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Elisabethschule

„Nur die Matheaufgaben sind anders“

Die Blista interessierte viele unserer Schülerreporter. Hannah Klein und Lilli Gräser von der Elisabethschule trafen sich mit Thorsten Büchner. Er ist blind und hat an der Blista sein Abitur gemacht. Heute kümmert er sich dort um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.Nele Zettner und Johanna Köhler der Gesamtschule Ebsdorfergrund haben Fakten zu der Blista zusammengetragen (siehe Hintergrundkasten).

Die Blista in Marburg.

© Tobias Hirsch

Marburg. Hannah Klein und Lilli Gräser stellen Thorsten Büchner ihre Fragen zum Blindsein, zur Schule und zum Wohnen.

Schüler: Wieso tragen Sie eine Brille?

Thorsten Büchner: Die Brille hat bei mir sofern keinen Sinn, da sie nicht hilft. Ich konnte schon immer ganz schlecht sehen. Während meiner Schulzeit ist es dann so schlecht geworden, dass ich fast gar nichts mehr gesehen habe. Ich erkenne noch ein bisschen hell und dunkel. Die Brille ist eher ein Schutz.

Thorsten Büchner an seinem Schreibtisch bei der Blista. Er ist dort für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. (Privatfoto)

Schüler: Wer bezahlt den Schulbesuch?

Büchner: Die Blista ist eine staatlich anerkannte Schule in freier Trägerschaft. Je nachdem wo man wohnt, bezahlen in Hessen der Landeswohlfahrtsverband oder das Sozialamt die Unterbringungen. Die Eltern müssen den Schulbesuch nicht bezahlen.

Schüler: Wie ist der Unterricht aufgebaut?

Büchner: Wir haben die gleichen Schulfächer wie in anderen Schulen auch. Wir schreiben auch das Zentralabitur, also es werden dieselben Aufgaben gestellt wie an anderen Schule bis auf in Mathematik, da man dort oft millimetergenau zeichnen muss. In der neunten Klasse machen die Schüler auch ein Praktikum bei „Radio Unerhört“ oder beim Theater.

Schüler: Wie kommt man denn darauf so eine Schule zu gründen?

Büchner: Die Blista wurde 1916 im ersten Weltkrieg gegründet. Viele Soldaten mit einer guten Ausbildung sind im Krieg durch Munition oder durch Giftgas erblindet. Der Direktor der Augenklinik in Marburg, Alfred Bielschowsky, hatte die Idee, Kurse anzubieten, durch die sie die Blindenschrift und einen neuen Beruf erlernen konnten. Später entstand der Gedanke, dies für alle Blinden und Sehbehinderten einzurichten. Das Gymnasium selbst ist Anfang der 20er Jahre entstanden. Es war das erste Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte der Welt. 

Schüler: Gibt es noch ähnliche Konzepte in Deutschland?

Büchner: Es gibt in jedem Bundesland Blinden- und Sehbehindertenschulen. Dies sind dann Grundschulen und andere weiterfürende Schulen. In Hessen gibt es welche in Friedberg, Frankfurt und in Kassel.

Schüler: Muss man die Blindenschrift können, wenn man auf die Carl-Strehl-Schule kommt?

Büchner: Nein, Sehbehinderte müssen die Blindenschrift erst erlernen, wenn sie mit der normalen Schrift nichts mehr anfangen können. Die Lehrer, die hier arbeiten, können meistens die Blindenschrift.

Schüler: Wie wohnen die Blista-Schüler?

Büchner: Seit Ende der 70er Jahre ist das Internat über die ganze Stadt verteilt. Die Wohngruppen bestehen aus bis zu zehn Jugendlichen. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Bei den jüngeren Schülern leben die Betreuer mit in den Wohngruppen.

Schüler: Welche Sportangebote haben Sie hier an der Blista?

Büchner: Wir haben viele Sportangebote wie Klettern, Inlinerfahren, Reiten, Rudern, Skifahren und Fußball.

von Hannah Klein und Lilli Gräser, Klasse 8d, Elisabethschule Marburg

 
Hintergrund - Blista Marburg

Rund 280 Schüler aus ganz Deutschland besuchen die Carl-Strehl-Schule, ein Gymnasium für blinde und sehbehinderte Schüler. Die Blindenstudienanstalt (Blista) geht von der 5. bis zur 13. Klasse. In eine Klasse gehen acht bis zehn Schüler. Die Schüler lernen sehr viel über das Ertasten. Als Erstes lernen sie die Brailleschrift, die aus einem Sechs-Punkte-System besteht.

Um sich außerhalb der Schule zurechtzufinden, bekommen die Schüler zusätzlich Orientierungsunterricht. Für Blinde und Sehbehinderte gibt es viele Hilfsmittel wie Blindenstöcke, sprechende Uhren, Uhren mit Blindenschrift und Stadtkarten auf denen man Treppen, Wiesen, Flüsse, Zebrastreifen und Gassen ertasten kann.

Die Lehrer der Schule unterstützen auch sehbehinderte und blinde Schüler an anderen Schulen. Auch alltägliche Dinge wie Kochen, Schminken und Ähnliches wird den Schülern beigebracht. Die Fremdsprachenauswahl ist wie in den meisten Schulen Englisch, Latein und Französisch. Wie bei anderen Schulen gibt es auch Schüleraustausche. Die Schule hat Partnerschulen in Polen, England und Russland.

von Nele Zettner und Johanna Köhler, Klasse 8G2, Gesamtschule Ebsdorfergrund


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