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Freie Waldorfschule

Ein Au-Pair aus Madagaskar!

Lovasoa Razanamanga kam mit 23 Jahren aus Madagaskar nach Deutschland. Sie ist inzwischen seit zwei Jahren hier und fühlt sich hier wohl. Sie besucht zurzeit die Universität in Marburg.

Lovasoa Razanamanga, AuPair aus Madagaskar und Hannah Vermeil.

© Privatfoto

Marburg. In Madagaskar gibt es keine Au-Pairs. „Ich hatte noch nie von dieser Art, ein Jahr im Ausland zu verbringen, gehört, bis eine Freundin an der Uni mir davon erzählt hat“, erzählte Lovasoa uns. Über eine Agentur kam sie dann im Februar 2013 zu einer Familie in Bad Endbach.

Ihr erster Eindruck von Deutschland war Kälte, da sie zum ersten Mal Schnee sah. Die Kälte machte ihr jedoch in den ersten Tagen noch nicht so zu schaffen, weil sie zu aufgeregt war, um diese zu realisieren. Etwas völlig Neues für sie waren zum Beispiel die Busfahrpläne, welche es auf Madagaskar gar nicht gibt. 

Auch die deutsche Sprache und die Umarmung als Begrüßung waren neu für sie. „Auf Madagaskar begrüßen wir uns mit einem Küsschen rechts und einem Küsschen links“, meinte sie. Die deutsche Sprache bereitete ihr einige Probleme, da die Grammatik durch viele Ausnahmen in den Regeln sehr schwer ist und sie, als sie nach Deutschland kam, noch kaum Deutsch sprechen konnte.

Keine Diskriminierung

Da sie dies für den Job als Au-Pair brauchte, besuchte sie einen Deutschkurs, welcher ihr auch von der Agentur bezahlt wurde. Sie konnte uns zudem die Frage beantworten, wie anderssprachige Menschen die deutsche Sprache wahrnehmen. „Die deutsche Sprache hört sich kompliziert an, was vor allem an den längeren Wörtern liegt“, erklärte sie uns mit einem Lächeln.

Zum Thema Diskriminierung konnte sie uns zum Glück keine persönlichen Erlebnisse erzählen. Das Einzige was ihr einfiel, war, dass sie in Bad Endbach manchmal wegen ihrer dunklen Hautfarbe angeschaut worden war. In Marburg, wo sie nach dem Jahr als Au-Pair weitere Deutschkurse an der Universität belegte, um studieren zu dürfen, erlebte sie dies nicht. Sehr positiv äußerte sie sich über die Organisation und Struktur Deutschlands, welche ihr halfen, sich schnell eigenständig zurecht zu finden.

„Doch dadurch wirken viele Menschen nach außen hin etwas distanziert, zurückhaltend und kühl. Sie bemühen sich, möglichst nicht aufzufallen“, sagte sie. In Madagaskar hingegen macht es den Menschen nicht viel aus aufzufallen, sie sind dementsprechend lockerer. Ein gutes Beispiel dafür sind Geburtstage. Welche, wie sie uns erzählt, mit viel Musik, Tanz und einem großen Essen gefeiert werden.

Kleine Zahlen, hohe Preise

An besonderen Tagen, wie zum Beispiel Geburtstagen, gibt es in Madagaskar manchmal Essen aus anderen Ländern. Normalerweise essen die Madagassen nämlich hauptsächlich heimische Gerichte mit Lebensmitteln aus Madagaskar, welche quasi Bio sind. Nur sind sie nicht so teuer wie Bio-Lebensmittel in Deutschland. Insgesamt sind Produkte in Madagaskar nicht so teuer wie in Deutschland.

Das Einkommen ist allerdings auch entsprechend niedriger. In Madagaskar zahlt man mit Ariary, 3000 Ariary entsprechen etwa einem Euro. Daran kann man bereits erahnen wie seltsam und zugleich einladend die „niedrigen“ Preise in Deutschland auf jemanden aus Madagaskar wirken. Lovasoa erzählte uns mit einem Lächeln, dass sie eine Weile brauchte, um sich an diese kleineren Zahlen, welche aber höhere Preise widerspiegeln, zu gewöhnen.

„In den ersten Wochen habe ich der deutschen Wirtschaft einiges zu Gute getan“, erzählte sie uns. Sie ist froh darüber, nach Deutschland gekommen zu sein und hier studieren zu können. Nach dem Abschluss ihres Studiums möchte sie gerne für ein soziales Hilfswerk wie Unicef arbeiten. Dann wird sie wahrscheinlich zurück nach Madagaskar, in die USA oder in ein anderes Land gehen. 

von Hannah Vermeil und Lena Oeste, 9. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg


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