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Konsum um jeden Preis?

Kinderarbeit Konsum um jeden Preis?

Laut UNICEF arbeiten weltweit 158 Millionen Kinder. Die meisten sind im Alter zwischen 5 und 17 Jahren.

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Ein indisches Kind hält einen kurzen Mittagsschlaf auf einem Stapel Wassermelonen an einem heißen Sommertag in Mumbai. Weltweit sind 158 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen.

Quelle: dpa

Marburg. Vor allem in den Entwicklungsländern, wie zum Beispiel Bangladesch, Ägypten, Eritrea, Indien, Ghana, Uganda und noch vielen weiteren arbeiten Kinder. Sie arbeiten unter schlechten Bedingungen und erhalten meistens noch viel weniger als Mindestlohn. Der Mindestlohn ist je nach Land unterschiedlich. In Bangladesch liegt dieser laut Recherche der Tageszeitung „die Taz“ umgerechnet bei 50 Euro im Monat.

Die meisten Kinder arbeiten 8 bis 16 Stunden täglich, haben selten Pause und leiden unter Hunger. Viele Familien können ihren Lebensunterhalt nur auf diese Weise aufbringen. Nur wenn die Kinder arbeiten, verdient die Familie gerade mal so viel, dass es für ein Dach über dem Kopf reicht. An fließendes Wasser ist kaum zu denken.

Was genau bezeichnet man als Kinderarbeit?

Ist es schon Kinderarbeit, wenn Kinder zuhause die Spülmaschine ausräumen oder die Wäsche machen? Nein, als Kinderarbeit bezeichnet man es laut Unicef erst, wenn Kinder unter 15 Jahren mehrere Stunden täglich regelmäßig arbeiten. Davon abzugrenzen ist, wenn die Kinder in der Familie helfen. Oft wohnen die Kinder nur mit einem oder sogar keinem Elternteil zuhause. Das heißt, dass die ältesten Kinder auf die Kleineren aufpassen und zusätzlich noch Geld in die Familie bringen müssen.

In den Firmen werden Kinder angestellt, weil sie billiger sind und für feine Handarbeiten gut einsetzbar sind. Dadurch können sie oftmals nicht zur Schule gehen oder später keine Ausbildung machen. Das heißt aber, dass sie als erwachsene Menschen weder lesen und schreiben, noch rechnen können und auch später wenig verdienen werden. Auch ihre Kinder werden möglicherweise wieder gezwungen sein, dazu zu verdienen und können nicht in die Schule gehen. Dadurch setzt sich wie die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ auf seiner Website erklärt, der „Teufelskreis der Armut“ fort.

Wo arbeiten Kinder?

Die Kinder arbeiten in unterschiedlichen Branchen, wie zum Beispiel in der Textilindustrie und auf Kakaoplantagen. Dabei sind auch bei uns bekannte Marken, wie zum Beispiel H&M und KiK, immer wieder in den Schlagzeilen. Aber nicht nur billige Marken lassen in solchen Ländern herstellen, sondern auch teure. Informationen über die Verflechtungen der Bekleidungsbranche finden sich zum Beispiel auf der  Website „aktiv gegen Kinderarbeit“.

Textilbranche

Viele Menschen, die in diesen Läden einkaufen, wissen überhaupt nicht, wo das T-Shirt, welches sie gerade tragen, herkommt. Sie wissen auch nicht. unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Wenn die Kleidung teurer ist, heißt dies aber nicht unbedingt, dass die Arbeiterinnen, die diese hergestellt haben, mehr Geld dafür bekommen oder unter besseren Bedingungen arbeiten.

Die meisten Kleidungsstücke von unterschiedlichen Marken werden in den gleichen Fabriken und unter den gleichen Arbeitsbedingungen hergestellt. Zum Beispiel arbeiten dort viel zu viele Menschen in einem Raum ohne ausreichende Belüftung und Brandschutzmaßnahmen. Die meisten Arbeiterinnen haben keinen Mundschutz oder andere Schutzausrüstung. Die Arbeitszeiten sind sehr lang, so dass die Arbeiterinnen keine Zeit mit ihren Familien verbringen können, wie die ARD Reportage „Mode schlägt Moral“ beschreibt.

