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Carl-Stehl-Schule Marburg

Konzept nicht nur für Sehbehinderte

Die Schüler ­Soraya Schnabel, Jan ­Seikrit und Jalea Warnken befragten ihren Lehrer Gerrit Arnold, der ­Mitorganisator dieser ­Veranstaltung war.
Das Langlaufen klappte am Ende der Skifreizeit schon ganz gut, fanden die Schüler. (Foto: Klasse 9)

Das Langlaufen klappte am Ende der Skifreizeit schon ganz gut, fanden die Schüler.

© Klasse 9

Habischried. Gerrit 
Arnold organisierte die Skifreizeit der Carl-Strehl-Schule (CSS).

Schüler: Wie lange gibt es das Projekt an der CSS schon?
Gerrit Arnold: Das Wintersportprojekt an der CSS wurde 
das erste Mal 1978 durchgeführt, damals noch in Sexten in Süd­tirol. Seit nun mehr über 30 Jahren findet das Projekt in Habischried im Bayerischen Wald statt.

Schüler: Gibt es ein spezielles 
Konzept, nach dem das Skifahren an der CSS unterrichtet wird?
Arnold: Ja, es gibt ein spezielles Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Sport der Philipps-Universität entwickelt wurde und immer wieder den jeweiligen Gegebenheiten, wie der Veränderung und Weiterentwicklung des Materials angepasst wird.

Schüler: In welchen Punkten unterscheidet sich Ihr Konzept von den Konzepten an Schulen mit Normalsehenden?
Arnold: Zuallererst muss einmal gesagt werden, dass wir der Meinung sind, dass unser Konzept nicht sehbehindertenspezifisch ist. Im Mittelpunkt der Überlegungen stand und steht das Ziel, auf einfachstem Wege das Skifahren zu erlernen, und dies sollte ja für jeden Skianfänger gelten. Die Schüler werden 
über mehrere Monate im Sportunterricht mit Ausdauertraining, Gleichgewichtsübungen 
und Training auf Rollgeräten (Inliner, Skateboard) auf das Projekt vorbereitet. In der ersten Woche lernen sie mit dem Skilanglauf eine eigene Sportart, gleichzeitig ist dies aber auch die Vorbereitung für den alpinen Skilauf, da man dort Gleiterfahrungen sammelt und sich die notwendige Neutrallage ohne Vor- und Rücklage automatisch einstellt. Beim Ski Alpin gibt es noch die Besonderheit, dass der Schüler mit sogenannten „BigFoot“, also ganz kleinen Skiern beginnt, danach auf mittellange und dann erst auf die normalen Skier umsteigt. Neben diesen methodischen Aspekten gibt es natürlich noch ein paar organisatorische Überlegungen, die notwendig sind; so ist der alpine Skilauf nur möglich, wenn jeder Schüler seinen persönlichen Skilehrer erhält, der für die Instruktionen und vor allem auch für die Sicherheit zuständig ist.

Schüler: Benötigt man eine besondere Ausbildung um Blinde und Sehbehinderte im Skifahren unterrichten zu dürfen?
Arnold: Der hohe Personalaufwand wurde ja schon erwähnt. Für die 20 teilnehmenden Schüler benötigten wir zehn Skilehrer plus eine Person, die als eine Art Oberaufsicht fungierte. Außer den sowieso entsprechend ausgebildeten Sportlehrern unserer Schule werden wir im Rahmen einer Kooperation mit dem Fachbereich Sport der Marburger Universität jedes Jahr von Sportstudenten unterstützt. Diese absolvieren innerhalb ihres Studiums eine Zusatzqualifikation „Sport mit Blinden und Sehbehinderten“ und die Skiausbildung des Fachbereiches. Diese Skiausbildung vermittelt dasselbe Konzept, nach dem wir auch arbeiten. Außerdem schulen wir die Studenten vor Ort noch einmal in einem zweitägigen Lehrgang, in dem es dann ganz 
gezielt um Skilanglauf und Ski Alpin mit Sehbehinderten geht.

Schüler: Werden die Blinden und Sehbehinderten auf der Piste besonders gekennzeichnet?
Arnold: Wir haben uns bis jetzt ganz bewusst gegen eine solche Kennzeichnung entschieden, um eine Stigmatisierung zu verhindern. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass wir in Zukunft einmal einen entsprechenden Versuch starten werden.

Schüler: Wie ist dieses aufwendige Projekt zu finanzieren?
Arnold: Nach dem Projekt ist die Euphorie meist groß, und es gibt viele Anfragen, wie bei der Skiabteilung von Blau-Gelb Marburg, die in den Weihnachts- und Osterferien inklusive Skifahrten für Sehende und Sehbehinderte anbietet. Oft herrscht dann eine große Ernüchterung, wenn unsere Schüler erfahren, was ein Skiurlaub tatsächlich kostet. 
Unser Wintersportprojekt ist nur dadurch möglich, dass die Blista die Möglichkeiten einer solchen Fahrt wertschätzt und in extrem großzügiger Weise unterstützt. Hinzu kommen besonders günstige Konditionen bei Intersport Begro in Marburg, was Skipflege und Neubeschaffungen betrifft und das Entgegenkommen der örtlichen Skibetreiber.

Schüler: Was machten die 
Schüler, wenn sie nicht auf 
der Piste waren?
Arnold: Die Schüler wählten sich in die Projektgruppen „Outdoor“, „Kunst“ und „Dokumentation“ ein, in denen intensiv gearbeitet wurde. Weitere Aktivitäten waren zum Beispiel zusätzlicher Sport in der Turnhalle, Gesellschaftsspiele, Vorlesen, Schlittenfahren, Besuch einer Glasbläserei, Fackelwanderung mit Lagerfeuer und vieles mehr.

von Soraya Schnabel, Jan Seikrit und Jalea Warnken, Klasse 9a, Carl-Strehl-Schule Marburg


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