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Freie Waldorfschule

Von der Kutsche bis zur Straßenbahn

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Universitätsstadt. Doch seit wann gibt es sie?

Das Archivbild zeigt eine alte Pferdebahn auf dem Weg vom Hauptbahnhof Richtung Wilhelmsplatz.

© Archivfoto

Marburg. Die Kutschen sind es, welche 1850 die erste rollende Verbindung zwischen dem Bahnhof und der Altstadt Marburgs herstellen. Wohlhabende Geschäftsmänner leisten sich diesen Luxus, mit einem Zweigespann den Stadtkern zu erreichen. Es ist ein privates Taxiunternehmen des Unternehmers „Schaaf“.

Nach etlichen Jahren löst die neue Technik des Pferdeomnibusses die Kutschen-Wirtschaft ab. Sie hat den Vorteil, dass sie nach einem Plan fährt - zehn Mal am Tag. Dieses Geschäft funktioniert sehr gut. Doch die Stadt schmiedet schon Pläne, jetzt, wo die Pferdestraßenbahn technisch ausgereifter ist, eine solche in Marburg anzulegen.

Pferdebahn kann 22 Leute mitnehmen

Die vorerst private Inbetriebnahme der Pferdebahn ist eine geschätzte Errungenschaft. Geleitet wird sie vom Fuhrunternehmen „Heppe“.

Es sind stets vier Pferdewagen im Gebrauch, welche ohne Zuladung 2040 Kilogramm wiegen. Mit der Pferdebahn können 22 Personen fahren. Die Strecke beginnt am Hauptbahnhof und zieht sich an der Elisabethkirche und am Rudolphsplatz vorbei bis zum Wilhelmsplatz. Später führt eine Stichstrecke bis zum Heumarkt.

Original-Gleise sind vereinzelt noch erhalten

Die ganze Strecke beträgt fast zweieinhalb Kilometer. Außerdem gibt es regelmäßige Ausweichgleise sowie zwei „Einbahnstraßen“. Die eine führt zur Werkstatt, die andere zum Depot. Heute ist die Strecke der einstigen Pferdebahn weitestgehend abgebaut. Nur bei einer Hofeinfahrt am Wilhelmsplatz sind noch wenige Meter der originalen Pferdebahn-Gleise zu sehen.

Es sind die Gleise, die einst zu einer Remise - einem einseitig offenen Kutschen-Schuppen - führen. 1911 wird die Pferdebahn eingestellt. Die elektrische Straßenbahn hält Einzug. Nach einigen Ausbesserungen der Gleise feiert man am 23. November 1911 die Eröffnung der Straßenbahn. Es gibt fünf mit Gleichstrom betriebene Bahnen. Zwei Jahre nach der Eröffnung der regulären Strecke, wird auch die Stichstrecke in Betrieb genommen. Da sie sich aber nicht rentiert, wird sie schon nach einem Jahr stillgelegt.

Seit 1940 keine Straßenbahnen mehr

Aufgrund der Verlängerung bis in die Gisselberger Straße, werden fünf weitere Passagierwagen, die umgebauten Pferdewagen und ein Güterwagen in das System aufgenommen. Der Betrieb der elektrischen Straßenbahn wird von der Stadt geleitet. Um den lückenlosen Transport zu verbessern, wird am Hauptbahnhof eine Verlängerung der Strecke bis zum Güterbahnhof veranlasst.

1926 werden die stark heruntergekommenen Gleise aufgearbeitet. Schon 1940 beschließt die Stadt den Straßenbahnbetrieb einzustellen und an ihrer Stelle Oberleitungsbusse einzusetzen. Doch erst 1951 kann dieses Vorhaben umgesetzt werden. Zwei Tage nach der Stilllegung der Straßenbahn steht das Oberleitungsstromnetz für die neuen Oberleitungsbusse.

Neue Straßenbahn kommt wohl nicht in naher Zukunft

Nach siebzehn Jahren, in denen die Oberleitungsbusse zum Einsatz kamen, werden die immer noch verkehrenden Dieselbusse angeschafft.

Obwohl es seit den 90er Jahren einige Anträge gab, eine neue Straßenbahn zu bauen, scheint es nicht so, als nähme man dies in naher Zukunft in Angriff. Auch wenn dadurch ein kleines Stückchen Vergangenheit zurückkäme. Wer weiß, wie lange sie fahren würde?

von David Volkmar, 9. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg


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