Für den Verbraucher ist es schwierig, Informationen über Herstellungsbedingungen von Marken herauszufinden. Otto veröffentlicht, dass sie zwar mit Kinderarbeit produzieren, die Kinder jedoch gut bezahlen und die Arbeitsbedingungen regelmäßig kontrollieren.

Bei H&M haben wir in Marburg in der Filiale nachgefragt. Eine Verkäuferin hat uns an ihre Vorgesetzte verwiesen. Diese war jedoch nicht bereit, mit uns über die Herstellungsbedingungen zu sprechen, obwohl wir das Thema Kinderarbeit vorsichtshalber noch nicht einmal erwähnt haben.

Kakaoplantagen

Viele jüngere Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen, weil hierfür keine besonderen Fähigkeiten erforderlich sind. Sie sammeln stundenlang die Kerne aus den Kakaoschoten und sortieren sie nach Größen. Bei solchen Plantagen ist es häufig so, dass die Plantagenbesitzer, Kinder auf der Straße einsammeln und ihnen oder den Eltern gute Arbeitsbedingungen vortäuschen. Die Kinder können die Plantagen nicht mehr allein verlassen. Sie arbeiten in der glühenden Hitze ohne Wasser und Essen acht oder mehr Stunden täglich.

Da es keine regelmäßigen Kontrollen gibt, wird häufig nicht mal Mindestlohn gezahlt, der in diesen Ländern sowieso sehr gering bemessen ist. Der größte Kakaolieferant für Deutschland ist die Elfenbeinküste, wo die Bedingungen für die Kinder besonders hart sind. Weitere Informationen zu den Arbeitsbedingungen der Kinder auf den Kakaoplantagen liefert die Spiegelreportage „Millionen Kinder müssen auf Kakaoplantagen schuften“ vom 5. August 2015.

Was kann die Gesellschaft gegen Kinderarbeit tun?

Wenn die Familien weniger Kinder hätten, könnten sie sich möglicherweise besser um die Kinder kümmern und hätten genug Geld, um sie auch zur Schule zu schicken. Aufklärung und kostenlose Verhütungsmittel könnten helfen, das Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern einzudämmen. Einige Religionen verbieten die Geburtenplanung. Hier könnten religiöse Würdenträger viel Gutes tun, wenn sie ein Umdenken ermöglichen würden.

In vielen Kulturen sind Männer mehr wert als Frauen. Die Familien bekommen solange Kinder, bis sie mindestens einen männlichen Nachkommen haben. Da es keine Rentenversicherung gibt, müssen die Söhne ihre Eltern im Alter finanziell unterstützen. Wenn die Frauen in der Gesellschaft mehr geachtet würden und es mehr Verdienstmöglichkeiten für Frauen gäbe, wären vaterlose Kinder nicht gezwungen, für ihre Familien zu arbeiten.

Solange Kinder gezwungen sind, für ihren eigenen Lebensunterhalt und den der Familie zu sorgen, macht es keinen Sinn, Kinderarbeit zu verbieten. Stattdessen sollte es den Kindern ermöglicht werden, für einen fairen Lohn zu arbeiten und gleichzeitig zur Schule zu gehen.

Es müsste Gesetze geben, die verbieten, dass in Deutschland Produkte verkauft werden, die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden.

Was kann der Einzelne tun?

Jeder kann zu einer Verbesserung beitragen:

  • Produkte kaufen, die unter fairen Bedingungen hergestellt werden und nicht nur auf den Preis achten.
  • Überlegen, ob man dieses T-Shirt, Handy usw. wirklich benötigt oder ob man nicht schon genug hat.
  • Es gibt auch die Möglichkeit, mehr Second-Hand zu kaufen oder Sachen zu tauschen

von Rosa Tent, Anna Luisa Loth und Lucas Pauly, Klasse 9, Freie Waldorfschule Marburg

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