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Gewalt geht nicht nur den Fußball an

Einwurf Gewalt geht nicht nur den Fußball an

Das Thema Gewalt beherrscht derzeit den Fußball. Dabei geht es nicht mehr nur um Zuschauerausschreitungen im Profibereich, die den Vereinen, der Politik und auch den Fans selbst Kopfzerbrechen bereiten.

Marburg. Auch in den Amateurligen nehmen körperliche Attacken zu. Tiefpunkt dieser traurigen Entwicklung ist der Tod eines niederländischen Linienrichters, der bei einem Jugendspiel von drei 15- bzw. 16-Jährigen totgeprügelt wurde.

„Wir müssen etwas tun“, fordert Ajax Amsterdams Trainer Frank de Boer reflexartig. Bleibt nur die Frage: was? Wenn Spieler derart ausrasten, ist der Sport ohnmächtig. Denn Fifa-Boss Sepp Blatter hat ja in einem Punkt vollkommen recht: Der Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Jugendliche in den Großstädten Rotterdam, Amsterdam und Utrecht laut niederländischem Verband KNVB besonders aggressiv seien. Und Ballungsgebiete mit sozialen Brennpunkten gibt es nicht nur im Nachbarland.

Man muss zwar vorsichtig sein. Aber im jüngsten Fall scheinen die Jugendlichen den Sport lediglich als Ventil benutzt zu haben. Ihre aufgestaute Wut und Frustration entlud sich in einem Akt der Gewalt. Das ist nicht zu entschuldigen, aber kein fußballspezifisches Problem. Es hätte auch anders Ausdruck finden können - in einer U-Bahn-Schlägerei etwa.

Was aber nachdenklich stimmen sollte: Gerade Sportvereine sind ja dafür da, Jugendliche in die richtigen Bahnen zu lenken. Darin besteht ihre gesellschaftliche Aufgabe. Politik und Wirtschaft wiederum müssen dafür sorgen, den Jugendlichen eine Perspektive zu bieten. Nur so lassen sich Tragödien wie in Almere verhindern. Härteres Durchgreifen bekämpft nur die Symptome, nicht die Krankheit.

von Holger Schmidt

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