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Strafe wäre falsches Signal

Einwurf Strafe wäre falsches Signal

Bremens Zlatko Junuzovic hat sich gegen Hannover mutwillig eine Gelbe Karte abgeholt. Er fehlt damit gesperrt in München. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt. Eine Strafe darf es für Junuzovic aber nicht geben. Aus mehreren Gründen.

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Marburg. Es ist noch gar nicht lange her, da schickten die Bayern eine B-Elf in Spiele gegen Bundesliga-Abstiegskandidaten. Erst recht, wenn die Champions League mit ihrem Glanz lockte und die Stars für das Aufeinandertreffen mit Europas Besten geschont werden sollten. Die Aufregung war groß, weil sich die Bundesligisten nicht ernst genommen fühlten. Inzwischen sind die Gegner aus den unteren Tabellengefilden dazu übergegangen, Partien gegen die Bayern nicht mehr ernst zu nehmen. Es ist nicht mehr das Spiel des Jahres, sondern notwendiges Übel, das es hinter sich zu bringen gilt. Die Aufregung ist aber vor allem deshalb so groß, weil sie ihre Leistungsträger nicht einfach schonen, sondern ihnen durch - vermeintlich - absichtlich herbeigeführte Gelbsperren Ruhepausen verschafften. Darmstadt machte es vor, Bremen nach.

Die Statuten sind so, dass es nach jeweils fünf Gelben Karten eine Sperre gibt. Junuzovic hat sich das zunutze gemacht. Ein taktisches Mittel. Ob es clever ist, das Spiel in München so herzuschenken, steht auf einem anderen Blatt.

Eine Strafe darf der DFB gegen Junuzovic aber auf keinen Fall aussprechen. Es wäre ein fatales Signal. Der Ehrliche wäre der Dumme. Noch dazu müssten dann eine Menge Gelbsperren auf den Prüfstand: Ist es denn beispielsweise auszuschließen, dass nicht nur gegen die Bayern, sondern auch gegen Dortmund Spieler wegen mysteriöser „Gelbsucht“ ausfallen? Ein Fass ohne Boden.

Zudem sollte es DFB und Liga ein Anliegen sein, die Ursachen zu bekämpfen: Die Lücke zwischen den Königs­klassenklubs und dem Rest wird immer größer, weil die Bundesliga als Solidargemeinschaft bedroht ist. Stichwort TV-Gelder. Wird dieses Problem gelöst, ist die Bayern-Partie wieder das Spiel des Jahres. Und „Gelbsucht“ kein Thema mehr.

von Holger Schmidt

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