen dann für ein paar Tage die Kinder bei sich auf. Auch bei  Demenz wird mittlerweile geholfen. Wir versuchen jetzt ein Demenz-Kaffee zu veranstalten, wo die Familien ihre Angehörigen hinbringen können und wir beschäftigen uns dann mit ihnen.

Nils: Worin liegt der Ansporn, ehrenamtlich tätig zu sein?
Kraus: Der Ansporn bei vielen ist einfach, Menschen zu helfen. Das ist also schon mal die Grundeinstellung, die man
dafür haben muss, und es sind oftmals Leute, die sich beruflich sehr engagiert haben und sich auch in jungen Jahren in Vereinen eingebracht haben.

Nils: Wie viele Stunden  arbeiten denn die Mitarbeiter im Ehrenamtsverein?
Kraus: Unterschiedlich! Es gibt Leute, die bringen sich stark ein und haben jede Woche irgendwo zwei bis drei Stunden und es gibt auch Leute, die den Ehrenamtsverein einfach nur durch ihre Mitgliedsbeiträge unterstützen. Und auch diese sind natürlich so herzlich willkommen wie die, die sich aktiv engagieren.  Aber in der Regel würde ich sagen ein bis zwei Stunden. Ich habe zehn Stunden, aber das kommt immer darauf an, wie viel Zeit jemand hat und wie er auch so ein Amt ausführt und was man macht.

Nils: Was denken Sie über die Ehrenamts-Card?
Kraus: Die Ehrenamts-Card, auch E-Card genannt, ist eine Anerkennung an ehrenamtliche Mitarbeiter. Jeder Ehrenamtsbetreiber kann, so weit er die vorgegebenen fünf Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Woche erfüllt, eine E-Card beantragen. Diese verspricht über 1500 Vergünstigungen in ganz Hessen. Aber wenn ich ehrlich bin, tue ich mich schwer damit. Ich glaube nicht, dass das allein den Anreiz gibt, ein Ehrenamt auszuüben. Unterstützen kann es schon, aber ich denke nicht, dass sich dadurch mehr Leute für ein Ehrenamt interessieren.

Nils: Was halten Sie für die Hindernisse, die viele Mitbürger vom Ehrenamt abhalten?
Kraus: Ich denke, das ist eine Grundeinstellung. Das ist teilweise schon Desinteresse von manchen Leuten. Ich denke mir, die Schnelllebigkeit hat viel damit zu tun. Es wird beruflich immer mehr erwartet und ich denke, das macht schon was aus, dass sie dann die Zeit für ein Ehrenamt nicht mehr einbringen wollen oder können. Wenn jetzt allerdings ein Vorstand da ist, der sehr darauf pocht, dass sich jeder verpflichtet und übermäßig einbringt und die Stunden nachrechnet, dann halte ich das für eine schlechte Lösung.

von Nils Christ, BG11F, Adolf-Reichwein-Schule Marburg

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