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Gute Niederlage

Einwurf Gute Niederlage

Die Pläne einer Münchner Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2022 sind beim Bürger krachend durchgefallen - da konnten prominente Unterstützer wie Franz Beckenbauer, Magdalena Neuner oder Maria Höfl-Riesch noch so sehr trommeln und von Plakatwänden lächeln.

Marburg. Das mag die Befürworter enttäuschen, die ja die besseren Argumente auf ihrer Seite wähnten. Allerdings: Angekommen sind diese Argumente bei der Bevölkerung nicht. Der Funke ist zu keinem Zeitpunkt übergesprungen, trotz einer groß angelegten Image-Kampagne.

Doch wofür haben die Bürger mit ihrem Votum denn jetzt ein Zeichen gesetzt? Fest steht: gegen den Sport an sich nicht. Man muss sich nur die Fernsehquoten bei Ski- und Biathlonübertragungen anschauen, um zu erkennen, welchen Stellenwert der Wintersport hat. Nicht von der Hand zu weisen ist: Eingriffe in die Natur wollten die Menschen im Freistaat nicht, der Gigantismus der Spiele mag die als heimatverbunden und traditionsbewusst geltenden Bayern zusätzlich abgeschreckt haben. Auf jeden Fall ist es ein gutes Zeichen, dass sich der mündige Bürger eigene Gedanken macht und nicht blind den Marketingstrategen des IOC folgt.

Vielleicht haben die Bayern den Olympia-Befürwortern mit ihrem Votum sogar einen Gefallen getan. Denn selbst bei einem positiven Bürgerentscheid, wäre Deutschland doch nur Außenseiter bei der 2022-Vergabe gewesen. Und eine weitere Niederlage gegen die internationale Konkurrenz wäre eine herbe Enttäuschung gewesen. So war es zwar eine Niederlage - aber eine gute, weil der deutsche Sport und auch das IOC darüber werden nachdenken müssen.

von Holger Schmidt

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