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Freie Waldorfschule Marburg

Dr. Elke Neuwohner: „Der Stundenplan ist zu voll gestopft“

Schüler Finn Opgenoorth sprach vor der Oberbürgermeisterwahl in Marburg mit der Kandidatin der Grünen, Dr. Elke Neuwohner.
Elke Neuwohner kandidiert bei der Marbugrer Oberbürgermeisterwahl für die Grünen.

Elke Neuwohner kandidiert bei der Marbugrer Oberbürgermeisterwahl für die Grünen.

© Thorsten Richter

Marburg. Schüler: Frau Dr. Neuwohner, wie sind Sie denn zu dem Beruf der Politikerin gekommen?

Dr. Elke Neuwohner: Letztendlich bin ich Ärztin, aber Politik ist das, was ich als Hobby und Freizeitbeschäftigung mache, seitdem ich 17 bin, also seit über 20 Jahren. Seit zehn Jahren bin ich im Stadtparlament. Mit der Wahl zur Oberbürgermeisterin würde Politik dann wirklich zu meinem Beruf werden, auch wenn ich mich nicht als Berufspolitikerin sehe.

Schüler: Gibt es dann etwas, was Sie hier verändern wollen in Marburg?

Neuwohner: Ja, was ich denke, wo noch viel zu tun ist, das ist der Radwegeausbau. Man hätte in Marburg eigentlich die Möglichkeit, genauso schnell zu sein wie mit dem Auto. Von Städten wie Münster, Tübingen, Amsterdam und Kopenhagen kann man noch eine Menge lernen.

Schüler: Wie schätzen Sie denn die Freizeitgestaltungsmöglichkeiten von Jugendlichen in Marburg ein?

Neuwohner: Ich glaube bezogen auf die Größe der Stadt mit ihren 70000 Einwohnern und den Umlandgemeinden ist das Angebot hier eigentlich ganz gut. Es gibt Kinos, es gibt die Kletterhalle, es gibt dieses Angebot von der Stadt mit Nacht- sport, wo man freitagabends in die Sporthalle kann, und ich finde das Sportgelände am Georg-Gaßmann-Stadion schön. Für mich ist das Angebot gut. Ich weiß auch durch meinen Sohn, dass man sich auch mit 17 schon schön in der Oberstadt treffen und da ein bisschen feiern kann. Aber ob das alles gut ist, müsste man mit dem Kinder- und Jugendparlament besprechen.

Schüler: Würden Sie die Freizeitmöglichkeiten gegebenenfalls noch erweitern?

Neuwohner: Ich denke das ist dann tatsächlich ein Thema, wo man Kontakt zum Kinder- und Jugendparlament hat. Die sind Eure gewählten Vertreter und die wissen besser was nötig ist, als wenn Erwachsene da drauf gucken und Euch sagen, Ihr braucht noch dieses oder jenes. Das Kinder- und Jugendparlament hält ja auch einmal im Jahr eine Rede im Stadtparlament und hat auch die Möglichkeit, Anträge zu stellen und ich denke, dass das über diesen Weg ganz gut ist. Zum einen, dass Vertreter von politischen Parteien, also so wie ich, direkt im Parlament etwas hören, zum anderen dass man sich mit den Vertretern dort eben mal unterhält. Der Impuls käme besser von den Jugendlichen.

Schüler: Was halten Sie denn von dem heutigen Schulsystem an staatlichen Schulen?

Neuwohner: Ich finde, dass der Leistungsaspekt überbetont wird. Ich habe jetzt vier Kinder an staatlichen Schulen, die alle gerne zur Schule gehen. Das ist schon mal gut. Aber dieses Hin und Her zwischen G8 und G9 fand ich eine unnötige Verwirrung. Eltern und Kinder wussten nicht, worauf sie sich einlassen. Und ich denke, der Stundenplan ist zu voll gestopft. Ich finde, die Kinder haben zu lange Schule. Man muss nicht 40 Wochenstunden in der Schule sein. Ich habe im Studium gelernt, dass man sich ungefähr am Tag so zwischen fünf und acht Stunden konzentrieren und etwas lernen kann. Manche haben aber elf Stunden, das finde ich Quatsch.

Schüler: Wie stehen Sie denn zu dem Thema Flüchtlinge in Marburg und welche Maßnahmen kann man konkret durchführen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen?

Neuwohner: Das war jetzt ein großes Thema über das letzte Jahr, weil klar war, dass deutlich mehr Menschen hier aufgenommen werden sollen und müssen. Ich hatte den Eindruck, dass die Stadt Marburg das tatsächlich ganz gut macht und ein ganz gutes Angebot hat. Ich finde wichtig, dass wir hier vor Ort den Schwerpunkt darauf setzen, dass sie nicht in Gruppenunterkünften sind, weil das einfach sehr viel Stress ist, wenn man auf einmal mit 20 wildfremden Leuten in vier Zimmern ist. Auf die medizinische Versorgung denke ich, muss man gucken. Ich bin ja Ärztin und denke mir, wer zu mir kommt, den versorge ich auch. Aber ich glaube aus Sicht der Flüchtlinge ist das eine große Hürde. Die brauchen einen Behandlungsschein, mit dem sie zum Arzt müssen. Dieser ist total unkompliziert auszufüllen, aber ich glaube trotzdem, dass sich das für Flüchtlinge wie eine Hürde anfühlt. Wir hatten eine Veranstaltung von der Stadt in die alle kommen konnten, die sich für Flüchtlinge engagieren wollen, Privatleute und auch Organisationen: Der Saal war rappelvoll. Das war schon cool. Das fand ich beeindruckend. Also, ich glaube, da läuft vieles ganz gut, aber man muss das ein bisschen koordinieren, damit das nicht im Sande verläuft. Auch die Flüchtlinge mal selber fragen, was sie brauchen; das ist ja sehr verschieden, die kommen aus sehr verschiedenen Ecken der Welt.

von Finn Opgenoorth, 9. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg

[Peter Gassner]

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