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Was bedeutet „Ohne Gentechnik“?

nachgefragt Was bedeutet „Ohne Gentechnik“?

Ob auf Fruchtsäften, Milchprodukten oder Eiern: wenn man durch den Supermarkt geht, sieht man immer wieder das Logo „ohne Gentechnik“. Doch was bedeutet dieses Logo eigentlich und wieso achten Leute darauf?

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Auf der Abdeckung einer Fleischtheke ist ein Aufkleber mit der Aufschrift "ohne Gentechnik" angebracht. Aber was bedeutet das eigentlich?

Quelle: David Ebener

Marburg. Wer kennt es nicht? Man sitzt am Frühstückstisch und greift nach der Milch, und auf einmal fällt einem das Logo „ ohne Gentechnik“ ins Auge. „Ohne Gentechnik“ – was bedeutet das eigentlich und welche Auswirkungen hat das auf die Milch - und einen selbst?

Um das zu beantworten, befragte ich Torsten Waldminghaus, Professor für Synthetische Mirkobiologie an der Universität Marburg. Er erklärte mir, dass Gene die Informationen in jeder Zelle sind, die codieren, wie die Zelle oder der Organismus auszusehen hat. Jedoch ist ein Gen dabei nur ein kleiner Bestandteil der Zelle. In einem Menschen gibt es zirka 100.000 Gene, die für den Organismus wichtig sind und bestimmen, ob wir braune oder blaue Augen, schwarze oder blonde Haare haben und vieles mehr. Wenn man nun ein oder mehrere Gene verändert, verändert man gleichzeitig die Zelle und sogar den ganzen Organismus.

Was bedeutet das nun in Bezug auf meine Milch? Ist dann die Kuh oder die Milch gentechnisch verändert? Nein, das bedeutet nur, dass die Kuh kein gentechnisch verändertes Futter gefressen hat. Bei Fruchtsaft wäre das Obst dann eine gentechnisch nicht veränderte Züchtung und bei Brot wäre der Weizen unverändert gewesen.

Gentechnik hat ein schlechtes Image

Jetzt wissen wir, was Gentechnik ist - aber ist es schlecht für mich? Da gibt es unterschiedliche Meinungen, viele Umweltschützer sind dagegen. Laut Professor Waldminghaus haben Umfragen ergeben, dass rund 90 Prozent der Befragten eher gegen Gentechnik sind. Gentechnik  hat also ein schlechtes Image. Grund dafür mag die Angst vor dem „Unbekannten“  oder schlicht Unwissenheit sein. Außerdem scheinen die Folgen der Verwendung gentechnisch veränderter Produkte, zum Beispiel in Bezug auf die Gesundheit, noch nicht genügend erforscht oder absehbar.

Dabei ist es tatsächlich so, dass Gentechnik in vielen Bereichen helfen kann. Man kann zum Beispiel ein Gen von einem Krankheitserreger entfernen und dann feststellen, ob die Infektion jetzt noch krank macht. Wenn nicht, hat man ein wichtiges Gen, das für die Infektion verantwortlich ist, gefunden und kann gezielt gegen dieses Gen ein Medikament entwickeln.

Anderes Beispiel: Man kann ein Medikament, das aus einer Pflanze gewonnen wird, die mühsam angebaut und deren Ernteertrag schwankt, in Bakterien einbauen - und die gesamte Produktion wird einfacher und billiger.

Zurück zu meinem Frühstückstisch. Soll ich meinen Kakao in Zukunft nur noch mit „gentechnikfreier“  Milch trinken? Diese Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Ich persönlich finde Gentechnik und ihre Möglichkeiten sehr spannend  - und genieße meinen Kakao.

von Lorna Waldminghaus, Klasse 8e, Elisabethschule

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