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Lautes Schweigen

Einwurf Lautes Schweigen

Es ist nicht lange her, da konnte Franz Beckenbauer keinem Mikrofon aus dem Weg gehen. Da ging die „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs mit ihren Weisheiten hausieren, über den FC Bayern oder die Welt als solche. Heute so, morgen anders.

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Marburg. Das war selten besonders tiefgründig, aber aufgrund Beckenbauers nonchalanter Art meist kurzweilig und amüsant. Deswegen stand er als Experte bei den Fernsehsendern hoch im Kurs. Die Zuschauer hatten etwas zu lachen, die Bayern-Verantwortlichen die eine oder andere Schweißperle auf der Stirn, wenn Beckenbauer - erst einmal in Form - etwas unbedacht drauflosplauderte. Irgendwann fingen die ständigen Einlassungen des Kaisers dann an zu nerven. Aber letztlich: Wirklich böse sein mochte ihm niemand, wirklich ernstnehmen konnte man ihn aber auch nicht mehr. Er war halt der Kaiser.

Jetzt, wo Fußball-Deutschland gerne wieder etwas von ihm hören würde, schweigt sich Beckenbauer aus. Es ist ein lautes Schweigen, das immer vernehmlicher wird, je länger es dauert. Es sagt: Hier ist etwas faul. Retten kann er sein Denkmal nur noch, indem er auspackt und eingesteht: Ja, ich wollte die WM unbedingt nach Deutschland holen. Ja, ich bin dabei über das Ziel hinausgeschossen und habe Fehler gemacht. Dieses Mindestmaß an Einsicht und Größe ist von einem Kaiser zu erwarten.

von Holger Schmidt

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