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Elisabethschule

Zwischen Einbrüchen und Todesfällen

Milia, Yannick und Emilia befragen Kriminalhauptkommissar Manfred Scholz von der Marburger Polizeidirektion über seine Arbeit als Polizist.

Links der Schlagstock, rechts die Waffe: Ein Polizist muss bei einem Einsatz auf alles vorbereitet sein. Auch darauf, die Nachricht vom Tod eines Angehörigen zu überbringen.

© Foto: Meister / Pixelio.de

Marburg. Für das Zeitungsprojekt „Schüler lesen die OP“ haben Milia, Yannick und Emilia sich das Thema Polizei ausgesucht.

Schüler: Was ist Ihre Haupttätigkeit?

Manfred Scholz: Ich bin bei der Kriminalpolizei Marburg beim Kommissariat 21. Wir beschäftigen uns dort mit Eigentumsdelikten, genauer gesagt mit Einbrüchen. Einbrüche sind momentan ein großes Thema bei der Polizei, da die Bevölkerung erheblich verunsichert ist, weil die Anzahl der Einbrüche in den letzten Jahren, insbesondere nach der Erweiterung der Europäischen Union, dramatisch zugenommen hat.

Schüler: Gibt es bestimmte Zeiten, in denen bevorzugt eingebrochen wird?

Scholz: Das kann man so generell nicht mehr sagen. Früher sind Einbrecher eher in der Nacht eingebrochen. Heute ist es so, dass auch tagsüber eingebrochen wird, oftmals wird von Einbrecherbanden regelrecht aufgeklärt, wann jemand im Haus ist und wann nicht.

Die Zeiten, in denen die Bewohner an den Arbeitsplätzen oder in der Schule sind, werden dann für Einbrüche genutzt. Es ist inzwischen verbreitet, dass Einbrecher darauf keine Rücksicht mehr nehmen und auch nachts in Häuser einsteigen, obwohl die Bewohner zuhause sind.

Schüler: Gibt es zurzeit bestimmte „Einbruchsstrategien“?

Scholz: Nach wie vor werden Terrassentüren oder auch Fenster oftmals aufgehebelt, dabei wird grobe Gewalt angewendet. Wenn das keinen Erfolg verspricht, werden auch Scheiben eingeworfen. Der Klassiker ist allerdings nach wie vor das Öffnen der Haustür mit einem dünnen Plastikstreifen. Dabei geht die Tür problemlos auf, wenn sie nicht extra abgeschlossen wurde.

Verbreitet ist auch das komplette Abziehen des Schließzylinders. Dabei wird ein Loch in den Schließmechanismus gebohrt und mit einem speziellen Werkzeug der ganze Zylinder herausgezogen.

Schüler: Haben Sie auch andere Tätigkeitsfelder außer dem Einbruch?

Scholz: Bei größeren Kapitaldelikten, wie Straftaten gegen das Leben, muss natürlich die ganze Kripo zusammenarbeiten. Es gibt auch Straftaten, bei denen Arbeitsgruppen gebildet werden, also kann es sein, dass man ein Kriminalitätsfeld bearbeitet, für das man eigentlich nicht zuständig ist. Es wird eine gewisse Flexibilität von einem erwartet.

Außerdem muss jeder Beamte bei der Kriminalpolizei seine Arbeit beim Kriminaldauerdienst verrichten. Dies ist die Abteilung der Kripo, die rund um die Uhr für die Bevölkerung da ist. Dort wird jede Straftat, die von der Kriminalpolizei bearbeitet wird, aufgenommen. Das ist zum Beispiel der Fall bei ungeklärten Todesursachen, Selbstmord, Tötungsdelikten, aber eben auch dort wieder eine große Anzahl an Einbrüchen.

Scholz: „Mittrauern bringt niemandem etwas“

Schüler: Manchmal muss man Menschen über den Tod eines Angehörigen informieren. Wie ist es, jemandem eine so schlimme Nachricht zu überbringen?

Scholz: Es kommt auf die Umstände des Todes an. Es fällt natürlich leichter, wenn ein älterer Mensch gestorben ist und der Notarzt auf dem Leichenschauschein Todesursache ungeklärt angekreuzt hat (das ist dann der Grund, warum die Kripo ins Spiel kommt), aber es trotzdem offensichtlich ist, dass für den Verstorbenen seine Zeit gekommen ist oder der Tod gar eine Erlösung war.

Dies ist einfacher, als wenn der Tote plötzlich aus dem Leben gerissen wurde zum Beispiel durch einen Selbstmord, einen Unglücksfall oder gar bei einem Tötungsdelikt. Am schwierigsten ist die Überbringung einer Todesnachricht, wenn ein Kind betroffen ist. Dies machen wir aber auch nicht alleine, dabei werden wir von einem psychologisch besonders geschulten Team unterstützt.

Nachdem unsere Arbeit am Tatort wie die Spurensicherung abgeschlossen ist, verlassen wir den Tatort wieder. Es ist besser, wenn noch jemand bei den Angehörigen verbleibt und ihnen die Situation noch erklärt und Trost spendet.

Dies fällt nicht in den Aufgabenbereich der Polizei und das wird auch nicht von uns erwartet. Nach der Aufnahme eines Todesfalls endet ja nicht unser Arbeitstag, sondern geht weiter.

Schüler: Ist es schwierig, mit den Gedanken nicht beim letzten Fall zu hängen, sondern seinen Alltag ganz normal weiter zu leben?

Scholz: Es ist einfach so, dass man mit seiner Arbeit in einem solchen Maße beschäftigt ist, dass die Trauer der Angehörigen für uns keine große Rolle spielen darf, denn es ist sicherlich professioneller, die eigenen Emotionen nicht ins Spiel zu bringen. Das erwartet der Bürger auch nicht von uns, sondern vielmehr müssen wir die Arbeit aus kriminalpolizeilicher Sicht erledigen. Wenn wir „mittrauern“, ist damit auch keinem geholfen. Die Wahrheit ist auch: Je öfter man mit so etwas zu tun hat, desto weniger nimmt einen so etwas mit.

Schüler: Wenn man in einer kleinen Stadt wie Marburg lebt und arbeitet, trifft man unweigerlich auf Personen, die man dienstlich kennt. Beeinflusst das Ihr Privatleben?

Scholz: Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn ich mit meiner Tochter in der Stadt bin und uns läuft jemand über den Weg, der von mir praktisch schon ins „Gefängnis gebracht“ wurde. Marburg ist auch nicht sonderlich groß, dass so ein Aufeinandertreffen unvermeidlich ist. Doch bis jetzt war es noch kein großes Problem.

Schüler: Würden Sie Ihren Beruf nochmal wählen?

Scholz: Da bin ich mir ganz sicher, ich wollte nie etwas anderes tun. Ich habe zwar vor meinem Beruf als Polizist eine handwerkliche Ausbildung gemacht, doch mir war schon immer klar, dass mein Berufsziel auf jeden Fall die Polizei ist.

von Milia Schmidt, Yannick Espinosa und Emilia Scholz, Klasse 8a, Elisabethschule


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