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Die Kampfdrohne, die Nutzen bringt

Biologische Waffe gegen Maiszunsler Die Kampfdrohne, die Nutzen bringt

Noch vor einigen Jahren war der Maiszünsler in der Region kein Thema. Das hat sich inzwischen gründlich geändert. Der gefürchtetste Schädling im Maisanbau ist in Oberhessen angekommen.

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Die Drohne fliegt über einem Maisschlag bei Erfurtshausen und wirft in regelmäßigen Abständen ihre biologischen Waffen gegen den Maiszünsler ab. Fotos: Matthias Mayer

Erfurtshausen. Erfurtshausen. Der Wärme liebende Falter ist inzwischen aus Südhessen eingewandert. Die Diplom-Agraringenieurin Susanne Fischer vom Wasser- und Bodenverband berichtet von einem drei Jahre zurückliegenden massiven Befall auf einem Maisfeld bei Rüdigheim, der faktisch zu einem totalen Ernteausfall geführt hat. „Das Feld sah nach dem Ernteversuch aus wie ein Truppenübungsplatz“, erinnert sie sich. Das Problem in diesem Fall: Die Larven des Maiszünslers, einer Schmetterlingsart mit dem Aussehen einer Motte, hatten die Maisstängel unterhalb der Maiskolben angebohrt. Die Folge: Die Maisstängel knickten ab und konnten bei der Ernte von der Häckselmaschine nicht mehr erfasst werden.

Das ist nicht nur ein hoher materieller Schaden für den Landwirt, sondern auch ein Problem für die Umwelt und das Wasser. Die Ernte bleibe zum großen Teil auf dem Acker und damit auch der von den Pflanzen aufgenommene Stickstoff, erklärt Susanne Fischer. Grund genug, den Maiszünsler nicht gewähren zu lassen, sondern zu bekämpfen.

Wespen-Larven fressenEier des Maiszünslers

Dass dies dank neuer Technik auch ohne die chemische Keule geht, zeigte eine Informationsveranstaltung, zu der der Wasser- und Bodenverband an die Erfurtshäuser Biogasanlage eingeladen hatte. Hauptakteure: Eine fünf Kilo leichte „Kampfdrohne“ und deren federleichte „Munition“: Zellulose-Kugeln mit jeweils 2000 Eiern der Schlupfwespe Trichogramma brassicae. Die Drohne wirft pro Hektar 100 dieser Kugeln ab - also eine Kugel mit 2000 künftigen Wespenlarven, die nur einen Auftrag haben: einen gehörigen Appetit entwickeln und die Eiergelege, die die Maiszünsler an der Unterseite der Maisblätter ablegen, auffressen, bevor die Zünsler-Larven geschlüpft sind und ihr zerstörerisches Werk beginnen können.

Bevor Dr. Axel Weckschmied das Fluggerät mit der rettenden Fracht startete, informierte Michael Lenz vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen die gut 30 Landwirte über den aktuellen Stand. Nicht in jedem Jahr müsse in der Region der Maiszünsler-Befall, der inzwischen nahezu jeden Maisschlag betreffe, behandelt werden. Da dieser warme und trockene Sommer dem Maiszünsler ein Wohlfühklima biete, sei in diesem Jahr mit einem eher starken Befall zu rechnen, sagte der Fachmann.

Den Flugbeginn der Weibchen erwartet er noch für diese Woche, nachdem in einer Duftstoff-Falle bei Rüdigheim bereits männliche Tiere gefunden wurden. Nach seiner Prognose werden in der kommenden Woche die ersten Weibchen mit der Ablage von je rund 700 Eiern beginnen. Nach einer Reifephase, die je nach Witterung zwischen 4 und 14 Tagen dauert, schlüpfen die Larven aus dem Gelege.

„Wir bringen Nützlingeaus und keine Chemie“

In diesem Zeitfenster muss der Inhalt der Tricho-gramma-Kapseln geschlüpft und durch winzige Löcher in den abbaubaren Zellulose-Kugeln ins Freie gelangt sein. Damit dieser Zeitpunkt nicht verpasst wird, befinden sich in den einzelnen Kugeln Eier mit verschiedenen Schlupfraten der speziell gezüchteten Wespen, wie Michael Lenz erklärt.

„Wir bringen Nützlinge aus und keine Chemie“, nennt Michael Lenz einen wesentlichen Vorteil neben dem Wirkungsgrad des Verfahrens von 70 bis 85 Prozent. Das reicht für den hier üblichen Befall aus“, sagt Lenz, der die Kosten für diese spezielle rein biologische Behandlung mit 60 Euro pro Hektar angab. Das ist ungefähr der Betrag, den Landwirte auch für eine Behandlung mit Insektiziden aufbringen müssen.

Eine bestimmte Verhaltensweise der Larven macht den Maiszünsler so gefährlich. Zunächst ernähren sich die Larven von Pollen. Dann bohren sie sich in den Stängel hinein und fressen sich immer weiter nach unten. Bis zur Ernte erreichen sie den untersten Stängelabschnitt, der beim Häckseln des Maises nicht abgeschnitten wird. In diesem können die Larven auf dem Acker problemlos überwintern.

Vor diesem Hintergrund ruft Michael Lenz alle Maisanbauer zu Ackerhygiene und solidarischen Handeln auf. Die Maisstoppemn nach der Ernte zu mulchen sei ein guter Schritt, den Maiszünsler im Folgejahr klein zu halten. „Das funktioniert aber nur, wenn alle Kollegen etwas gegen den Maiszünsler unternehmen. Es reicht aus, wenn ein Landwirt auf zwei Hektar gar nichts macht, um die ganze Umgebung zu infizieren“, warnt Michael Lenz.

Ein Ventilator überdem Maisfeld

Wie eine Maiszünsler-Prophylaxe umweltfreundlich und ohne Einsatz eines Stelzenschleppers funktioniert, demonstriert Dr. Axel Weckschmied mit seinem Fluggerät. Für das interessierte Publikum steuert er das Fluggerät von Hand. Normalerweise steuert der mit den GPS-Daten der zu befliegenden Flächen gefütterte Computer die Drohne, die so innerhalb von 20 Minuten ihre Fracht über einem Hektar entladen kann. In regelmäßigen Abständen wirft die Maschine eine Kugel ab.

Die kann man auch von Hand an den Maispflanzen anbringen. Dies auf zehn Hektar zu erledigen, ist bei 36 Grad im nicht vorhandenen Schatten für die schwitzenden Landwirte eine grauenhafte Vorstellung. Um so mehr gefällt ihnen der Tiefflug über ihren Köpfen: Ein leistungsstarker Ventilator auf dem Feld - wo gibt‘s das sonst?

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