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Brüder-Grimm-Schule Marburg

Unglück im Watt

Eine Wattwanderung kann gefährlich sein - das musste Bernd Marzinek als Kind am eigenen Leib spüren. Nora Marzinek berichtet, was damals ihrem Vater geschehen war.
Zwei Spaziergänger laufen durch das Watt.

Zwei Spaziergänger laufen durch das Watt.

© wobigrafie / pixelio.de

Scheveningen. Letztens erzählte mir mein Vater, Bernd Marzinek (51), eine Geschichte, die mich erschauern ließ: Als er in meinem Alter war, also zehn Jahre alt, war er 1975 in den Ferien mit seiner Mutter, einer Schwester und einer Tante in Scheveningen, das ist ein Badeort an der holländischen Nordsee. An einem Tag mit schlechtem Wetter, alle hatten Regenjacken an, kam es beinahe zu einem tödlichen Unglück.

Es war zuvor Ebbe und die Flut ließ den Meeresspiegel wieder langsam ansteigen. Noch war das Watt etwa 50 bis 70 Meter breit. Alle zogen sich Schuhe und Strümpfe aus und es machte Spaß, durchs knöcheltiefe Wasser zu laufen. Was sollte schon Schlimmes passieren? Plötzlich fiel mein Vater, der etwas abseits lief, hinab.

Unterirdische Bäche und Flüsse bergen Gefahren

Um ihn herum war nur noch schaumiges Wasser, das ihn mit hohem Tempo in Richtung Meer riss. Er griff um sich, fand nirgendwo einen Halt, um ihn herum nur fließender Sand. Er schluckte Wasser und bekam keine Luft – bald wäre er ertrunken. Da kam im letzten Moment die Hilfe seiner Mutter, die ihn zu greifen bekam. Später erzählte man ihm, was geschehen war: Bei Ebbe fließen riesige Wassermassen zum Meer zurück.

Dabei entstehen im Sand Bäche und Flüsse, diese werden Priele genannt. Es können sich aber auch unterirdische Gänge im Sand bilden, in denen das Wasser zurück in Richtung Meer strömt. Und genau über einem solchen unterirdischen Priel spazierte mein Vater und brach in diesen Tunnel ein.

Er hatte wohl großes Glück, dass dieser Tunnel nicht allzu tief lag und der Sand über ihm auf seiner Reise Richtung Meer ständig herunterfiel und er damit für seine Mutter sichtbar blieb. Diese nahm alle Kräfte zusammen und rannte ihrem Sohn hinterher. Erst nach etwa 50 Metern erreichte sie ihn und bekam den Jungen an der Regenjacke zu fassen. Er war gerettet. Wenig später sperrte die Polizei den gesamten Strandabschnitt ab und stellte Warnschilder auf. Sie gab an, dass dies an dieser Stelle das erste mal passiert sei. Nach Angaben der Polizei geschehen solche Unfälle nur ausgesprochen selten.

von Nora Marzinek, Klasse 4b, Brüder-Grimm-Schule Marburg


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