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Stadtwerke Marburg

Abwasserwirtschaft will gelernt sein

Die Dusche läuft, aus dem Hahn sprudelt das Trinkwasser und die Klospülung transportiert fort, was keiner mehr haben mag. Aber wo landet das Abwasser und wer ist dafür zuständig, dass alles dorthin fließt, wo es hin soll?
Monika Kötter (links) und Heidi Werner-Hain arbeiten als Bauingenieurinnen für Siedlungs- und Wasserbau bei den Stadtwerken Marburg. Foto: Klein

Monika Kötter (links) und Heidi Werner-Hain arbeiten als Bauingenieurinnen für Siedlungs- und Wasserbau bei den Stadtwerken Marburg.

© Lisa-Martina Klein

Marburg. Eines vorweg: für ihren Beruf müssen Monika Kötter und Heidi Werner-Hain nicht selbst in die Abwasserkanalisation hinunter steigen - das erledigen ferngesteuerte Roboter, ausgestattet mit Kameras und Werkzeug für sie.

Bauingenieure der Siedlungswasserwirtschaft kümmern sich dafür um alles andere, was mit Trinkwassergewinnung und Abwasserbeseitigung zu tun hat. Kötter und Werner-Hain sind bei den Stadtwerken Marburg für letzteres zuständig. „Wir kontrollieren die Wartung und Instandhaltung, aber auch die Erneuerung des Abwassernetzes“, fasst Werner-Hain ihre Tätigkeit zusammen. So gehört es zu den Aufgaben der beiden, die Filmaufnahmen der Roboter zu beurteilen.

Haben sich in dem teilweise über 100 Jahre alten Abwassernetz Risse in den Wänden gebildet? Liegen dort Gegenstände, die da nicht hingehören? Reicht die Größe der Rohrleitungen aus, um das Wasser auch bei stärkerem Regenfall abzutransportieren?

Bauprojekte erfordert hervorragende Kommunikation mit allen Beteiligten

Wenn Bauprojekte in der Stadt anstehen, sind Kötter und Werner-Hain in der Planungs- und Umsetzungsphase eng eingebunden. „Damit die Straßen möglichst nicht mehrfach aufgerissen werden müssen, werden Rohrarbeiten dann erledigt, wenn sowieso an dieser Stelle gebaut wird. Das erfordert eine hervorragende Kommunikation und Zeitplanung mit allen Beteiligten“, sagt Kötter.

Ein aktuelles Beispiel ist die anstehende Sanierung und Umgestaltung der Marburger Straße in Cappel. „Dort gab es Beschwerden, dass bei starkem Regenfall das Wasser nicht schnell genug abfließt.

Im Zuge der Bauarbeiten dort werden wir also auch die Kanäle erneuern“, so Werner-Hain. Eine solche Baumaßnahme muss gut vermessen werden; das Zusammentragen der benötigten Daten kann Monate dauern. „Besonders spannend finde ich die Berechnung der Hydraulik.

Computer simuliert Regen

Berechnet werden muss, wie stark das Gefälle der Leitungen sein muss und wie tief die Leitungen verlegt werden, um auf Pumpen verzichten zu können, damit das Wasser bei der Kläranlage in Cappel ankommt. Oder welchen Durchmesser die Rohre unterirdisch haben müssen, damit genügend Wasser abtransportiert werden kann“, erzählt Werner-Hain.

Diese Berechnungen führt sie am Computer durch, und simuliert dort auch den Regenfall um zu prüfen, ob die errechnete Größe der Leitungen die Kapazität aufnehmen, die sie sollen. Aber auch rechtliche Bestimmungen müssen erfüllt werden.

„Jedes Haus muss nach der Abwassersatzung an die Kanalisation angeschlossen sein und dafür müssen Gebühren gezahlt werden. Auch das überprüfen wir“, erklärt Kötter. „Und natürlich müssen wir für alle Baumaßnahmen die Kosten im Blick behalten“, fügt Kötter hinzu. Ein abwechslungsreiches Berufsbild also, das ein langjähriges Studium voraussetzt.

Kötter und Werner-Hain hatten so ihre ganz eigenen Gründe, warum sie diesen Weg einschlugen und heute in der Abteilung Siedlungswasserwirtschaft arbeiten. „Ich hatte immer schon eine Affinität zur Architektur. Ursprünglich wollte ich Brücken bauen.

Studium ermöglicht Arbeit in Entwicklungsländern

Doch dann interessierte mich der Schwerpunkt Wasserwirtschaft immer mehr, auch weil er so einen großen Umwelt- und Naturschutzaspekt beinhaltet. Außerdem hat man am Ende des Tages sichtbare Ergebnisse, das macht für mich den Reiz aus“, erzählt Kötter.

Werner-Hain wurde praktisch auf dem Wasser groß - ihr Vater war Binnenschiffer, transportierte per Frachtschiff Kohle vom Hamburger Hafen nach Berlin. Es folgte ein Studium der Wasserwirtschaft und Kulturtechnik und das Diplom in Siedlungswasserbau.

„Viele Studenten reizt es auch, in Entwicklungsländern an einer funktionierenden Wasserver- und entsorgung zu arbeiten. Es gibt außerdem viele Berührungspunkte zu den Naturwissenschaften“, sagt sie. Beide arbeiten seit gut neun Jahren in Teilzeit bei den Stadtwerken im öffentlichen Dienst. Kötter hat zwei Kinder, Werner-Hain drei. „Unser Beruf lässt sich so wunderbar mit der Familie vereinbaren“, sind sich beide einig.

von Lisa-Martina Klein


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