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Freie Waldorfschule Marburg

Jan Schalauske: „Vom gemeinsamen Lernen profitieren alle“

Schüler Gerrit Naumann sprach vor der Oberbürgermeisterwahl in Marburg mit Linken-Kandidat Jan Schalauske.
Jan Schalauske kandidiert bei der Oberbürgermeisterwahl für die Linken.

Jan Schalauske kandidiert bei der Oberbürgermeisterwahl für die Linken.

© Arne Dedert

Marburg. Schüler: Wie sind Sie zum Beruf des Politikers gekommen?

Jan Schalauske: Ich würde mich nicht als Berufspolitiker bezeichnen. Ich bin zum Studieren nach Marburg gekommen, um zu lernen, wie die Welt und die Gesellschaft funktioniert und wie alles zusammenhängt. Ich habe mich dann für Politikwissenschaft entschieden. Während des Studiums bin ich stärker politisch aktiv geworden und würde mich deshalb eher als einen Politikwissenschaftler, also jemand, der sich tiefergehend damit beschäftigt, und einen politischen Aktivisten verstehen, welcher bestimmte Sachen in der Gesellschaft verändern will.

Schüler: Gibt es etwas Konkretes, was Sie in der Stadt Marburg erreichen oder verändern wollen?

Schalauske: Ja, da gibt es so einiges. Ich finde, dass wir in Marburg für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen müssen. Ein besonders großes soziales Problem ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Jeder, der schon mal auf Wohnungssuche war, stellt fest, dass es kaum möglich ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Ich finde, da muss die Stadt handeln. Es müssen mehr soziale Wohnungen gebaut werden, in welchen die Miete günstiger ist. Ich bin auch der Meinung, dass es in einer Stadt wie Marburg ganz wichtig ist, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen.

Schüler: Wie sehen Sie die Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in Marburg?

Schalauske: Ich finde, dass Marburg für seine Größe eine sehr lebendige Stadt ist und sowohl im kulturellen Bereich, also Kino, Theater und so weiter, wie auch im sportlichen Bereich soweit ganz in Ordnung ist. Allerdings brauchen wir in Marburg mehr Sportstätten, also eine neue Sporthalle und ein 50-Meter-Becken zum Schwimmen.

Schüler: Würden Sie diese auch noch erweitern?

Schalauske: Natürlich, wenn es da noch Bedarf gibt. Dann fände ich es nur gut, wenn von Schülern oder Jugendgruppen auch konkret gesagt würde, was sie an Infrastruktur, öffentlichen Plätzen und Einrichtungen noch brauchen.

Schüler: Was halten Sie vom heutigen Schulsystem?

Schalauske: Naja, auch das kann die Jugend wahrscheinlich besser beurteilen. Wir haben als die Linke immer gesagt, wichtig wäre für uns, dass es ein längeres gemeinsames Lernen gibt. Dass diese Selektion, diese Trennung in verschiedene Schulsysteme Schritt für Schritt aufgehoben werden muss; denn das dreigliedrige Schulsystem führt dazu, dass insbesondere Kinder und Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien nicht so gute Chancen auf einen Bildungserfolg haben wie Kinder und Jugendliche aus sozial besser gestellten Familien. Wir glauben fest daran, dass, wenn Kinder und Jugendliche in einer Schule gemeinsam lernen, dass alle davon profitieren, die Leistungsstärkeren wie die Leistungsschwächeren. Deshalb würden wir das Schulsystem gerne in diese Richtung weiterentwickeln.

Schüler: Wie stehen Sie zum Thema Flüchtlinge in Marburg und Deutschland? Was kann man tun, um Flüchtlingen ein besseres Leben zu ermöglichen?

Schalauske: Weltweit gibt es viele Probleme. Es gibt Hunger, Armut, es gibt politische Verfolgungen, aus religiösen und anderen Motiven, Flucht vor Krieg und Gewalt. Vor Unterdrückung und Ausbeutung. 50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, so viele wie noch nie zuvor, und wenn man überlegt, wie wenige es überhaupt nach Europa schaffen, dann bedrückt mich das sehr. Ich bin der Meinung, dass so ein reiches Land wie Deutschland mehr tun muss, um Menschen in Not eine sichere Zuflucht zu bieten. Ich finde aber auch, dass wir Verantwortung übernehmen müssen für die Probleme in der Welt. Denn wenn Menschen vor Umweltkatastrophen wie Dürre fliehen, dann hat das auch damit zu tun, dass wir zur globalen Erderwärmung beitragen. Wenn Menschen im Irak oder in Syrien vor Krieg und Gewalt fliehen, dann hat das auch etwas mit der gescheiterten Politik des Westens zu tun, die in diesen Regionen versucht hat, mit militärischen Interventionen oder mit anderen Mitteln Einfluss zu nehmen. Was Marburg angeht, so habe ich den Eindruck, dass es in der Stadt eine große Hilfsbereitschaft gibt. Dieses Engagement der Bürger finde ich beeindruckend. Marburg nimmt bereits Flüchtlinge auf, aber noch nicht so viele, wie es könnte und müsste. Als erstes braucht es eine menschenwürdige Unterkunft. Die Flüchtlinge müssen möglichst dezentral in kleinen Wohneinheiten untergebracht werden. Sie brauchen dann Unterstützung aus der Gesellschaft, um die deutsche Sprache zu lernen, um sich im Alltag zurechtzufinden, und sie müssen auch möglichst schnell Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen, bei der gesundheitlichen Versorgung und bei sozialen Transferleistungen gleichgestellt werden.

von Gerrit Graumann, 9. Klasse,Freie Waldorfschule Marburg

[Peter Gassner]

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