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Spurensuche in der Grundschule Schweinsberg

Schulgeschichte Spurensuche in der Grundschule Schweinsberg

Die Schüler und Schülerinnen der Klasse 4 beschäftigen sich in ihrem Artikel mit der langen Vergangenheit ihrer Schule.

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Klassen in Größe von bis zu 30 Kindern und der Unterricht mehrerer Klassen in einem Raum war an der Grundschule Schweinsberg, wie in vielen anderen Grundschulen, früher keine Seltenheit.

Quelle: Privat

Schweinsberg. Die Klasse 4 der Grundschule Schweinsberg nimmt in diesem Jahr an dem Projekt der OP teil. Die Kinder haben schon viel Erfahrung beim Schreiben von Berichten. Jedes Kind hat ein eigenes Bericht-Geschichten-Heft, in das für alle besonderen Ereignisse des Schulalltags ein Text geschrieben wird.

Für das OP-Projekt wollte die Klasse einen gemeinsamen Text schreiben und es galt ein Thema zu finden. Den meisten Zuspruch fand das Thema zur Geschichte der Schule, besonders nachdem Herr Linne als ehemaliger Schüler zu Besuch gewesen war.

Für die Spurensuche wurde in der Schweinsberger Chronik und in der Schulchronik eifrig nach Informationen aus früheren Jahren gesucht. Außerdem wurden Eltern, Großeltern und Nachbarn angesprochen, ob sie Bilder ihrer Einschulung und Erinnerungen an die Schulzeit haben (Siehe Interview unter diesem Text).

Im Winter sechs Stunden, im Sommer vier

Erste Nachweise für eine Schule in Schweinsberg gibt es seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Es gab einen Lehrer. Ab 1845 gab es einen zweiten Lehrer. Beide unterstanden der Herrschaft der Familie von Schenck. Mit der Arbeit des Lehrers war damals auch das Amt des Kantors verbunden, also eines Angestellten der Kirche.

Das älteste Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1680 und war in der Straße „Im Tal“ zwischen dem Gasthaus Römer und dem Schwab Saal. Heute ist dort ein Parkplatz. Das Schulhaus hatte auch eine Lehrerwohnung, später wohnte der Lehrer in einem anderen Haus.

Die Kinder früher hatten im Winter täglich sechs Stunden Schule und im Sommer vier Stunden. Das war so, weil es im Sommer mehr Arbeit auf den Feldern und auf dem Hof zu tun gab. Die Kinder mussten mithelfen. Ferien gab es auch und die waren auch zur Erntezeit, also im August und September. Zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten gab es nur eine Woche Ferien.

Krankheiten wie Typhus traten sehr häufig auf

In den Schulräumen war es sehr eng, besonders als 1837 noch eine Handarbeitsschule für Mädchen gegründet wurde. Da die Stadt Schweinsberg in dieser Zeit die Gelder für die Mädchen-Schule nur noch schwer aufbringen konnte, übernahm ab 1835 für arme Mädchen jeweils ein Mitglied der Familie Schenck den Unterricht. Ab 1855 wurden Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet.

Die Mädchen blieben im Schulgebäude bei einem Lehrer und die Jungen zogen ins Rathaus um, das auch in der Straße „Im Tal“ lag. Der Zustand des Schulgebäudes war sehr schlecht geworden und Krankheiten wie Typhus traten sehr häufig auf.

Es waren ständig Reparaturen notwendig und bereits 1881 fand die Regierungsbehörde in Kassel notwendig, zwei Klassenräume zu bauen. Jedoch war erst die Bemerkung des Oberregierungsrat Marx in seinem Reisebericht vom 1.Oktober 1936, „Es sind zwei Schulhäuser vorhanden, die beide wohl das beschämendste darstellen, was in Bezirk angetroffen werden kann… für Abhilfe muss schleunigst gesorgt werden“ der Auslöser für den Neubau in der heutigen Straße „Am Wall“.

Die finanzielle Not der Stadt Schweinsberg war durch einen Grundstückstausch mit der Familie von Schenck zu Ende, so dass die Mittel für den Neubau im Jahr 1937 vorhanden waren. Es entstand ab dem Juli des Jahres ein Schulhaus mit zwei Klassenräumen, Lehrküche und Werkraum. Die Einweihung des neuen Gebäudes in die Straße „Am Wall“ unterhalb des Schlosses erfolgte am 21. August 1938:

Im Kellergeschoss befand sich eine Gemeindeanlage mit Brause und Wannenbad. Außerdem gab es ein extra Toilettenhaus auf dem Grundstück wie die ehemalige Schülerin Doris Mann ihrer Enkelin Clara Hofmann erzählte. Außerdem gab sie ihrer Enkelin ein Foto von deren bereits verstorbenem Großvater Günter Mann bei seiner Einschulung im Frühling 1954: 

Von dem alten Toilettenhäuschen auf dem Schulhof berichtet auch Walter Seim, der 1959 eingeschult wurde (siehe Foto, untere Reihe, zweiter von links). Außerdem erzählte er von einer aufregenden Situation im Jahr 1966, als beim Erstellen des heutigen Toilettenanbaus der Bagger mit seiner Schaufel so fest in die Außenwand schlug, dass die Schule fast eingestürzt wäre.

