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Nur gut gemeint

Einwurf Nur gut gemeint

In der Theorie klingt es gut: Die Schiedsrichter wollen härter durchgreifen, wenn es um das Torhüterspiel und das Abwehrverhalten geht.

Marburg. Wenn Torhüter beim Herauslaufen ohne Rücksicht auf Verluste die Angreifer umnieten oder wenn Abwehrspieler am Trikot ihrer Gegenspieler zerren, soll das streng geahndet werden. In der Praxis könnte die Umsetzung der Vorgabe zu einer wahren Elfmeterflut führen.

Ein Blick nach Kanada zur Frauen-WM genügt, um festzustellen, dass diese Regelauslegung dem Fußball nicht gut tut. In beiden Halbfinalspielen wurden insgesamt vier Strafstöße verhängt - alle vier waren höchst fragwürdig, teilweise sogar schlichtweg falsch. Nicht jede Berührung ist gleich ein Foul, die Elfmeter für Deutschland und für England waren ein Witz. Wenn beim Männerfußball, wo die Zweikämpfe noch intensiver geführt werden, genauso gepfiffen wird, drohen schon bei Bundesligaspielen kleine Elfmeterschießen.

Das Vorhaben, die leidigen Trikotzupfer härter zu bestrafen, mag gut gemeint sein. Allerdings wird es dazu führen, dass eine ungeliebte und gefürchtete Spezies in den Strafräumen der Bundesliga eine Wiedergeburt erlebt, die man eigentlich schon ausgerottet glaubte: die Schwalbe. Dass auf diese Art Spiele entschieden werden, kann wirklich keiner wollen.

von Holger Schmidt

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