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Die Parkplätze und die Gerechtigkeit

Thema der Woche Die Parkplätze und die Gerechtigkeit

Wer einmal in Holland Urlaub gemacht hat und für eine Stunde Parkzeit in einer stinknormalen Kleinstadt - und das außerhalb der Hochsaison - stolze 2,40 Euro bezahlt hat, wird sich nicht ernsthaft darüber aufregen, dass er künftig in Marburgs Innenstadt 20 Cent mehr bezahlen soll.

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Marburg. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass Otto Normalverbraucher kaum einen Parkplatz findet an Marburgs Straßen. Das wird auch so bleiben, die vom Magistrat behauptete „Lenkungsfunktion“ höherer Beiträge wird angesichts moderater Erhöhung nicht eintreten. Der durchschnittliche Autofahrer wird immer versuchen, so nah wie möglich an seinem Ziel zu parken. Und: Der glückliche Autofahrer, der einen Parkplatz gefunden hat, wird sich nicht wegen 20 zusätzlicher Cent abgezockt fühlen - aber dann, wenn er 50 Minuten parken möchte, 60 bezahlen muss. Und Anwohner etwa im Südviertel, die sich einen Anwohnerparkschein gekauft haben, fahren regelmäßig aus der Haut, wenn sie keinen ausgewiesenen Anwohnerparkplatz bekommen, ihr Auto mit Parkausweis auf der anderen Straßenseite abstellen, das für Kurzzeitparker gedacht ist, und am nächsten Morgen ein Knöllchen an der Windschutzscheibe haben. Das ist das alte Problem im Umgang zwischen Obrigkeit und Bürger: Wer sich gerecht behandelt fühlt, ist glücklicher. Und nimmt auch eine höhere Parkgebühr in Kauf. Aber angesichts knapper werdenden öffentlichen Parkraums wird auch der zum Gerechtigkeitsproblem.

von Till Conrad

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