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Elisabethschule

„Heute ist es die freie Entscheidung, ob man in die Kirche geht“

Knapp eine halbe Millionen Menschen treten jährlich aus der Kirche aus. Sonntags bleiben die Kirchenbänke im Gottesdienst leer. Woran könnte das liegen? Unsere Schülerreporter haben mit der Pfarrerin Dorothee Urhahn-Diel geredet.
In Fronhausen sprachen unsere Schülerreporter mit der Pfarrerin Dorothee Urhahn-Diel über die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher. (Privatfoto)

In Fronhausen sprachen unsere Schülerreporter mit der Pfarrerin Dorothee Urhahn-Diel über die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher.

© Privatfoto

Fronhausen. Sonntags bietet sich jede Woche aufs Neue das gleiche Bild. Die Bänke sind überwiegend leer, hier und da sitzen ein paar ältere Menschen und in den ersten Reihen natürlich die Konfirmanden. Die mittlere Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist kaum vertreten. "Viele Menschen haben sonntags anderes zu tun, als den Gottesdienst zu besuchen", so Dorothee Urhahn-Diel, Pfarrerin in Fronhausen.

Gerade in der heutigen Zeit hat der Gottesdienst große Konkurrenz bekommen. Viele Menschen zieht es am Wochenende eher ins Kino oder mit Freunden in die Natur. Diese Entwicklung fällt ihr sehr stark als Pfarrerin auf. „Mir geht es sehr nah, wenn ich so wenige Menschen im Gottesdienst sehe“, bedauert sie.

"Während des Gottesdienstes bietet sich allen Menschen die Möglichkeit, sich Gott zu nähern", meint Dorothee Urhahn-Diel. Leider wird dieses Angebot nur noch überwiegend von der älteren Generation genutzt. "Natürlich war es früher auch eine Art 'gesellschaftlicher Zwang', in die Kirche zu gehen, und damit auch irgendwie selbstverständlich, heute ist es die freie Entscheidung, ob man in die Kirche", fügt sie noch hinzu.

Früher war der Kirchenbesuch selbstverständlich

Dieser "gesellschaftliche Zwang" bestand früher, da der christliche Glaube viel populärer war und einen viel höheren Stellenwert hatte. Es war selbstverständlich, die Kirche zu besuchen und ohne Hinterfragungen die Normen und Werte den christlichen Glauben einzuhalten. Heute scheint der Glaube gerade in der jungen Generation eher Nebensache geworden zu sein, das könnte vor allem am Elternhaus liegen, weil dort religiöse Überzeugungen nicht mehr so vermittelt werden wie früher.

"Deswegen können Jugendliche gerade im Konfirmandenunterricht mit dem christlichen Glauben in Berührung kommen und vielleicht für sich etwas mitnehmen", so Dorothee Urhahn-Diel zu diesem Thema. Besonders nach der Konfirmandenzeit berichten viele Jugendliche, dass sie durch diesen Unterricht zu Gott gefunden haben. Dies scheint allerdings nicht die Mehrheit zu sein.

Noch sind 56 Prozent der Deutschen Mitglied in einer der beiden christlichen Kirchen, in Hessen sogar 60 Prozent. Aber es sind Jahr für Jahr weniger. Mit 488 000 Kirchenaustritten wurde 2014 ein Rekord erreicht. Dass die Zahl der kirchlichen Trauungen auf 44 000 leicht gestiegen ist, mag kaum ausreichen, den Trend umzukehren. "Viele treten vor allem wegen der Kirchensteuer aus, und zudem ist vielen die Kirche zu unpolitisch", meint die Pfarrerin.

Pfarrerin fordert kritische Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben

Auch die Missbrauchsfälle, die immer wieder in kirchlichen Institutionen aufgedeckt werden, spielen dabei eine Rolle, wie die erst neulich bekanntgegebenen Missbrauchsfälle bei den "Domspatzen". Solche Vorfälle rücken die Kirche in ein ungünstiges Licht und sind für knapp eine viertel Million katholische Christen ein Grund, die Kirche zu verlassen.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben und die Unzufriedenheit mit dem christlichen Glauben seien eher selten Gründe, wieso Menschen aus der Kirche austreten. "In 30 Jahren sind wir wahrscheinlich noch einmal deutlich weniger Christen geworden, aber wir haben weiterhin den Auftrag vom christlichen Glauben zu erzählen", so Dorothee Urhahn-Diel.

von Valentin Huppert, Fiona Klein, Colin Schöne, Klasse 8f, Elisabethschule Marburg


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