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Alfred-Wegener-Schule Kirchhain

Konsum-Wahnsinn in der Modewelt

Hanna M. Kayar widmet sich in ihrem Artikel kritisch dem Konsum-Wahnsinn in der Mode. Sie geht dabei auf die viel zu schnell wechselnden Mode-Kollektionen, den oft unbewussten Konsum und die dadurch entstehenden Schäden für die Umwelt ein.
Einkaufstüten eines beliebten Modekaufhauses stehen zu Füßen einer Gruppe von Mädchen. Foto: Fritz Zühlke / pixelio.de

Einkaufstüten eines beliebten Modekaufhauses stehen zu Füßen einer Gruppe von Mädchen.

© Fritz Zühlke / pixelio.de

Kirchhain. Nennen wir sie Annabel. Annabel streift an den voll gehängten Kleiderständern einer angesagten Modekette entlang und hält Ausschau nach Kleidungsstücken, die sie diese Saison tragen könnte. Wie diesen rosaroten Mantel, den sie in der letzten Ausgabe ihrer renommiertem Modezeitschrift gesehen hat. Da ist er!

An der Kasse kommen ihr dann doch irgendwie Zweifel als ihr bewusst wird, dass sie einen ganz ähnlichen Mantel bereits im Schrank hängen hat. Aber dieser ist doch so frisch rosa, was zur Zeit so "in" ist. Annabel wägt ab, ob es sich lohnt, noch einen Mantel zu kaufen.

Viel kaufen für wenig Geld

„Ist doch eh reduziert! Diese Möglichkeit wird nie wieder kommen. Es kann ja nicht schaden!“, denkt sie und beschließt, den Mantel doch zu kaufen. Glücklich läuft sie an den ungesund riechenden Ständern vorbei nach draußen. Jedoch wird dieses kleine Glücksgefühl rasch zerstört, als eine modebewussten Frau an ihr vorbei schreitet, die genau ihren neu erstandenen Mantel trägt. Wie individuell bin ich denn noch, denkt sich Annabel.

Einigen modebewussten Frauen aber auch Männern geht es oft so wie Annabel. Sie kaufen, was ihnen gefällt, für möglichst wenig Geld, ohne sie jemals zu tragen. Dabei ist vielen nicht bewusst, wie sehr sie durch andere Geschmäcker und Werbung beeinflusst werden. Gedanken daran, was andere von einem denken, wenn sie dieses Teil kaufen oder nicht kaufen, ob "in" oder "out" oder der Gruppenzwang sind häufig beim Shopping präsent.

Modetrends ändern sich rasant

Stark beobachten ist dieses Phänomen bei jungen Leuten, die noch dabei sind, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Manche haben Angst, aufgrund fehlender Statussymbole wie dem teuren Markenshirt oder dem neustem Paar Sneakern nicht akzeptiert zu werden.

Viel zu schnell allerdings verändert sich die Modekollektion wieder und neue Trends entstehen. Die eben noch so wunderschöne Hose ist plötzlich nur noch so mittelmäßig, und wird in geraumer Zeit von anderen belächelt werden. Da ist es doch gut, wenn schon die nächste Hose im Schrank hängt. Das schnelle Wechseln der Modekollektionen und die verloren gehende Individualität im Kleiderschrank lösen diese teilweise unnötigen Käufe aus.

Gewinnmaximierung steht bei Kleidungsketten ganz oben, daher wechseln sie bald monatlich das Sortiment. Es wird auf Quantität statt Qualität gesetzt, da die Teile bald wieder nutzlos herumhängen. Doch wofür kleiden wir uns überhaupt? Und warum kleiden wir uns modisch?

Was Kleidung über jemanden aussagt

Während der Evolution bildete sich unsere Körperbehaarung, das schützende Fell, zurück. Die Ursache dafür ist nicht genau geklärt. Die Kleidung übernimmt die Aufgabe des Fells, die darin besteht, unseren Körper vor Kälte, Nässe, Schmutz, Verletzungen und beschämenden Blicken zu schützen. Mode entstand aus dem Drang heraus, sich aufzuwerten. So wurden Brüste betont, da sie Fruchtbarkeit versprechen. Im Mittelalter wurde der Genitalbereich besonders hervorgehoben, da das ebenfalls auf Potenz hinweist.

Mit unserer Kleidung senden wir also Signale an unsere Mitmenschen, um die Chancen auf Fortpflanzung zu vebessern. Wir weisen außerdem auf unseren Sozialstatus, Gruppenzugehörigkeit, Persönlichkeit oder Beruf hin - Kleider machen eben Leute.So können wir schon an der Kleidung viel über die Werte des Menschen erfahren.

Trägt er vorwiegend neue oder etwas abgetragenere Sachen? Kleidet er sich auffällig oder schlicht? Trägt er aufreizende Klamotten oder einen schlabberigen Pulli? Trägt er häufig Neues oder hält er sich beim Shopping zurück? Kleidet er sich hochwertig oder eher günstig? Welches Schuhwerk hat die Person an? All diese und mehr Fragen geben Ausschluss über die Ideale dieser Existenz, auch über die umgesetzte Moral der Persönlichkeit.

Ausmisten!

Es ist kein Geheimnis, dass bekannte Kleidungsmarken vor allem Frauen und Kinder außerhalb Europas ausbeuten und die Produktion nicht gerade umweltfreundlich von statten geht. Vergleichbar ist das in etwa mit der Viehzucht. Auch die Viehzucht ist oft leidvoll für die Tiere und die Aufbereitung von Fleisch und anderer tierischer Produkteist teilweise höchst umweltschädigend.

Gerne werden unbequeme Wahrheiten verdrängt. Aber es hängt der Lebensraum aller daran. Es ist falsch zu denken, dass sich doch "die anderen" in der Zukunft darum kümmern sollen, oder dass ein einiger Mensch nichts bewirken kann. Viele wollen aber auch ganz einfach auf nichts verzichten. Diese Sätze sind ignorant, unbedacht und uninformiert.

Macht man sich dies einmal bewusst, führt meist kein Schritt am Überdenken des eigenen Konsums vorbei. Es hilft, den Fokus auf sich selbst zu richten und nicht auf die Kleidung, und Qualität vor Quantität zu setzen.Das heißt: Kleiderschrank ausmisten, und nur noch Dinge tragen, die die eigene Persönlichkeit widerspiegelt.

Bewussten Konsum üben

Die Extremform: Minimalismus und die sogenannte „Capsule-Wardrobe“. Dies ist eine Garderobe, welche darauf beruht, wenige Teile im Schrank zu haben, wobei jedes fast mit jedem gut kombinierbar ist. Der Vorteil: keine unnötige Zeit bei der Outfitsuche, mehr Platz im Schrank, nur noch Lieblingsteile, und mehr Kreativität bei der Outfitzusammenstellung. Diesen Schritt gehen allerdings die wenigsten.

Es ist gut, sich dem Konsum bewusst zu werden und dann für sich selbst zu entscheiden, was gut für einen ist und wie man gut leben kann ohne ein schlechtes Gewissen. Was aber auch wichtig zu wissen ist, ist, dass es eigentlich keine eigene Entscheidung ist. Wir sind verantwortlich für die Folgen unseres Konsums. Der Konsument bestimmt die Nachfrage und somit das Angebot unserer Kleidung. Ob Kinderfreiheit, Umweltschutz und -erhalt oder die Ausrottung des letzten männlichen weißen Nashorns: Wir Menschen sind dafür verantwortlich.

von Hanna M. Kayar, Klasse G9b, Alfred-Wegener-Schule Kirchhain


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