Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

Elisabethschule

„Ich hatte Todesangst"

Lina Fattah und Dunja Al-Sarraj von der Elisabethschule sprachen auf arabisch mit einem Flüchtling in seiner eigenen Wohnung über seine Flucht von Syrien nach Deutschland. Der syrische Flüchtling O.A. ist 23 Jahre alt und lebt nun seit einem halben Jahr in Deutschland.
Das Foto zeigt syrische Flüchtlinge 2012, die ihr Gepäck an der Grenze zu Jordanien im Flüchtlingslager Zaatari tragen. (Foto: Jamal Nasrallah)

Das Foto zeigt syrische Flüchtlinge 2012, die ihr Gepäck an der Grenze zu Jordanien im Flüchtlingslager Zaatari tragen.

© Jamal Nasrallah

Marburg. Schüler: Warum sind Sie aus Syrien geflohen?
O.A.: Das fragen mich sehr viele. Mein Leben war toll mit einer Familie, einem großen Haus und Bildung. Es war alles perfekt - bis der Bürgerkrieg anfing. Es war am Anfang harmlos, doch es wurde nach ein paar Jahren schlimmer. Wir lebten unterdrückt in Syrien, hatten keine Meinungsfreiheit und lebten nicht in Demokratie. Das ist der Grund, warum viele syrischen Bürger beschlossen, sich zu beschweren und gegen Präsident Bashar Al-Assad zu rebellieren. Ich habe in Syrien Sport studiert und wollte meine letzte Prüfung absolvieren. Doch der syrische Staat zwang mich als Soldat im Krieg zu kämpfen. Ich wollte das nicht, denn für mich wäre es das Schlimmste, Kinder zu töten. Um in Syrien zu bleiben, hätte ich aber Soldat werden müssen und darum beschloss ich zu fliehen. Es war eine sehr schwere Entscheidung, da ich vieles riskieren und alles aufgeben musste. Mein Ziel war Deutschland, weil ich mir einen Zielort mit Freiheit und Frieden erhoffte.

Schüler: Wie war die Reise nach Deutschland?
O.A.: Es war eine sehr schlimme und unvergessliche Flucht, die ich in meinem ganzen Leben durchgemacht habe. Ich kam von Syrien in die Türkei mit der Hilfe von einem Schlepper. In der Türkei blieb ich für ein paar Monate und arbeitete bei verschiedenen Arbeitsstellen, weil ich Geld für die weiterführende Flucht brauche. Von der Türkei nach Griechenland fuhr ich in einem überfüllten Schlauchboot und wollte dann über die Balkanroute weiter in Richtung Slowenien. Das Schrecklichste war, dass manche Schlauchboote untergingen und Menschen dabei ertranken. Von Kroatien aus musste ich dann zu Fuß die weitere Strecke laufen. Das war sehr hart, denn ich musste durch Wälder und über gefährliche Wege wandern. Ich war sehr hungrig. Endlich kam ich nach Deutschland und fuhr mit Zügen nach Marburg, wo meine Schwester schon seit langem wohnt.

Schüler: Wie ging Ihr Leben in der Universitätsstadt Marburg weiter?
O.A.: Als ich dann in Marburg ankam, wurde ich im Erstaufnahme-Lager in Cappel untergebracht. Ich musste ein paar Monate dort bleiben, damit ich eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre erhielt. Ich suchte mir eine Wohnung. Als ich dann eine fand, begann mein Deutschkurs, damit ich mir meine Wohnung und mein Essen selbst verdienen kann. Heute wünsche ich mir nur, hier willkommen zu sein und mich hier wohlzufühlen.Dieses Interview fanden wir sehr spannend, da wir uns gut auf arabisch unterhalten konnten und uns in seine schlimmen Lage gut hinein versetzen konnten. Wir finden, dass Flüchtlinge sehr mutige und tolle Menschen sind, die man in Deutschland auch gerne unterstützen und helfen sollte. Wir hoffen auf ein gutes Zusammenleben mit den weiter amkommenden Flüchtlingen.

von Dunja Al-Sarraj und Lina Fattah, Klasse 8b, Elisabethschule Marburg


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Schüler-Artikel

Schüler lesen die OP 2016







  • Sie befinden sich hier: Elisabethschule – „Ich hatte Todesangst" – op-marburg.de