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"Eine gewisse Gelassenheit und Nerven wie Drahtseile"

Über die Arbeit von Sozialarbeitern und Pädagogen "Eine gewisse Gelassenheit und Nerven wie Drahtseile"

Was machen eigentlich Sozialarbeiter und Pädagogen? Dieser Frage sind Franca Törner und Bo Handke in ihrem Schülerartikel nachgegangen.

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Ein Fußfesselträger sitzt im Büro seines Bewährungshelfers. Um mehr über die Arbeit von Sozialarbeitern und Pädagogen zu erfahren, haben die Autoren dieses Textes einen Bewährungshelfer befragt.

Quelle: dpa

Marburg. Vor allem Jugendliche, aber auch schon Kinder, kommen heute sehr viel früher als noch vor einer Generation in die Gefahr eines regelmäßigen Alkohol- und Drogenmissbrauchs. Betäubungsmittel können heute an jeder Straßenecke gekauft werden. Grenzwertige  Erlebnisse, die einen emotionalen Kick versprechen, werden gerne gesucht: Ladendiebstal, unerlaubtes Graffiti und illegales Klettern auf gefährlichem Gelände sind beispielsweise unter Jugendlichen beliebte Gruppenaktivitäten.

An dieser Stelle kommen Sozialarbeiter und Pädagoginnen ins Spiel, die sich über verschiedenste Fachgebiete verteilen. Als Bewährungshelfer spielen sie etwa eine wichtige Rolle, wenn Jugendliche straffällig geworden sind. Sie helfen ihnen, nach einer Haftstrafe zurück in die Gesellschaft zu finden und sich an ihre Bewährungsauflagen zu halten.

Pädagogen und Sozialarbeiter sind immer vor Ort

Der Sozialarbeiter Markus Weinandt (Foto: Privat) ist seit mehreren Jahrzehnten in Gießen als Bewährungshelfer tätig. Er berichtet, die häufigsten Ursachen für Haftstrafen von Jugendlichen seien Drogenmissbrauch, Diebstahl und körperliche Gewalt. Um die Zahl der Jugendlichen, welche delinquent werden, so gering wie möglich zu halten, gibt es Jugendhäuser, in denen immer Pädagogen und Sozialarbeiter vor Ort sind. Sie gehen auf Fragen ein und helfen bei Konflikten weiter.

Marie Ingenblek (Name von der Redaktion geändert) ist 22 Jahre alt und studiert in Gießen Erwachsenenbildung. Derzeit absolviert sie in einer sozialen Einrichtung ein dreimonatiges Praktikum. Sie erzählt uns, dass die Kinder und Jugendlichen immer kommen können, wenn sie Probleme haben oder einfach einen Raum brauchen, um mal für sich allein sein zu können. „Wir bieten hier zum Beispiel eine Hausaufgabenbetreuung an, in der wir uns in Gruppen zusammen setzen und von den Mathehausaufgaben bis zu den Bewerbungsschreiben jegliche Hilfestellung geben“, teilt sie uns mit.

Viele nähmen diese Hausaufgabenbetreuung dankbar entgegen, da sie aus ihrer Familie und aus ihrem sozialen Umfeld wenig Unterstützung erführen. Nicht selten sind Familienmitglieder psychisch erkrankt. Viele Alleinerziehende müssen ganztags arbeiten, sodass ihre Kinder ohne Betreuung zurückbleiben.

Wichtig: Zwischen Arbeit und Privatleben trennen

Für die aktive Arbeit mit diesen Jugendlichen braucht man „eine gewisse Gelassenheit und Nerven wie Drahtseile“, bemerkt Marie Ingenblek. Die Jugendlichen machten oft durch blöde Anmachsprüche auf sich aufmerksam. Dies täten sie, da sie nicht gelernt hätten, eine gute Beziehung zu Mitmenschen aufzubauen. Man müsse ebenfalls Privatleben und Arbeit gut trennen können. „Wenn abends die Türen abgeschlossen werden und die Jugendlichen sich auf der Straße verteilen, muss ich immer schwer mit mir kämpfen, da ich weiß, dass sie jetzt an weniger sichere Orte gehen. Und genau in diesem Moment muss man abschalten können.“

Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen sind in den verschiedensten Bereichen tätig: Von Bewährungshelfern bis zur Betreuung von Menschen mit besonderem Bedarfen. Durch kleine Taten können einzelne Leute oft große Dinge für Andere bewirken. Soziale Arbeit ist immer und überall wichtig.

von Franca Törner und Bo Handke, 9. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg

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