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Elisabethschule

Erste Marburger Demenzpflege-WG entsteht

Tausende Menschen besuchten im Frühjahr Schweigers neue Komödie “Honig im Kopf“ in den Kinos. Im echten Leben ist ein an Alzheimer erkrankter Verwandter nicht ganz so lustig, denn Alzheimer ist eine Art von Demenz.

Die Baustelle in der Weintrautstraße, wo zukünftig die erste Demenzpflege-WG Marburgs entstehen wird.

© Privatfoto

Marburg. In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen unter Demenz.  Die meisten sind über 85 Jahre alt. Die Pflege daheim ist sehr aufwendig und kostet viel Zeit, sowie auch Geld.

Doch in Altersheimen kann kaum auf die Bedürfnisse eines jeden Bewohners eingegangen werden, was einer der Gründe ist, warum sich 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen das Leben in einem Heim kaum vorstellen wollen. In Hessen gibt es aber leider kaum Alternativen.

"Ganz normalen Alltag gestalten"

Daher hat die Stadt Marburg, gemeinsam mit der Bürgerinitiative (BI) Sozialpsychiatrie, mit dem Bau der ersten Demenzpflege-WG in Marburg begonnen. Entstehen soll diese in der Weintrautstraße auf dem ehemaligen Germanenplatz. Auf insgesamt 360 Quadratmeter verteilen sich ab dem 1. Oktober 2015 neun Schlafzimmer, ein großes Koch-, Ess- und Wohnzimmer sowie mehrere Bäder und Toiletten. Die BI Sozialpsychatrie unterstützt schon mehrere Projekte zum Thema Betreutes Wohnen.

Ein Zimmer für die Pfleger ist nicht geplant, da diese nur Gäste sind und nicht in der Pflegegemeinschaft wohnen werden. Trotzdem sind rund um die Uhr Pfleger in der Wohnung. Welcher Pflegedienst sich in Zukunft dort um die neun Bewohner kümmert, steht noch nicht fest. Er wird von den Angehörigen ausgewählt und kann von diesen auch gewechselt werden. Das Ziel der Wohngemeinschaft ist es, eine familienähnliche Struktur aufzubauen.

Die Bewohner sollen sich dort wohlfühlen, schließlich wird es ihr neues zu Hause. Daher werden die Zimmer von den Angehörigen eingerichtet und Möbel aus der alten Wohnung übernommen. Auch über die alltäglichen Aktivitäten wie Kochen, Frühstücken oder Arbeit im Garten können die Bewohner der Demenzpflege-WG mit ihren Angehörigen selbst bestimmen. So gibt es zum Beispiel keine festgelegten Essenszeiten.

“Wir wollen einen ganz normalen Alltag dort gestalten“, meint Thomas Dimroth, Leiter dieses Projekts. In die WG wird nur aufgenommen, wer sich nach der Probewoche mit allen gut versteht, da man möchte, dass sich jeder wohlfühlt. Noch stehen nicht alle zukünftigen Bewohner fest. Die Angehörigen können oft zu Besuch kommen, müssen sich aber auch selbst engagieren. Dafür können sie Einfluss nehmen auf das Leben in der Demenzpflege-WG.

“Sie sind die Mieter“

Die Angehörigen treffen sich regelmäßig und organisieren gemeinsame Ausflüge, aber auch Alltagsaufgaben wie Reinigung, Instandhaltung oder Dekoration der Räume müssen von den Angehörigen geregelt werden. Auch die Miete muss vollständig von den Angehörigen bezahlt werden, selbst wenn die Preise nicht über denen eines normalen Altenheims liegen werden.

Für die Pflege und Betreuung gibt es meist einen Zuschuss, doch je nach Pflegestufe kann der Eigenanteil unterschiedlich hoch sein. Für viele Betroffene stellt das Leben in einer Demenzpflege-WG eine gute und spannende Alternative da, denn man ist nicht so festgelegt wie in einem Heim, benötigt aber auch nicht den großen Aufwand, welcher für die Pflege zu Hause gebraucht wird. Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, wendet sich an die BI Sozialpsychiatrie e.V. in der Biegenstraße 7, zu erreichen auch unter der Telefonnummer: 06421/176990

von Meret H. Schild, Klasse 8c, Elisabethschule Marburg


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