Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Der Schuh drückte fast überall

Der Schuh drückte fast überall

Mit zwei Siegen aus 14 Spielen war 2016 erneut ein enttäuschendes Jahr für die Marburg Mercenaries. Die Probleme waren verschiedenster Natur und begannen beim ­Trainerstab.

Voriger Artikel
1531 Stunden für die Allgemeinheit
Nächster Artikel
Grundschüler rennen für die Kindertafel

Enttäuschte Gesichter bei Marburgs Footballer. Mit der 26:43-Pleite gegen Munich Cowboys verabschiedeten sich die Mercenaries um Silas Nacita (links) aus der Saison. Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Wenn am Samstag die Play-Offs in der German Football League (GFL) beginnen, sind die Marburger wie im Jahr 2015 nur Zuschauer. Von der Teilnahme waren die „Söldner“ weit entfernt: Mit zwei Siegen verbuchten sie sechs Erfolge weniger als das schlechteste Playoff-Team, die Allgäu Comets.

In fast jeder Offensiv- oder Defensivstatistik rangierten die „Mercs“ in der unteren Hälfte der GFL. Im Verein regt sich Appetit auf Veränderungen. Und die soll ein Trainerwechsel mit sich bringen. „Wir haben im Verein Defizite in Sachen Coaching. Wir waren zu wenige Leute und wissen, dass wir da Nachbesserungsbedarf haben“, meint Noch-Cheftrainer Matthias Dalwig.

Die Ära Dalwig ist anscheinend am Ende. Sie dauerte drei Jahre. Nächste Saison soll ein neuer Wind wehen. Doch der Sterzhäuser ist im Verein nicht Schnee von gestern, sondern wird aller Wahrscheinlichkeit nach einen anderen Trainerposten übernehmen, unter dem neuen Head Coach arbeiten. „Ich möchte auf jeden Fall mit den Jungs weiterarbeiten. Aber man wird sehen, was passiert“, sagt der Noch-Cheftrainer entspannt.

Dass er als ehemaliger Spieler in der Marburger Offensive Line diese Positionsgruppe übernimmt, bietet sich an. Die Suche nach dem neuen Head Coach hat bereits vor dem letzten Saisonspiel am vergangenen Sonntag begonnen. Der Verein sucht dabei weltweit.

Es ist also möglich, dass ein Coach aus den USA, dem Mutterland des Footballs, das Kommando bei den „Söldnern“ übernimmt. Ungeachtet, woher er kommt, hat der neue Cheftrainer viel Arbeit vor sich. Verbesserungsbedarf besteht in jedem Mannschaftsteil.

Denn die „Mercs“ waren in fast jeder Offensiv- und Defensivstatistik unterdurchschnittlich oder gar schlecht. Noch kurz vor der Saison frohlockte Vereinspräsident Carsten Dalkowski wegen des dynamischen Duos in der Offensive. Von den beiden US-amerikanischen Neuzugängen, Quarterback Holt Claiborne und Running Back Silas Nacita, versprach er sich ein „Offensiv-Feuerwerk“. Aber nur Nacita brannte eins ab. Der Läufer zeigte vorzügliche Leistungen, spielte Special Teams sowie ab und an in der Verteidigung und als Quarterback. Mit fast 1600 erzielten Yards gehörte er in dieser Statistik zu den Top drei der GFL und zeichnete für mehr als die Hälfte der Marburger Touchdowns verantwortlich.

Nacitas Leistung war umso bemerkenswerter, da Marburgs Offensive Line, die aus vielen jungen Spieler mit wenig GFL-Erfahrung bestand, beim Blocken fürs Laufspiel höchstens Mittelmaß war. Beim Blocken fürs Passspiel war die „O-Line“ der Mercenaries schlichtweg schlecht.

Um eine poröse Offensive Line im Passspiel zu entlasten, muss der Quarterback den Football entweder möglichst zügig nach der Ballfreigabe passen oder sich intelligent bewegen können, um den gegnerischen Verteidigern zu entgehen. Claiborne besaß diese beiden Qualitäten kaum. Das Resultat: Marburgs Passoffensive war die schlechteste der Liga - kein Erfolgsrezept. „Von ihm haben wir uns sicher mehr erwartet“, gesteht Dalwig ein.

Auf der anderen Seite des Balls präsentierte sich die Marburger Verteidigung als Wechselspiel zwischen Licht und Schatten - teilweise innerhalb einzelner Spiele: Auf gute Abwehrarbeit folgten bisweilen beim nächsten Spielzug der gegnerischen Offensive haarsträubende Fehler. In die Fehlerkette reihten sich auch die beiden US-Imports in der Defensive, die Defensive Backs Damon Collins und Jesse Hogan, ein.

Viermal kassierte die Verteidigung von Defensive Coordinator Sam Weiss mehr als 50 Punkte. Allerdings hatte die Defense mit massiven Personalproblemen zu kämpfen. Mehrere Eckpfeiler standen dem Team kaum zur Verfügung. „In der Mannschaft steckte das Potenzial, in die Play-Offs zu kommen. Aber die Verletzungen und unsere inkonstanten Leistungen kamen uns teuer zu stehen“, urteilt Weiss.

Doch im „Söldnerlager“ gab es auch einige positive Entwicklungen in dieser Saison. So haben es die „Mercs“ geschafft, junge Spieler aus der eigenen Jugend ins Team zu integrieren und Spieler mit wenig GFL-Erfahrung weiterzuentwickeln. Die beiden Defensivspieler Lorenz Petri und Andreas Flier machten Fortschritte.

Ebenso in der Offensive Wide Receiver Hendrik Schwarz und Offensive Lineman Moritz Witte. Auch vielversprechend: U-19-Quarterback Dennis Siebert wurde zum Saisonende als Spielmacher eingesetzt und machte eine bessere Figur als Holt Claiborne.

Dass dem jungen Kader noch die notwendige Konstanz, Erfahrung und Qualität fehlt, um auf dem GFL-Niveau die Top-Klubs in Verlegenheit zu bringen, ist nachvollziehbar. Das braucht Zeit. Diese sollen sie in Marburg erhalten. Denn der Verein will das Fundament an deutschen Leistungsträgern, wie es noch während des Hochs des Klubs vor fünf Jahren der Fall war, wieder festigen.

von Benjamin Kaiser

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales