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ADHS – Probleme und Therapiemöglichkeiten

Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom ADHS – Probleme und Therapiemöglichkeiten

Fünf Prozent der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben ADHS. Aber was ist das eigentlich? Dieser Frage sind wir in den letzten Wochen nachgegangen.

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Für ihren Artikel über ADHS haben die jungen Autorinnen selber einmal das Neurofeedbacktraining, das bei vielen ADHS-Patienten angewandt wird, ausprobiert.

Quelle: Privat

Marburg. Das Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, kurz ADHS, hat drei verschiedene Symptome. Diese sind zum einen Aufmerksamkeitsprobleme, das heißt, dass das betroffene Kind Schwierigkeiten beim Aufpassen, Konzentrieren und Merken hat.

Zum anderen treten Hyperaktivität und Impulsivität auf (diese beiden Symptome meist zusammen), das heißt, dass die Kinder sehr aktiv, ungeduldig und hibbelig sind („Zappelphillip“), schnell und unüberlegt reagieren (zum Beispiel in der Schule reinrufen anstatt sich melden), sich nicht an Regeln halten und in manchen Fällen aggressiv reagieren. „Dies kann auch zu Schlägereien führen“, wie uns eine Therapeutin erklärt hat.

Durch dieses Verhalten werden manche Kinder schnell unbeliebt. Es kann aber auch sein, dass (vor allem in der Grundschule) die betroffenen Kinder besonders beliebt sind, weil sie die Klasse ein bisschen aufmischen und die Lehrer ärgern. Doch dies tun sie meistens nur, weil sie im Mittelpunkt stehen wollen. Die Statistik sagt, dass zirka ein Kind pro Klasse ADHS hat oder Symptome davon zeigt.

Kinder wollen gar nicht anders sein

Wir haben uns mit Natalie Engelhardt unterhalten, einer Therapeutin, die in der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie-Ambulanz Marburg ihre Ausbildung macht. Sie hat uns geschildert, wie es für ein Kind ist, an ADHS erkrankt zu sein: „Meistens ist es für die Kinder selbst zunächst kein Problem, eher für ihre Eltern oder Mitschüler. Die betroffenen Kinder empfinden es oft als ganz normal und manchmal wollen sie auch gar nicht anders sein.“

Doch es gibt nicht nur negative Aspekte. Die betroffenen Kinder können auch Stärken haben, zum Beispiel besondere Kreativität, interessante Gesprächspartner sein (wenn die Impulsivität dosiert auftritt) und große Begeisterung für Sport zeigen. Sie können natürlich auch noch andere Interessen und Stärken haben.

ADHS kann zum Beispiel durch folgende Ursachen hervorgerufen werden: Vererbung, emotionale Probleme des Kindes oder Erziehungsschwierigkeiten. Außerdem können zu der ADHS-Erkrankung begleitende Erkrankungen hinzukommen: LRS (Lese-Rechtschreibschwäche), Depressionen (welche schneller auftreten als bei nicht erkrankten Jugendlichen), Zwangsstörungen oder Schlafstörungen. Also ein breites Spektrum an weiteren Erkrankungen, die Kinder und Eltern zusätzlich belasten.

Medikamente haben häufig Nebenwirkungen

Durch diese vielfältigen Probleme, bekommen viele Kinder Medikamente (zum Beispiel Ritalin und Medikinet) verschrieben. Für einige Kinder sind diese Medikamente sehr hilfreich, allerdings können sie auch starke Nebenwirkungen haben, wie man im Beipackzettel von Ritalin lesen kann. Diese Nebenwirkungen reichen von (sehr häufig) Nervosität, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen, bis zu (häufig) Persönlichkeitsveränderungen, Haarausfall, Appetitverlust, Veränderungen des Blutdrucks und vielem mehr.

Aber es gibt auch Behandlungen gegen ADHS, die ganz ohne Medikamente auskommen, zum Beispiel Strategietraining, Neurofeedback, Psychotherapien und Selbsthilfegruppen. Außerdem ist es hilfreich, wenn Verwandte oder Klassenkameraden kein zurückweisendes Verhalten zeigen. Die Eltern sollten ihrem Kind klare Regeln geben, damit es weniger zu Komplikationen kommt.

Wir haben uns das Neurofeedbacktraining mal näher angeschaut und auch ausprobiert. Das betroffene Kind wird vor einen speziellen Computer gesetzt, mit ihm verkabelt (an sieben Stellen am Kopf!), mit einem zweiten Computer verbunden und muss mit seiner Konzentration und Entspannung einen Gegenstand zum Sinken oder Steigen bringen (siehe Bild). Dadurch lernt es mit der Zeit, sich auch im Alltag besser zu kontrollieren.

Das ist schön für die Kinder, wenn nicht mehr das ADHS die Kontrolle über sie hat, sondern sie die Kontrolle über sich selbst haben.

von Anna Hartmann und Johanna Fors, Klasse 8e, Elisabethschule

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