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Um jeden Preis

Einwurf Um jeden Preis

Die Leichtathletik manövriert sich in die Krise. Der Sportart ergeht es wie den Radsportlern bei der Tour de France - die Glaubwürdigkeit geht Richtung Nullpunkt.

Marburg. Wer kann sich denn noch vorstellen, dass Usain Bolt seine Leistung nur durch Talent und Trainingsfleiß vollbringt oder Christopher Froome nur dank Elektrolytgetränken den Pyrenäen trotzt?

Andererseits: Es gibt immer noch genügend Fans, die den Stars zujubeln. An der Strecke, im Stadion, auch vor dem Fernseher. Was die Vermutung zulässt, dass es diesen Leuten egal ist, ob die Protagonisten nun sauber sind oder nicht. Hauptsache Spektakel, Hauptsache Event. Weiter gedacht: Wäre es nicht die logische Konsequenz, Doping einfach zu erlauben und so für Chancengleichheit zu sorgen?

Natürlich nicht! Schließlich soll der Sport eine gesellschaftliche Vorbildfunktion haben. Fairplay ist dabei ein ganz wesentlicher Aspekt. Den anderen, aber auch sich selbst gegenüber. Der Griff zu Dopingmitteln ist dabei der falsche, der ungesunde und auf Dauer schädliche Weg. Die Krise in der Leichtathletik - in gewisser Weise ist sie damit auch ein Spiegel des Turbokapitalismus mit seinen Auswüchsen. Wachstum um jeden Preis - das ist wie ein Doping-Olympiasieg: Auf Pump und von kurzer Dauer. Der Sport erlebt gerade seine ganz eigene Finanz- und Bankenkrise. Und ein Ausweg ist nicht in Sicht.

von Holger Schmidt

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