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Elisabethschule Marburg

Pro und Kontra zur Windenergie

Zwei große Windkraftanlagen sollen auf dem Lichten Küppel zwischen Marburg und Moischt gebaut werden. Dieses Vorhaben sorgt seit Bekanntwerden der Pläne für große Aufregung und viele Diskussionen in der Stadt.
Um Windräder gibt es vielerorts Diskussionen. Auch in Marburg wird wegen der möglichen Errichtung zweier Anlagen am Lichten Küppel hitzig diskutiert.Jan Woitas

Um Windräder gibt es vielerorts Diskussionen. Auch in Marburg wird wegen der möglichen Errichtung zweier Anlagen am Lichten Küppel hitzig diskutiert.Jan Woitas

© Jan Woitas

Marburg. Was spricht eigentlich für Windkraft? Und was dagegen? Für eine ausgewogene Einschätzung haben wir zwei mit dieser Thematik vertraute Fachleute befragt. Dr. Franz Kahle (Grüne), Bürgermeister der Stadt Marburg, ist Befürworter der Windkraft und erklärt deren Vorteile.

Dr. Kahle sieht den Ausbau der Stromgewinnung aus regenerativen Energien, also aus Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse als notwendig an, da die konventionelle Stromerzeugung die Umwelt zu sehr belaste. In Atomkraftwerken fielen hochgiftige Abfälle an, für die es noch kein Endlager gebe. Gas- und besonders Kohlekraftwerke emittieren große Mengen an Kohlendioxid (CO2) und trügen so zur Klimaerwärmung bei.

Innerhalb der regenerativen Energien erscheint ihm besonders der Ausbau der Windkraft als sinnvoll, da im Vergleich mit Photovoltaikanlagen, Biomasse- oder Wasserkraftwerken bei geringerem Platzverbrauch pro Anlage mehr Strom erzeugt werden könne. Besonders an der Küste und auf dem Meer funktioniere das sehr effektiv, da dort sehr viel Wind weht. Aber auch im Binnenland mache Windkraft Sinn. Genügend Wind wehe insbesondere auf hohen Lagen. Moderne große Windräder produzieren auch hier genügend Strom.

Dem gegenüber vertritt Claus-Dieter Schad, Sprecher einer Bürgerinitiative gegen Windkraft, aus Eichenzell im Landkreis Fulda, eine grundsätzlich andere Meinung. Er führt aus, dass eine immer ausreichende Netzspannung in einem Land wie dem unseren notwendig sei. Schließlich sollten nicht plötzlich Computer abstürzen oder in einem Krankenhaus während einer Operation die Lichter ausgehen. Da der Wind aber nicht immer zuverlässig wehe, eigne sich die Windkraft auch nicht als hauptsächliche Stromquelle.

Kritik wegen Windpausen und Vogelschutz

Also müssten genügend Kohle- und Gaskraftwerke nebenherlaufen, um bei Bedarf jederzeit zugeschaltet werden zu können. Denn die Windkraft allein bietet keinen zuverlässigen Strom. Deshalb könne auch nicht von einer nennenswerten Reduzierung von CO2-Emissionen durch Windkraft geredet werden. Die Abgase fielen bei einem laufenden Kohle- und Gaskraftwerk nun einmal unabhängig von der Frage an, ob der dort produzierte Strom gerade ins Netz gespeist werde oder nicht.

Außerdem erläutert Claus-Dieter Schad, dass Windenergie nicht entscheidend beim Atomausstieg helfe, weil Wind an Land nur rund 2000 Stunden im Jahr blase, während das Jahr 8760 Stunden habe. Strom wird aber das ganze Jahr über benötigt, weshalb man noch andere Kraftwerke braucht, die das Defizit an Strom ausgleichen können. Hinzu komme, dass man die durch Windräder gewonnene Energie nicht komplett speichern kann. Anders als bei Kohle- oder Gaskraftwerken, deren Energie man gut speichern kann, lässt sich die durch Windkraft gewonnene Energie nur in geringem Maße in Pumpspeicherkraftwerken aufheben.

Vogelschutz weiteres Problem

Auch der Vogelschutz ist aus Sicht der Windkraftgegner ein erhebliches Problem. Gerade Großvögel wie Kraniche oder der besonders geschützte Rotmilan seien in besonderer Gefahr, von den schnell drehenden Rotoren in der Luft erschlagen zu werden.

Nach Ansicht von Dr. Kahle sollte diese Problematik nicht überbewertet werden. Allein durch Raubtiere wie Hauskatzen, dem öffentlichen Straßen- und Bahnverkehr, durch Hochspannungsleitungen sowie durch andere Ursachen kämen jedes Jahr in Deutschland schätzungsweise mehrere Millionen Vögel ums Leben. Durch Windkraftanlagen seien jedoch nur circa 50000 tote Vögel im Jahr zu beklagen.

Kahle: „Sehe lieber Wind- als Kohlekraftwerk“

Auch bei den Themen Verschandelung der Landschaft und Beeinträchtigung für Menschen sind die Positionen gegensätzlich. Dr. Kahle sieht gerade in dem ersten Punkt kein Problem. Er schaue sich lieber eine Windkraftanlage als ein Kohlekraftwerk an. Außerdem wies er auf den einzuhaltenden Abstand von einem Kilometer zwischen einer Windkraftanlage und Wohngebieten hin. Aufgrund dieser Distanz seien Beeinträchtigungen von Menschen durch Geräusche oder Schattenschlag nicht nennenswert.

Hier widerspricht Claus-Dieter Schad entschieden. Er erklärt, dass Windräder nicht nur Lärm, sondern auch unhörbaren Infraschall produzieren, der sich möglicherweise gesundheitsschädlich auf Menschen im Umfeld der Windräder auswirkt. Viele Menschen, die in der Nähe von Windrädern oder Windparks lebten, litten immer wieder unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgrund von Schattenschlag oder Schalleinwirkung.

Experte fordert Mindestabstand

Er fordert deshalb wie in Bayern einen Mindestabstand von zwei Kilometern zwischen Wohngebieten und Windkraftanlagen. Windräder würden zudem in exponierten Lagen gebaut. Moderne Anlagen mit einer Nabenhöhe von über 200 Metern ragten weit aus bewaldeten Berglagen heraus und verwandelten naturnahe Landschaften auch optisch in Industrieparks.

Außerdem müsse zum Bau vieler Windräder viel Wald gefällt werden, der wiederum als Lebensraum für schützenswerte Tiere und Pflanzen verloren gehe. „Wer die Umwelt schützen will, darf sie nicht zerstören“, argumentiert Claus-Dieter Schad.

Von vielen Bürgern werde es auch als unerträglich empfunden, dass die Politik der Windkraftindustrie bisher geschützte Naturlandschaften opfere, ohne betroffenen Bürgern und Kommunen echte Mitwirkungsmöglichkeiten zuzugestehen.

von Helena Murk und Antonia Noll, Klasse 8e, Elisabethschule Marburg

[Peter Gassner]

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