Er kann sich noch gut an sehr strenge Lehrer erinnern, die mit ihrem Schlüsselbund nach den Kindern geworfen haben. Außerdem gab es kein Spielzeug für die Pausen, keine Klassenfeste und wenige Klassenfahrten. In seiner Klasse waren etwa 30 Kinder. Insgesamt gab es neun Klassen, wobei mehrere Klassen in einem Raum Unterricht hatten. Der Sportunterricht fand auf dem Schulhof statt. Schwimmunterricht gab es gar nicht.

Kinder gehen immer noch durch gleiche Holztür

Das Schulhaus aus dem Jahr 1938 wurde bereits elf Jahr später zu eng und es gab einen Anbau, der im Juli 1950 eingeweiht wurde. Dabei wurde das Gebäude so angebaut, dass der erste Haupteingang nun im Gebäude liegt und der Haupteingang an die jetzige Stelle auf die andere Seite des Gebäudes kam.

Auf den Einschulfotos aus den 1950er Jahren sieht man, dass es immer noch die gleiche Holztür ist, durch die die Schüler früher gingen und heute gehen. Sehr spannend war auch ein Blick in die Schulchronik, die bis zum Ende des Schuljahres 1985/86 sehr ausführlich geschrieben wurde. Dort entdeckte so manches Kind, dass es Eltern von heutigen Eltern gab, die Elternvertreter gewesen sind und dies manchmal heute gar nicht mehr wissen.

Interessant war auch wie viele Lehrer über Jahrzehnte in der Schule unterrichtet haben. Das Beste ist aber die Erkenntnis, dass es im nächsten Jahr ein großes Fest geben kann, weil der Umzug in das neue Schulhaus in der Straße „Am Wall“ am 21. August 2018 vor achtzig Jahre erfolgt ist.

Interview mit ehemaligen Schülern und Schülerinnen der Grundschule Schweinsberg

von Philipp Ludwig

Philipp: Hallo auf welche Schule sind sie gegangen?

Frau Heilmann: Wir sind hier in Schweinsberg zur Schule gegangen.

Philipp: Wann wurden sie eingeschult?

Frau Heilmann: Ich wurde 1950 eingeschult.

Frau Behrndt: Ich in 1948.

Philipp: Können sie sich noch an Ihre Lehrer erinnern?

Frau Behrndt: Ja natürlich, das war der Herr Gnau.

Frau Heilmann: Ja, der Herr Gnau und die Frau Bietz aus dem Ebsdorfergrund.

Philipp: Wie viele Kinder waren in den Klassen?

Frau Heilmann: Unser Jahrgang war groß. Da musst du mal in das aktuelle Kirchenblättchen schauen. Da ist ein Foto drin. Wir haben dieses Jahr goldene Konfirmation. Nur ich bin nicht dabei. Ich bin katholisch.

Frau Behrndt: Meistens waren immer zwei Klassen zusammen.

Philipp: Wie viele Jahre sind Sie hier in die Schule gegangen?

Frau Behrndt: Früher war die komplett Volksschule hier. Also 8 Jahre. Und dann musste man Arbeiten gehen.

Frau Heilmann: Ja, 8 Jahre. Manche Eltern schickten ihre Kinder nach der 4 Klasse nach Kirchhain oder Marburg.

Philipp: Können sie sich noch an die Schule „Im Tal“ erinnern?

Frau Heilmann: Ja, ich weiß, dass dort mal die Schule war aber das habe ich nicht mehr mitbekommen. Später haben da Leute drin gewohnt. Ich habe damals auf der Ohäuser-Mühle gewohnt und musste immer zur Schule laufen. Da fuhr kein Bus und wir sind auch nicht mit dem Auto gebracht worden!

Philipp: Danke für Ihre Antworten.

Die zwei Frauen erzählten, dass Konrad Fleischhauer (im Dorf der „Bachmann“ genannt) vor ihnen in der Schule war. Also stellte Philipp ihm auch einige Fragen.

Philipp: Hallo! Sind sie in Schweinsberg zur Schule gegangen?

Herr Fleischhauer: Ja, bin ich. Von 1942 bis 1951.

Philipp: Welche Lehrer hatten sie?

Herr Fleischhauer: Ich war beim Herrn Balzer und der wurde dann vom Herrn Gnau abgelöst. Und dann gab es noch den Herrn Peter. Aber zu dem musste ich nie.

Philipp: Wie viele Kinder waren in einer Klasse?

Herr Fleischhauer: Es waren immer viele Kinder. Meistens zwei Klassen am Anfang auch mehr. Später wurde der rechte Teile also das flache Gebäude noch dran gebaut. Da kamen ja die Flüchtlinge (Red. aus dem Osten, nach dem zweiten Weltkrieg) und dann hatten wir vier Klassen mit immer zwei Jahrgängen zusammen.

Philipp: Können sie sich noch an die Schule „Im Tal“ erinnern?

Herr Fleischhauer: Ja, da war die Schule früher. Meine Vorfahren sind dahingegangen. Aber da wird es wohl hier im Ort auch niemanden mehr geben, der da zur Schule gegangen ist.

Philipp: Danke für Ihre Antworten.

von der Klasse 4 der Grundschule Schweinsberg

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