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Wenn eine Frau ohne die Erlaubnis ihres männlichen Vormundes nicht verreisen darf

Frauenrechte in Saudi-Arabien Wenn eine Frau ohne die Erlaubnis ihres männlichen Vormundes nicht verreisen darf

In Saudi-Arabien leben 73 Prozent der Bevölkerung streng wahhabitisch, das heißt, sie leben den Koran und die Sunna wortwörtlich aus. Für die Frauen heißt das, dass sie kaum eigene Rechte besitzen.

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Frauen in Saudi-Arabien, wie hier in Riad, sind in ihren Rechten stark eingeschränkt.

Quelle: dpa

Marburg. Ihnen ist verboten, Auto zu fahren, öffentlich Sport zu treiben, sich mit Männern zu treffen, mit denen sie nicht verwandt sind. Außerdem haben sie die Pflicht sich zu verschleiern. Für jede Entscheidung auf offizieller Ebene brauchen sie die Erlaubnis ihres gesetzlichen Vormundes, also bis zur Hochzeit, die ihres Vaters, dann die ihres Mannes und in manchen Fällen ist der Vormund auch der Bruder oder Onkel.

Die saudische Frauenrechtlerin Aziza al-Yussef sagt, im Interview mit der ZEIT: „Ich kenne einen Fall, da hat eine junge Frau die Scheidung eingereicht und bekam danach ein Stipendium für die USA. Ihr Noch-Ehemann verweigerte die Zustimmung, sodass sie nicht fahren konnte.“

Trotz Arbeitsrecht: Viele Tätigkeiten für Frauen nicht erlaubt

Doch seit mehreren Jahren treten Veränderungen auf, ab 1966 dürfen Mädchen die Schule besuchen. Dadurch eröffneten sich für sie Berufsperspektiven, selbstverständlich nur mit der Erlaubnis ihres Vormundes. 2004 setzte für die Frauen ein Arbeitsrecht ein, jedoch nur mit begrenzten Möglichkeiten, denn viele Tätigkeiten sind für sie nach wie vor nicht erlaubt.

Im Jahr 2008 wurde entschieden, dass Frauen alleine in Hotels einchecken, Wohnungen anmieten und sogar Firmen gründen dürfen. Fahrradfahren ist erst seit 2013 erlaubt, das Verbot wurde ausgesprochen aufgrund der Befürchtung, Frauen könnten ihre Jungfräulichkeit durch das Fahrradfahren verlieren. 2015 durften Frauen das erste Mal an einer Wahl teilnehmen und kandidieren. Auch wenn es nur um die Sitze in Gemeinderäten ging, welche sich um lokale Verwaltungspolitik kümmern, bewarben sich über 900 Frauen für einen Posten.

Strenge Geschlechtertrennungsgesetze an der Uni

Viele Frauen studieren sogar, über 60 Prozent der saudischen Hochschulabsolventen sind Frauen. An den Universitäten herrschen strenge Geschlechtertrennungsgesetze. Das heißt, dass Frauen und Männer, wie in den Schulen, getrennt unterrichtet werden. Wenn ein Mann eine Vorlesung hält, müssen die Frauen sie über einen Bildschirm mitverfolgen, da sie keinen persönlichen Kontakt mit  Männern, die nicht aus ihrer Familie stammen, haben dürfen.

Manchen Frauen reicht dies nicht, sie kämpfen für ihre Rechte und hoffen, durch die schlechte Wirtschaftslage auf baldige Erfolge. Denn wenn der Ölpreis weiterhin fällt, dann wird sich die Wirtschaftslage verschlechtern. Frauen werden dann als Arbeiterinnen gebraucht, wenn dann den Ehemännern die Fahrdienste für die Frauen zu teuer werden, werden sie selber am Steuer sitzen müssen. „Ich bin optimistisch. Wenn die männliche Vormundschaft abgeschafft wird, wäre das ein riesiger Schritt nach vorne“, so Aziza al-Yussef.

Für mich als westliche Frau ist es kaum vorstellbar, mit einer solchen Einschränkung der eigenen Rechte zu leben. Ich bewundere dennoch die Stärke der Frauen, immer weiter für ein Recht auf Selbstbestimmung zu kämpfen.

von Lisa Eigmüller, 10. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg

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