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"Es ist alles weg"

Aleppo "Es ist alles weg"

Seit der Einnahme Aleppos durch das Assad-Regime haben die Medien die Berichterstattung über das Krisengebiet eingestellt. Lediglich Propaganda verschiedener Kriegsparteien sind im Internet zu finden. Doch wie ist die momentane Lage dort tatsächlich?

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Sterbehilfe ist nicht gleich Sterbehilfe

Ein Bild vom kriegszerstörten Bezirk Saif Al Dawla in Aleppo. 

Quelle: dpa

Marburg. Wir treffen Hassan K., der seit 16 Monaten in Deutschland lebt. Er berichtet von seiner Flucht, erzählt von einem Teil seiner Familie, der immer noch im zerstörten Aleppo lebt.

Hassan erlebt den Krieg von Anfang an mit, er studiert im zweiten Semester Medizin in Aleppo, als dort die Universität von Bomben getroffen wird und viele Studenten ihr Leben verlieren. Der Krieg verändert sein Leben in kürzester Zeit. Sein Vater wird entführt, ohne ihn flieht die Familie zu den Großeltern. Dort stirbt Hassans Mutter mit 44 Jahren an Herzversagen.

Dem Vater gelingt die Flucht und gemeinsam kehren sie nach Aleppo zurück. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, zwei von Hassans Brüdern fliehen vor dem Militärdienst in die Türkei. „Man hatte immer Angst“, beschreibt er die Situation in Aleppo. Hassans Familie ist gezwungen, in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Er selbst muss das Land verlassen, um dem Militärdienst zu entgehen. Auf seinem Weg nach Deutschland erlebt er viel Leid und Ablehnung.

"Nur wer den Krieg erlebt hat, weiß, wie wertvoll der Frieden ist"

Währenddessen geht der brutale Kampf um Aleppo weiter, die Zivilbevölkerung wird Opfer menschenverachtender Interessen. „Sie bombardieren die Krankenhäuser und Schulen“, sagt Hassan über das Assad-Regime und die russische Regierung.

Auch nach der Übernahme Aleppos und dem ausgehandelten Waffenstillstand nehmen die Straßenkämpfe und humanitären Missstände kein Ende. In der zerstörten Stadt mangelt es vor allem an Wasser und Lebensmitteln. Ohne Unterkünfte sind die Menschen dem Winter ohne Schutz ausgesetzt. Die wenigen Güter, die die Armee und internationale Hilfsorganisationen verteilen, reichen nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung und kurze Zeit.

Hassan fühlt sich in Deutschland in Sicherheit. Er wird von einer Familie aufgenommen und lernt schnell, sich in der deutschen Sprache und Kultur zurecht zu finden. Sein größter Wunsch ist es, in ein friedliches Syrien zurück zu kehren und seine Familie wieder zu sehen. „Ich hatte ein tolles Leben in Syrien“, erzählt er. „Man weiß nicht, was Frieden bedeutet. Nur wer den Krieg erlebt hat, weiß, wie wertvoll der Frieden ist.“

von Emil Zickgraf und Leon Kettner, 10. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg

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