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Freie Waldorfschule

Leben in der Jugendvollzugsanstalt

Die Zahl der in Hessen verübten Verbrechen von Jugendlichen ist seit dem Jahr 2005 um 13 Prozent zurückgegangen. Das ist eine deutliche Verbesserung im Gegensatz zu früheren Jahren.

Vor allem für jugendliche Straftäter ist ein Leben hinter Gitter schwer.

© Dieter Schütz / pixelio.de

Marburg. Der überwiegende Teil der Verurteilten verrichtet - auf richterliche Anweisung hin - Sozialstunden. Ein kleiner Teil muss eine Haftzeit im Jugendgefängnis absitzen, die vom Richter erteilt worden ist. Ziel des Jugendgefängnis ist es, junge Menschen von ihrer kriminellen Laufbahn abzubringen. Ebenfalls versucht man, den Jugendlichen eine Persönlichkeit zu geben, damit sie künftig ein Leben ohne Straftaten führen können.

Bei jungen Gefangenen können die Mitarbeiter und das Umfeld noch positiv auf die Persönlichkeit des Jugendlichen einwirken und sie so frühzeitig von ihrer kriminellen „Karriere“ abzubringen. Um auch dem Erziehungsziel gerecht zu werden, orientiert sich der Jugendstrafvollzug am Grundsatz des „Forderns und Förderns“.

Dieser Grundsatz beinhaltet, dass der Gefangene dazu verpflichtet ist, sich bei dem Prozess zu beteiligen. Dafür wird vom Gesetz vorgesehen, den Gefangenen zu unterstützen und seine Fähigkeiten zu stärken oder neue zu entwickeln. Auf Pflichtverstöße wird umgehend reagiert, wofür ein abgestuftes Reaktions- und Sanktionierungssystem vorgesehen ist.

Bildung steht an vorderster Stelle

Durch das „Einheitliche Jugendstrafvollzugskonzept“ hat Hessen bereits eine moderne Jugendstrafvollzugsanstalt geschaffen. Der Wohngruppenvollzug gilt als Regelunterbringung. Es soll ein sozialverträgliches Zusammenleben ermöglichen, eine gewaltfreie Konfliktlösung fördern und eine gegenseitige Toleranz schaffen, sowie die Verantwortung für den eigenen Lebensraum nahebringen. Vom Gesetz ist eine Sollstärke von acht Gefangenen vorgesehen. Nur während der Ruhezeit ist eine Einzelunterbringung der Gefangenen vorgesehen.

Viele Gefangene verfügen nur über eine nicht abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung. Ebenfalls sind die meisten es nicht gewohnt, täglich zu arbeiten und einen geregelten Tagesablauf zu haben. Der JVA-Aufenthalt soll diese Defizite beseitigen und den Gefangenen einen Abschluss oder eine Qualifikation ermöglichen. Um aber das Erziehungsziel aufrecht zu erhalten, hat die Ausbildung Vorrang vor Beschäftigung.

Eine besondere Bedeutung hat die Freizeitbeschäftigung, insbesondere der Sport. Auch dieser gehört zu einem geregelten Tagesablauf. Auf Sport kommt ein ganz besonderer Stellenwert zu, da er jungen Gefangenen das Bewegungsbedürfnis abnimmt und ihnen hilft, soziale Verhaltensweisen zu erlernen.

Soziale Kontakte mit Familie und Freunden sind sehr wichtig

Die Gefangenen dürfen aber auch eigene Hörfunkgeräte, sowie einen angemessenen Umfang an Büchern und andere Gegenstände zur Weiterbildung besitzen. Fernsehgeräte können, nach der Vermittlung der Anstalt, zugelassen werden. Jegliche andere elektronische Medien dürfen nur für ein Erziehungsziel zugelassen werden.

Soziale Kontakte der Gefangenen mit der Außenwelt besonders auch mit den Familien werden gefördert. Besonders für junge Gefangene ist dies von besonderer Wichtigkeit. Die Entlassung aus der Strafhaft muss besonders früh vorbereitet werden, damit die Integration in die Gesellschaft erfolgreich verlaufen kann. Bei vorzeitiger Entlassung kann der Straftäter eine elektronische Fußfessel bekommen. Mit dieser Fußfessel kann man immer seinen Aufenthaltsort feststellen.

Um auf das Leben in Freiheit vorzubereiten, kann ein „offener Vollzug“ angeordnet werden, das heißt, dass der Gefangene die Zeit tagsüber außerhalb des Gefängnisse verbringt und nur nachts im Gefängnis. Allerdings geht das nur, wenn keine Fluchtgefahr besteht.

Der Konsum von Drogen muss innerhalb des Gefängnisses nachhaltig bekämpft werden. Daher sind regelmäßige Drogenkontrollen in der Zelle von den Vollzugsbeamten durchzuführen. Der Jugendstrafvollzug sollte wissenschaftlich begleitet werden, um seine Wirksamkeit zu erforschen. Daran beteiligt ist zum Beispiel der kriminologischer Dienst in Zusammenarbeit mit Hochschulen.

Von Florian Benz und Jonas Irion, 9. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg


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